Am Sonntag kündigte Handelsministerin Penny Mordaunt Kandidatur an

Bereits zehn Bewerber für Johnson-Nachfolge

Sonntag, 10. Juli 2022 | 23:12 Uhr

Nach dem angekündigten Rückzug des britischen Premierministers Boris Johnson haben sich bereits zehn konservative Politiker auf die Nachfolge beworben. Am Sonntag kündigten Außenministerin Liz Truss und Handelsministerin Penny Mordaunt ihre Kandidatur an. “Unsere Führung muss sich ändern. Es muss weniger um die Person an der Spitze gehen und viel mehr um das Schiff”, twitterte die 49-Jahre alte Mordaunt. Sie hat sich als vehemente Brexit-Unterstützerin einen Namen gemacht.

Damit sind nun fünf aktuelle Kabinettsmitglieder im Rennen: Außer Mordaunt und Truss auch Finanzminister Nadhim Zahawi, Verkehrsminister Grant Shapps und Chefjustiziarin Suella Braverman. Medienberichten zufolge läuft die Bewerbungsfrist bis Dienstagabend. Anschließend wählen die Fraktionsmitglieder der Konservativen Partei in mehreren Abstimmungsrunden zwei Bewerber aus – zwischen ihnen entscheiden die Parteimitglieder dann in einer Stichwahl.

Als Favorit der Buchmacher gilt derzeit Ex-Finanzminister Rishi Sunak, der von zahlreichen einflussreichen Tories unterstützt wird. Allerdings werfen Anhänger des noch amtierenden Premiers Johnson ihm vor, den Regierungschef hintergangen zu haben, wie die Sonntagszeitung “Observer” berichtete. Weitere Kandidaten sind die früheren Kabinettsmitglieder Sajid Javid und Jeremy Hunt, die ehemalige Staatssekretärin Kimi Badenoch und der Chef des Auswärtigen Ausschusses, Tom Tugendhat.

“Ich bin mir sicher, dass wir noch ein paar Kandidaten bekommen, bevor wir die Nominierungsphase am Montag beenden, und dann geht der Auswahlprozess los”, sagte Geoffrey Clifton-Brown vom zuständigen Parteikomitee dem Sender LBC. Medien hatten zuvor berichtet, die Bewerbungsfrist ende am Dienstag. Anschließend bestimmen die 358 Mitglieder der Tory-Fraktion in mehreren Wahlgängen, bei denen immer die Kandidaten mit den wenigsten Stimmen ausscheiden, zwei Bewerber. Dies soll bis zur Sommerpause des Parlaments am 21. Juli geschehen, wie Clifton-Brown sagte. Schließlich entscheiden die Parteimitglieder in einer Stichwahl über den Sieger oder die Siegerin.

Im Zentrum des Wahlkampfs stehen Fragen nach Steuersenkungen, um die Verbraucher angesichts der explodierenden Inflation zu entlasten, der Umgang mit der EU nach dem Brexit sowie die Zuwanderungspolitik.

Gegen Amtsinhaber Johnson gab es neue Vorwürfe. Er soll 2008 in seiner Zeit als Bürgermeister von London die Bewerbung einer jungen Frau für einen Job im Rathaus gefördert haben, die ihm wiederum vorwirft, sein Amt für eine sexuelle Beziehung zu ihr genutzt zu haben. Das legen Mitschnitte eines Gesprächs der beiden von 2017 nahe, die die “Sunday Times” veröffentlichte. Downing Street verwies auf Anfrage der Zeitung darauf, dass die Vorwürfe die Zeit vor Johnsons Zeit als Premierminister betreffen. Außerdem wolle man sich zum Privatleben des 58-Jährigen nicht äußern.

Von: APA/dpa

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