Trump bei der Verkündung seiner Entscheidung im Weißen Haus

Besorgnis in aller Welt nach Trumps Jerusalem-Entscheidung

Donnerstag, 07. Dezember 2017 | 09:34 Uhr

Die Weltgemeinschaft hat mit größter Besorgnis auf den historischen Alleingang Donald Trumps zur Anerkennung von Jerusalem als Hauptstadt Israels reagiert. Politiker und Diplomaten sehen in der Entscheidung eine große Gefahr für den Nahost-Friedensprozess. Der UNO-Sicherheitsrat wird bereits am Freitag zu einer Sondersitzung zusammenkommen. Die Palästinenser protestieren mit einem Generalstreik.

Im Westjordanland sowie in Ost-Jerusalem blieben öffentliche Einrichtungen, Geschäfte, Schulen und Banken geschlossen. Die radikal-islamische Palästinenserorganisation Hamas rief als Reaktion auf Trumps Entscheidung zu einem neuen Palästinenseraufstand auf. Im Gazastreifen sowie in verschiedenen Städten des Westjordanlands kam es am Mittwochabend zu ersten Protesten. In Gaza verbrannten Demonstranten Bilder von Trump, US-Flaggen sowie Autoreifen.

Israel feiert unterdessen die Entscheidung, Regierungschef Benjamin Netanyahu sprach von einem “historischen Tag”. Die Mauer der Jerusalemer Altstadt wurde am Mittwochabend in den Farben der Flaggen Israels und der USA angestrahlt. Auch israelische Oppositionspolitiker begrüßten Trumps Schritt, sprachen sich aber gleichzeitig für neue Friedensgespräche mit den Palästinensern aus.

Israel beansprucht ganz Jerusalem als seine unteilbare Hauptstadt. Dieser Anspruch wird international nicht anerkannt. Israel hatte 1967 während des Sechstagekrieges den arabischen Ostteil der Stadt erobert und später annektiert. Die Palästinenser sehen in Ost-Jerusalem die künftige Hauptstadt eines unabhängigen palästinensischen Staates.

Trump wies das US-Außenministerium am Mittwoch an, mit dem Prozess zur Verlegung der US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem zu beginnen. Eine Zwei-Staaten-Lösung zur Beendigung des Nahost-Konfliktes werde er weiterhin unterstützen, wenn sie von beiden Konfliktparteien gewünscht wird.

Trump – und wenig später Israels Premierminister Netanyahu – versicherten, der Status der Heiligen Stätten von Christen und Muslimen in Jerusalem werde sich nicht ändern. Die Muslime zählen den Felsendom und die Al-Aksa-Moschee in Jerusalem zu ihren wichtigsten Heiligtümern, die Christen die in Jerusalems Altstadt befindliche Grabeskirche Jesu. Juden beten an der Klagemauer.

Sein neuer Kurs sei der beste Weg, den Friedensprozess in Nahost voranzubringen, sagte Trump. “Dies ist ein lange überfälliger Schritt, den Friedensprozess weiterzuführen und auf eine tragfähige Vereinbarung hinzuarbeiten”, betonte Trump. Israel sei eine souveräne Nation und habe auch das Recht, seine Hauptstadt frei zu wählen. CNN berichtete am Mittwochabend, US-Regierungsvertreter hätten eingeräumt, es könne zu vorübergehenden Abstrichen beim Friedensprozess kommen.

Neben Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas hatte sich besonders auch die Führung des Iran kritisch geäußert. “Die amerikanische Regierung hat sich mit dieser Erklärung dazu entschlossen, alle internationalen und bilateralen Resolutionen und Vereinbarungen zu verletzen”, sagte Abbas. “Diese irrationale und provokante Entscheidung wird zu einer weiteren Intifada sowie mehr Extremismus und Gewalt führen”, hieß es vom Außenministerium in Teheran.

Auch in Europa reagierten die Regierungen mit Besorgnis. Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel ließ über ihren Regierungssprecher via Twitter erklären: “Die Bundesregierung unterstützt diese Haltung nicht, weil der Status von Jerusalem im Rahmen einer 2-Staaten-Lösung auszuhandeln ist.” Frankreichs Präsident Emmanuel Macron wurde deutlicher: “Diese Entscheidung verletzt internationales Recht und alle UN-Resolutionen.”

Der Irak forderte die USA auf, ihre Entscheidung bezüglich Jerusalem zurückzunehmen. Die US-Regierung müsse dies tun, um eine gefährliche Eskalation zu vermeiden, die Extremismus schüre, teilt die irakische Regierung am Donnerstag mit. Zudem würde ein Umfeld geschaffen, das Terrorismus begünstige.

