Rishi Sunak und Boris Johnson wollen Premier werden

Bericht: Genug Unterstützer für Johnsons Premier-Kandidatur

Sonntag, 23. Oktober 2022 | 05:23 Uhr

In Großbritannien hat Medienberichten zufolge neben Ex-Finanzminister Rishi Sunak auch der frühere Premierminister Boris Johnson die vorgeschriebene Anzahl an Unterstützern für eine Bewerbung um die Nachfolge von Premierministerin Liz Truss. 100 Mitglieder der konservativen Partei seien für eine Nominierung Johnsons, schrieb der Politik-Chefkommentator der “Sunday Times”, Tim Shipman, auf Twitter und berief sich auf eine ungenannte Quelle aus Johnsons Umfeld.

Die BBC and Sky News berichteten ebenfalls von 100 Johnson-Unterstützern. Johnson kehrte am Samstag aus einem Karibik-Urlaub nach London zurück.

Am Freitag hatte eine Politik-Redakteurin des “Guardian” auf Twitter geschrieben, Sunak habe die Schwelle von 100 Stimmen erreicht. Sie berief sich auf nicht näher bezeichnete Quellen.

Damit können Johnson und Sunak an einer für Montagnachmittag geplanten ersten Abstimmungsrunde der Tories teilnehmen. Als weitere mögliche Bewerberin gilt die frühere Verteidigungsministerin Penny Mordaunt. Eine Entscheidung soll bis Freitag fallen. Truss war am Donnerstag zurückgetreten. Sie hatte Anfang September Johnson abgelöst, der ebenfalls zurückgetreten war.

“Es ist mir eine Ehre, der 100. Tory-Abgeordnete zu sein, der ‘#Ready4Rishi’ (Bereit für Rishi) unterstützt”, schrieb der konservative Abgeordnete Tobias Ellwood auf Twitter. Bisher hat aber nur Unterhauschefin Mordaunt ihre Kandidatur offiziell erklärt.

Sunak galt als aussichtsreichster Kandidat – nicht zuletzt, weil er die katastrophalen Konsequenzen von Truss’ Wirtschaftsplänen, die sie schließlich zu Fall brachten, vorausgesagt hatte. Auch Johnsons früherer Vizepremier Dominic Raab erklärte den Ex-Finanzminister im Sender “Sky News” zum “herausragenden Kandidaten”. Vielen Anhängern des Ex-Regierungschefs gilt Sunak wegen seiner Rolle bei dessen Rücktritt jedoch als “Königsmörder”.

In der Regierung wuchs zuletzt die Unterstützung für den vor wenigen Monaten wegen diverser Skandale als Premierminister zurückgetretenen Johnson. Verteidigungsminister Ben Wallace sagte am Freitag: “Im Moment tendiere ich zu Boris Johnson.” Er verwies darauf, dass Johnson die konservativen Tories 2019 zu einem klaren Wahlsieg geführt habe. Allerdings habe Johnson noch “einige Fragen zu beantworten”, fügte Wallace mit Blick auf seine zahlreichen Skandale hinzu.

Auch Energie- und Wirtschaftsminister Jacob Rees-Mogg sprach sich für Johnson als Partei- und Regierungschef aus. Er schrieb im Kurzbotschaftendienst Twitter die Losung “#BorisorBust” (Boris oder Nichts). Nur Johnson könne die nächste Parlamentswahl gewinnen. Auch Kabinettsmitglied Simon Clarke sprach sich für Johnson aus.

James Duddridge, einer der engsten Verbündeten Johnsons im Parlament, erklärte am Freitagabend, er habe mit seinem alten Chef über WhatsApp Kontakt gehabt. “Er sagte… ‘Wir werden das tun. Ich bin dabei'”, zitierte der Abgeordnete Johnson bei “Sky News”.

Der Ex-Premier traf Medienberichten zufolge mittlerweile in London ein. “Sky News” veröffentlichte ein Foto, das Johnson auf dem Rückflug aus der Dominikanischen Republik zeigt. Medienberichten zufolge wollen die Unterstützer von Sunak und Johnson sondieren, ob es Spielraum für eine einvernehmliche Lösung geben könnte.

Laut einer neuen YouGov-Umfrage sind 52 Prozent der britischen Wähler dagegen, dass Johnson an die Macht zurückkehrt. Johnson war Anfang Juli nach einer parteiinternen Revolte gegen ihn wegen seiner viel kritisierten Amtsführung während seiner drei Jahre als Parteichef und damit später auch als Premierminister zurückgetreten. Truss wurde von den Parteimitgliedern zur neuen Vorsitzenden gewählt und wurde damit automatisch auch Regierungschefin.

Nach nur sechs Wochen im Amt verkündete Truss angesichts massiven Drucks auch aus der eigenen Partei am Donnerstag ihren Rücktritt. Grund waren massive Fehler in der Finanz- und Steuerpolitik, die zu heftigen Turbulenzen an den Finanzmärkten geführt hatten.

