Mit Baerbock wollen die deutschen Grünen hoch hinaus

Baerbock soll Kanzlerkandidatin der deutschen Grünen werden

Montag, 19. April 2021 | 19:22 Uhr

Die deutsche Grünen-Chefin Annalena Baerbock soll ihre Partei als Kanzlerkandidatin in den Bundestagswahlkampf führen. Dies teilte Co-Parteichef Robert Habeck am Montag mit. “Wir beide wollten es, aber am Ende kann es nur eine machen”, sagte er. Erstmals in ihrer Geschichte ziehen die Grünen mit dem Anspruch in die Wahl, stärkste Partei im Bund zu werden. Die Entscheidung muss noch auf einem Parteitag vom 11. bis 13. Juni bestätigt werden, die Zustimmung gilt aber als sicher.

“Es wird nicht immer leicht sein”, sagt Baerbock zu ihrer Kanzlerkandidatur für die Grünen. Der Wahlkampf werde die Partei gehörig fordern. Die Partei werde sich aber untereinander helfen, die größte Kraft entstehe immer aus gemeinsamem Handeln. Sie sehe ihre Kandidatur “als Einladung, unser vielfältiges, reiches, starkes Land in eine gute Zukunft zu führen”, so Baerbock.

Als Leitlinie für die nächste Regierung gab Baerbock das Ziel der Klimaneutralität vor. Andernfalls mache eine Regierung “nicht wirklich Sinn”, sagte die Co-Parteichefin. “Ein bisschen Klimaschutz wird nicht funktionieren.”

Habeck soll im Wahlkampf laut Baerbock eine prominente Rolle einnehmen. “Wir werden den Wahlkampf gemeinsam anführen”, sagt Baerbock. “Das hat uns drei Jahre stark gemacht.” Habeck werde vor allem seine Regierungserfahrung in Schleswig-Holstein einbringen.

Mit Blick auf den Streit um die Kanzlerkandidatur in CDU/CSU zeigte sich Baerbock besorgt. Es bereite ihr Sorgen, wenn eine deutsche Regierungspartei in Zeiten großer internationaler Herausforderungen “ins Schwanken kommt”, sagte Baerbock. In anderen europäischen Ländern habe sich gezeigt, was es für die Stabilität Europas bedeute, “wenn zentrale demokratische Parteien auseinanderbröckeln”.

CDU-Chef Armin Laschet gratuliert Baerbock unterdessen zur Kandidatur. Gerade in diesen schwierigen Zeiten sei es wichtig, fair miteinander umzugehen, sagte Laschet vor der CDU-Parteizentrale in Berlin. Das sichere er Baerbock für die CDU hiermit zu, so Laschet weiter.

Glückwünsche kamen auch von der SPD. “Wir freuen uns auf konstruktive wie auch kontroverse Dialoge und Diskussionen mit der Spitzenkandidatin und ihrer Partei um die besten Lösungen”, sagten die die SPD-Vorsitzenden Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Dienstagsausgabe).

Mit der Entscheidung der Grünen enden monatelange Spekulationen. Die Partei überließ die Klärung der Kandidatenfrage ihren beiden Parteivorsitzenden Baerbock und Robert Habeck, die sich geräuschlos untereinander verständigten.

Die Grünen hatten sich angesichts der seit 2018 hohen Umfragewerte erstmals für eine Kanzlerkandidatur entschieden. Derzeit sind sie mit mehr als 20 Prozent zweitstärkste Kraft hinter der CDU/CSU und vor der SPD. Baerbock ist bei der 20. Bundestagswahl seit 1949 erst die zweite Frau nach Angela Merkel, die sich um das höchste Regierungsamt bewirbt. Keiner der bisherigen Kanzlerkandidaten war jünger als die 40-Jährige.

Baerbock wird bei der Wahl gegen zwei Männer antreten: Die SPD hat Finanzminister und Vizekanzler Olaf Scholz nominiert, die Union muss sich noch zwischen den Vorsitzenden von CDU und CSU entscheiden, Armin Laschet und Markus Söder.

Anders als bei CDU und CSU hat es bei den Grünen weder Streit noch größere öffentliche Diskussionen über die Kandidatenkür geben. Deswegen wird auch auf dem Parteitag im Juni eine große Zustimmung erwartet.

Baerbock wuchs in der Nähe von Hannover auf und studierte Politikwissenschaften und Völkerrecht in Deutschland und London. Bei den Grünen hat die Mutter von zwei Töchtern schnell Karriere gemacht: 2009 Vorstand der europäischen Grünen und Landesvorsitzende in Brandenburg; 2013 Einzug in den Bundestag; 2018 Bundesvorsitzende der Grünen gemeinsam mit Habeck.

Bisher haben in der Regel nur CDU/CSU und SPD Kanzlerkandidaten nominiert, mit einer Ausnahme: 2002 stellte die FDP Guido Westerwelle auf, wurde dann aber mit 7,4 Prozent nur viertstärkste Kraft im Bundestag hinter SPD, CDU/CSU und Grünen.

hr bisher bestes Ergebnis bei einer Bundestagswahl erzielten die Grünen 2009 mit 10,7 Prozent. Bei der Wahl 2017 kamen sie nur auf 8,9 Prozent.

