Babtschenko sprach in Kiew vor Medienvertretern

Babtschenko verteidigt seine Rolle in Geheimdienst-Finte

Donnerstag, 31. Mai 2018 | 19:40 Uhr

Der russische Journalist Arkadi Babtschenko hat die Inszenierung seines Todes durch den ukrainischen Geheimdienst SBU verteidigt. Die Gefahr eines Anschlags auf ihn sei real gewesen, schrieb er am Donnerstag auf Facebook: “Alles war genau so wie gesagt.” Die internationale Kritik an der Ukraine nach dem vorgetäuschten Mord riss indes nicht ab.

Wer ihm vorhalte, die Medien irregeführt zu haben, der solle “seine Prinzipientreue und hohe Moral beweisen und stolz erhobenen Hauptes sterben”, meinte Babtschenko. Auf Twitter entschuldigte er sich ironisch dafür, noch am Leben zu sein: “Bei der nächsten Attacke gehe ich bestimmt drauf.”

Babtschenko will nun die ukrainische Staatsbürgerschaft annehmen. Er habe einem entsprechenden Vorschlag der Behörden zugestimmt, sagte der 41-Jährige bei einer Pressekonferenz. Dies abzulehnen wäre unhöflich, sagte er der Agentur Interfax zufolge. “Dieses Land hat mir einen Ort zum Wohnen gegeben, hat mir Asyl gewährt und hat einen Spezialeinsatz geplant, um mein Leben zu retten”, sagte Babtschenko. “Dafür bin ich dankbar.”

Der SBU hatte am Mittwoch enthüllt, dass der aufsehenerregende Mord an Babtschenko in Kiew eine Finte war. Nur so habe man ein Komplott russischer Geheimdienste gegen Babtschenko und andere Gegner der Moskauer Regierung verhindern können. Die Irreführung der Öffentlichkeit bis hinauf zum Weltsicherheitsrat hat aber scharfe Kritik ausgelöst, darunter seitens der Organisation Reporter ohne Grenzen (ROG), die von den ukrainischen Behörden Aufklärung forderte. “Solche Inszenierungen sind ein Stich ins Mark der Glaubwürdigkeit des Journalismus”, warnte die Organisation.

“Dieser fahrlässige Umgang mit der Wahrheit ist unverzeihlich und ein geschmackloses Spiel mit der Glaubwürdigkeit der Medien”, sagte die Präsidentin von Reporter ohne Grenzen Österreich, Rubina Möhring. Auf Lügen aufgebaute Suche nach einem möglichen Attentäter, noch dazu in Zusammenarbeit mit einem Geheimdienst, widerspreche jedweder professionellen Ethik und sei auf das Schärfste abzulehnen. “Es ist gefährlich, in einer Welt zu leben, wo die Behörden, wo die Politik die Bürger und die Öffentlichkeit dreist belügen”, sagte der Vorsitzende des Deutschen Journalistenverbands (DJV), Frank Überall.

Von: APA/dpa

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