Kein Ende der Gewalt in Syrien

Beinahe 200 Tote bei Luftangriffen in Syrien

Dienstag, 20. Februar 2018 | 14:33 Uhr

Bei neuen heftigen Angriffen auf das syrische Rebellengebiet Ost-Ghouta nahe Damaskus sind den zweiten Tag in Folge Dutzende Zivilisten ums Leben gekommen. Die Syrische “Beobachtungsstelle für Menschenrechte” meldete am Dienstag, seit der Früh seien in der belagerten Region rund 50 Menschen getötet worden, darunter 13 Kinder.

Das Gebiet sei von Jets und Hubschraubern aus der Luft und mit Artillerie bombardiert worden. Innerhalb von weniger als 48 Stunden seien damit in Ost-Ghouta fast 200 Menschen ums Leben gekommen, erklärte die oppositionsnahe Beobachtungsstelle. Die in Großbritannien ansässige Organisation bezieht ihre Informationen von einem Netzwerk von Aktivisten in Syrien. Ihre Angaben können von unabhängiger Seite nur schwer überprüft werden.

Ost-Ghouta, die letzte Rebellenhochburg in der Nähe von Damaskus, wird überwiegend von zwei Islamistengruppen kontrolliert, an einzelnen Stellen ist jedoch auch das Jihadistenbündnis Hajat Tahrir al-Sham aktiv. Die syrische Regierung will die Kontrolle über das Gebiet zurückerlangen, von dem aus immer wieder Raketen und Mörsergranaten auf die Hauptstadt gefeuert werden.

Ost-Ghouta ist seit Monaten von Regierungstruppen eingeschlossen. Rund 400.000 Menschen sind dort fast vollständig von der Außenwelt abgeschnitten. Helfer berichten von einer dramatischen humanitären Lage. Über Wochen durften keine Hilfslieferungen in das Gebiet.

Das habe zu einem schlimmen Mangel an Nahrungsmitteln geführt, sagte der regionale UNO-Nothilfekoordinator, Panos Moumtzis. Die Raten an Mangelernährung hätten ein beispielloses Niveau erreicht. “Die humanitäre Lage der Zivilisten in Ost-Ghouta ist dabei, außer Kontrolle zu geraten”, erklärte Moumtzis weiter.

Mit einer ungewöhnlichen Erklärung prangerte das UNO-Kinderhilfswerk UNICEF die heftigen Angriffe auf Ost-Ghouta an. Die Organisation veröffentlichte am Dienstag eine weitgehend leere Mitteilung. Darin wird UNICEF-Regionaldirektor Geert Cappelaere mit einem einzigen Satz zitiert: “Keine Worte werden den getöteten Kindern, ihren Müttern, ihren Vätern und ihren Angehörigen Gerechtigkeit widerfahren lassen.”

Am Ende heißt es dann in einer Fußnote: “Wir geben diese leere Mitteilung heraus. Wir haben nicht länger die Worte, um das Leiden der Kinder und unsere Empörung zu beschreiben. Haben diejenigen, die dieses Leiden verursachen, noch Worte, um ihre barbarischen Taten zu rechtfertigen?”

Von: APA/ag.