Die Bewerber müssen bis Montag die Unterstützung von mindestens 100 der 357 Tory-Abgeordneten vorweisen. Das bedeutet, dass höchstens drei von tatsächlich kandidieren können. Danach müssen sich die Abgeordneten entweder auf zwei Kandidaten einigen, über welche die Parteimitglieder bis kommenden Freitag abstimmen, oder sie bestimmen direkt einen Kandidaten, der in die Downing Street einzieht.

Von: APA/Reuters/AFP

Kommentare

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21 Kommentare auf "Bericht: Genug Unterstützer für Johnsons Premier-Kandidatur"


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diskret
diskret
Superredner
1 Monat 14 Tage

Die werden sowieso wieder in die EU zurkommen

Waltraud
Waltraud
Kinig
1 Monat 14 Tage

diskret
Wohl eher nicht. 😁

Neumi
Neumi
Kinig
1 Monat 14 Tage

Irgendwann wahrscheinlich. Aber vorerst nicht, das wäre die Blamage schlechthin, die tun sie sich nicht an. Vielleicht aber löst sich ja Schottland los und kommt getrennt.

sarkasmus
sarkasmus
Tratscher
1 Monat 13 Tage

Sicher, bei uns gehts ihnen ja viel besser

OrB
OrB
Kinig
1 Monat 14 Tage

Johnson, der britische Berlusconi.

Doolin
Doolin
Kinig
1 Monat 14 Tage

…dann gibt’s wieder Alkparty in downing street n. 10…
😆

PeterSchlemihl
PeterSchlemihl
Universalgelehrter
1 Monat 14 Tage

@Doolin Recht hat er, der Boris, warum soll er als Vertreter des Volkes nicht auch das tun, was sein Volk tut?

Rudolfo
Rudolfo
Universalgelehrter
1 Monat 14 Tage

Das Rednerpult geht nach der Inthronisierung einer/s neuen britischen Regierungschefin/s als Leihgabe nach Italien…

Ischjolougisch
Ischjolougisch
Tratscher
1 Monat 14 Tage

Na dann hoffe ich mal das Beste für Penny Mordaunt.

Tigre.di.montana
Tigre.di.montana
Superredner
1 Monat 14 Tage

Mrs. Moneypenny und James Bond wären für das Vereinigte Königreich die bessere Wahl gewesen.

inni
inni
Universalgelehrter
1 Monat 14 Tage

… eine weitere TRUSSY will es probieren … 😜

Ischjolougisch
Ischjolougisch
Tratscher
1 Monat 14 Tage

Der Wirrkopf wird auch wieder Premierminister..
So agil wie sich Boris neuen Situationen anpasst bräuchte es m.M. nach auch jemanden als EU Präsidenten.
https://youtu.be/SiRYjpxZ6YE

Rudolfo
Rudolfo
Universalgelehrter
1 Monat 13 Tage

Wenn die Briten dieses 🏀 Double nochmals als Premierminister bekommen, dann haben sie es auch verdient…

Zugspitze947
1 Monat 12 Tage

Also wenn der Johnson wiederkäme wäre es der  endgültige Untergang  für diese verlogene Korrupte Partei 😡😝👌

Rudolfo
Rudolfo
Universalgelehrter
1 Monat 12 Tage

@Zugspitze947….das wäre vielleicht wünschenswert, jedoch hat er bereits 100 Unterstützer aus der eigenen Partei gefunden. Schon das allein ist zum 😱. Man kann nur noch auf Diejenigen in der Partei hoffen, die ihn nicht erneut wollen. Allerdings kenne ich die Mitbewerber nicht besonders und letztendlich gehn mir die Briten auch am P… vorbei. Seid deren EU Austritt habe ich keinerlei, mich betreffende Einschränkungen verspürt….

So ist das
1 Monat 13 Tage

…Er soll sich derzeit auf der Rückreise aus einem Karibik-Urlaub befinden…

Der Partymacher kommt aus dem Urlaub zurück. Wer den wohl bezahlt hat 😂😂😂

Sara Lea
Sara Lea
Tratscher
1 Monat 13 Tage

Mr. Johnson ist schlecht formiert. King Charles III. hat bereits einen neuen Prime Minister ernannt. 🤣🤣

Eric73
Eric73
Tratscher
1 Monat 12 Tage

unglaublich aber wahr – dass man ihn nicht geteert und gefedert hatte.
Jemanden, der so extremen Schaden an Staat und Volk angerichtet hat

ischJOwurscht
ischJOwurscht
Universalgelehrter
1 Monat 12 Tage

Eric73

ist in Italien nicht anders! ;-)))

inni
inni
Universalgelehrter
1 Monat 12 Tage

Der  BREXITVERDRUSS  überwiegt langsam aber sicher bei den Briten, angesichts der knallharten Realität ohne EU-Bündnispartnern.

ischJOwurscht
ischJOwurscht
Universalgelehrter
1 Monat 12 Tage

hat der Boris nicht schon genug angestellt????

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