In Umfragen liegen die Grünen derzeit bei 20 bis 23 Prozent und damit nur wenige Prozentpunkte hinter der Union und deutlich vor der SPD. Laut dem Chef des Meinungsinstituts Forsa, Manfred Güllner, stehen die Chancen für die Grünen nach der Nominierung Baerbocks bei der Bundestagswahl noch besser. “Sie spricht stärker die weiblichen und jungen Wähler an. Hier könnten die Grünen mit ihr stärker punkten”, so Güllner. Sie stehe für einen modernen Politikstil. “Das ist sicherlich unter den aktuellen Rahmenbedingungen eine richtige Entscheidung.”

Von: APA/dpa/AFP/Reuters

Kommentare

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18 Kommentare auf "Baerbock soll Kanzlerkandidatin der deutschen Grünen werden"


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nuisnix
nuisnix
Universalgelehrter
19 Tage 58 Min

Warum nur haben wir keine solche Grünen???

corona
corona
Superredner
18 Tage 23 h

Weil die Älpler gleich wie die Bajuwaren nur einem Mann und einer Partei vertrauen. Wohin das führt, sieht man tagtäglich. Südtirol und Bayern, die letzten funktionalen Monarchien Europas… 😉

nuisnix
nuisnix
Universalgelehrter
18 Tage 21 h

Da sind einige wohl nicht ganz auf der Höhe…
Einerseits wird die Foppa hier immer bis unter die Gürtellinie kritisiert und dann wären sie auch mit “solchen Grünen” nicht zufrieden…

Wisst ihr überhaupt was ihr wollt???
Oder seid ihr vielleicht einfach immer nur dagegen???

Horti
Horti
Tratscher
18 Tage 19 h

@ nuisnix, Meinst Du solche Grünen wie z. B. die mit dem dicken Dienstwagen fahren und den letzten Kilometer mit dem E-Auto sich zu einer Veranstaltung fahren lassen?

Sag mal
Sag mal
Kinig
18 Tage 18 h

nuisnix 🙈🙈🙈 hoffentlich ironisch von Dir gemeint🙏

Andreas
Andreas
Universalgelehrter
18 Tage 15 h

worum hobmer iberhaupt griane???

Paula
Paula
Tratscher
18 Tage 5 h
Glaube mir, das möchtest Du auch nicht haben. Die investieren in D nur noch in Radwege usw. Verkehrsstraßen sind löchrig usw. Bei meinen Verwandten in D kannst keine Sahne im Supermarkt kaufen. Bis da zurück bist, ist die fest! Die Straßen hätten vor gut 4 Jahren saniert werden sollen – bis die Grünen an die Regierung kamen. Seitdem werden nur noch Radwege gebaut. Der größte Humbug, den ich nun erfahren habe ist, dass die Regierung einen Kreisverkehr an der Autobahnausfahrt in eine Ampelkreuzung umbauen lässt. Schilda lässt grüßen. Deswegen – lass die Grünen den Deutschen und sei froh, dass es… Weiterlesen »
nuisnix
nuisnix
Universalgelehrter
17 Tage 21 h

@Paula
Hast recht – freie Fahrt den Autos und Straßen überall…
Kapierst du eigentlich, welchen Käse du schreibst???

tom
tom
Universalgelehrter
19 Tage 1 h

Wenn sich zwei streiten, freut sich die Dritte

eisern
eisern
Tratscher
18 Tage 17 h

Die Grünen machen zur Zeit viel richtig. Nach dem Chaos der letzten Monate würde es mich nicht wundern wenn es die von der Regierung Enttäuschten dieses Jahr grün wählen. Auf die ewig alte gleiche Art und Weise hat doch die junge Generation keinen Bock und die Alten sind enttäuscht und haben in Baden-Würtenberg mit dem Kretschmann jemanden der als Grüner ein positives Gefühl gibt.

Sag mal
Sag mal
Kinig
18 Tage 15 h

eisern viel richtig?!!!!!Sie Sind vor allem für die grössten Probleme Die in den letzten Jahren auf Uns zurollten verantw.

Sag mal
Sag mal
Kinig
18 Tage 18 h

das wäre Deutschlands endgültiger Untergang.

So sig holt is
So sig holt is
Universalgelehrter
18 Tage 8 h

i denk a, deitschlond funktioniert lei mit jemand der af die Wirtschaft schaug…

Storch24
Storch24
Kinig
18 Tage 15 h

Bei so einer Grünen würde ich sofort unterschreiben. Sie hat vorgemacht wie man es richtig macht. Chapeau

So sig holt is
So sig holt is
Universalgelehrter
18 Tage 8 h

ober wenn sie donn an der Spitze isch merkt man, dass sie decht a lei gleich isch wia olle onderen!

Peerion
Peerion
Tratscher
18 Tage 17 h

Die Wähler konnten in den sozialen Medien das “Teilen” ja schonmal üben. Ob das wohl auch für ihr Geldbeutel gilt. Die EU ist nämlich ziemlich geldgierig und abhängig von Geldgüberwisungen aus Berlin. Wann immer Angela Merkel Geld nach Brüssel schickte, war es den Grünen nicht genug. Viel Spass beim Teilen.

rapunzel191
rapunzel191
Tratscher
18 Tage 17 h

Quo vadis teutonia

onassis
onassis
Tratscher
18 Tage 16 h

Habeck hätte die weitaus größeren chanchen gehabt Kanzler zu werden. Bearbock ist wie ein unruhiges wildes Pferd.

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