Immer wieder riefen Protestteilnehmer "Diebe, Diebe"

Belgrader “Protest gegen Diktatur” am Samstag ausgeweitet

Samstag, 08. April 2017 | 18:09 Uhr

Die seit Montag in Belgrad und anderen Städten anhaltende Protestwelle ist am heutigen Samstag durch eine weitere Demonstration der Polizei- und Militärgewerkschaft ausgeweitet worden. Einige tausend Demonstranten fanden sich um Mittag vor dem Regierungsgebäude ein, um gemeinsam gegen niedrige Solde und die “Diktatur” zu demonstrieren.

Für die Polizei- und Militärgewerkschaft, die eine Solderhöhung fordert und gegen die “Privatisierung” der Polizei und der Streitkräfte demonstriert, ist es bereits die fünfte Demonstration seit Herbst 2016. Sie wirft den Behörden auch vor, in “unhaltbaren Nepotismus und wachsende Korruption” zu verfallen.

Der seit Montag alltäglich stattfindende “Protest gegen die Diktatur” ist am Samstag in seinen sechsten Tag gegangen. Für später am Nachmittag wurden Protestkundgebungen auch in zahlreichen anderen Städten angekündigt. Die gemeinsame Kundgebung war nicht nur durch den Protest gegen den Wahlsieg von Premier Aleksandar Vucic bei der Präsidentenwahl am Sonntag, sondern auch durch klare Sozialforderungen gekennzeichnet.

“Man hat mich der Wohnung beraubt, die Pension gesenkt, was ist das Nächste”, war auf Spruchtafeln zu lesen, auch “Das Fremde wollen wir nicht, das Eigene geben wir nicht”, es hieß auch “No pasaran”. Entsprechend war auch die Musikbegleitung. Zu hören war unter anderem das beliebte Lied der Hip-Hop-Gruppe “Beogradski sindikat”, “Du wirst vom System belogen”. Immer wieder riefen Protestteilnehmer auch “Diebe, Diebe”.

Auch in Wien protestierten am Samstagnachmittag rund 150 Personen am Heldenplatz gegen den Sieg von Premier Aleksandar Vucic. “Stop Autokratie” und “Recht auf Medienvielfalt”, war auf Transparenten zu lesen. Es handle sich dabei um keine Demonstration, sondern um eine spontane Versammlung für demokratische Rechte in Serbien, erklärt Sprecherin Katarina Kaupa gegenüber der APA.

Zusätzlich wurde eine Vereinfachung der Wahlprozedur für Auslandsserben gefordert: “Wir hatten nur eine Woche, um uns für die Wahl anzumelden. Die wenigsten haben es geschafft, auf die Liste zu kommen.”

“Recht auf freie Wahlen” steht auf dem Plakat eines Protestteilnehmers. “Bei der Präsidentschaftswahl, die am 2. April stattgefunden hat, hat es viele Manipulationen gegeben. Die Menschen wurden mit ihren Jobs erpresst”, erzählt er. Weiters seien Stimmen verkauft worden. “Man hat Studenten gezwungen, Vucic zu wählen, um einen Abschluss machen zu können”, ergänzt eine Studentin der Wirtschaftsinformatik, die anonym bleiben möchte.

Um 14.00 Uhr begann sich die laut Behördenangaben friedliche Versammlung aufzulösen. Die Initiative für die “Versammlung für demokratische Rechte in Serbien” ging von serbischen Studenten in Wien aus und wurde laut offizieller Erklärung weder von einer Partei, einer Organisation noch von einem Verein unterstützt.

Vucic hatte die Präsidentenwahlen mit 55 Prozent der Stimmen klar gewonnen. Der zweitplatzierte Präsidentschaftskandidat Sasa Jankovic blieb mit gut 16 Prozent weit zurück.

Von: apa

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