Das US-Außenministerium rief in einer “Worldwide Caution” sogleich zu erhöhter Wachsamkeit vor Terrorattacken auf. US-Bürger wurden aufgerufen, im Ausland besonders vorsichtig zu sein und sich vor Reiseantritt über etwaige Reisewarnungen für das Zielland zu informieren.

Von: APA/dpa/ag.

Kommentare

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14 Kommentare auf "Besorgnis in aller Welt nach Trumps Jerusalem-Entscheidung"


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speckbrot
speckbrot
Tratscher
10 Tage 6 h

Wir
dürfen also demnächst wieder weltweit zauselbärtige, durchgedrehte Orks in
aufgerissenen M…ern sehen.

Übrigens
war Jerusalem schon fast 1000 Jahre bevor die islamische Ideologie entstand, die Hauptstadt
des jüdischen Volkes. 

denkbar
denkbar
Kinig
9 Tage 16 h

@speckbrot . Was Trump damit wieder provoziert … reicht die Provokation gegenüber Nordkorea nicht?

6079_Smith_W
6079_Smith_W
Tratscher
9 Tage 16 h

Nur blöd dass dann die Römer gekommen sind und die Juden vertrieben haben…

Wolke
Wolke
Grünschnabel
10 Tage 2 h

Die US-Wirtschaft braucht dringend den Dritten Weltkrieg, deshalb wird an jeder Ecke bis aufs Äußerste provoziert: Jerusalem, Nord-Korea, Iran, …
🙁 🙁 🙁

denkbar
denkbar
Kinig
9 Tage 17 h

@Wolke  Genau so sieht’s aus. Provokation, um Provokation von dem ver-rückten Selbstdarsteller!

Wolke
Wolke
Grünschnabel
9 Tage 12 h

@denkbar , ich glaube nicht, dass das ganze Thema an der Figur “Trump” hängt. Ich halte die Geheimdienste des Imperiums USA und die Macht der Elite für weitaus gefährlicher. Die Marionetten auf der Bühne sind nicht die eigentliche Gefahr- die wahren Marionettenspieler im Hintergrund sehen wir nie und kennen auch nicht ihre Namen. Das war zum Beispiel bei der Ermordung von J.F.Kennedy sehr gut zu sehen. Und ein Trump mit seiner eitel-einfältigen Persönlichkeitsstruktur ist für den tiefenpsychologisch brillianten Geheimdienst sehr einfach einzuschätzen und zu lenken.

denkbar
denkbar
Kinig
9 Tage 10 h

@Wolke , Da haben Sie wohl recht, dass nicht das ganze Thema an Trump hängt. Aber Trump hat mit seiner Persönlichkeitsstörung ein ganz besonderes Geschick gefährliche Situationen durch undiplomatische Provokationen zu schaffen. Der Klang macht halt auch die Musik.

Amadeus
Amadeus
Grünschnabel
10 Tage 11 h

Weltweit grüßen die Religionskriege.
Es lassen sich scheinbar immer mehr Menschen von Religionsfanatikern aufstacheln, ihren scheinbar einzig richtigen Glauben mit Gewalt zu verteidigen. Mit Gewalt ! Das sagt schon alles.
Glauben und Menschlichkeit findet man nicht in protzigen Kirchen und Moscheen. Nicht im Milliardengeschäft, das der Klerus global mit der Religion betreibt. Doch nur im Herzen der Menschen. Also sollte jeder Mensch auch dort suchen bis er dies findet.

NixNutz
NixNutz
Superredner
10 Tage 1 h

Der trump muss weg.

ahiga
ahiga
Tratscher
9 Tage 16 h

…komisch…das hat obama schon vor jahren angekündigt..
jetzt wo Trump das macht, gibts ein aufschrei..
…ich weiss noch nicht ob ich den kerl mag…aber eines ist gewiss, glauben kann man dem gleich viel wie den medien, also alles oder gar nix..
ich bleib beim gar nix..

denkbar
denkbar
Kinig
9 Tage 13 h

@ahiga. http://www.zeit.de/politik/ausland/2013-03/obama-israel-rede-jerusalem-friedensprozess
Im Detail liegt der Unterschied!

Wolke
Wolke
Grünschnabel
10 Tage 2 h

😕😕😕😕😕

wellen
wellen
Tratscher
9 Tage 13 h

Wie isz es möglich dass ein einziger offenbar unfähiger verrückter Mann das labile Friedensgleichgewicht im Nahen und Fernen Osten stört? Setzt ihn endlich ab oder noch besser: entmündigt ihn.

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