Mindestens ein Mensch wurde bei dem Überfall getötet

Bewaffnete stürmten Gebäude von Hilfsorganisation in Kabul

Dienstag, 06. September 2016 | 12:57 Uhr

Afghanische Sicherheitskräfte haben während elf Stunden langer Gefechte auf dem Gelände der internationalen Hilfsorganisation Care drei Angreifer getötet. Weitere sechs Menschen seien verletzt worden, meldete der Sprecher des Innenministeriums, Sedik Sedikki, am Dienstag. Demnach wurden 42 Menschen, unter ihnen zehn Ausländer, aus dem umkämpften Gebiet im Zentrum Kabuls gerettet.

Den ganzen Vormittag über waren in Kabul Schusswechsel und Explosionen zu hören. Fotos vom Angriffsort zeigen eine Straße mit einem metertiefen Krater, eine eingestürzte Mauer und geschwärzte Wände eines dreistöckigen Gebäudes mit herausgesprengten Fenstern. Die Angreifer hatten um 23.00 Uhr vor dem Haus im belebten Einkaufs- und Hotelviertel Shar-e Nau zunächst eine Autobombe gezündet. Laut Innenministerium kam dabei einer der Angreifer ums Leben. Bisher hat sich niemand zur Attacke bekannt.

Sicherheitskräfte sprachen in der Nacht zunächst von einem Angriff auf ein kleines Hotel. Care hat auf der einen Straßenseite Büros, auf der anderen ein Gästehaus für Mitarbeiter. Es wurde aber nicht unmittelbar klar, wo die Angreifer zuerst eingedrungen waren oder wo sie sich am Morgen verschanzt hatten. Der Sender Tolo TV berichtete, das eigentliche Ziel sei das benachbarte Büro des ehemaligen Chefs des Geheimdienstes NDS, Rahmatullah Nabil, gewesen.

Die normalerweise belebte Neustadt blieb am Morgen weiträumig abgesperrt. An jeder Straßenecke standen Sicherheitskräfte. Tausende Geschäfte blieben geschlossen. Die Wucht der Explosion hatte im ganzen Viertel Fensterscheiben zersplittern lassen. Der Anschlag erfolgte nur wenige Tage vor Beginn des islamischen Opferfestes an diesem Sonntag.

Care arbeitet mit Unterbrechungen seit 1961 in Afghanistan. Die Organisation konzentriert sich vor allem auf Bildungsprogramme für Mädchen. Andere Tätigkeitsfelder sind laut Webseite der Organisation Frauenförderung, ländliche Entwicklung und Nothilfe.

Nur wenige Stunden vor dem nächtlichen Anschlag waren bei einem Doppelanschlag der radikalislamischen Taliban vor dem Verteidigungsministerium mindestens 35 Menschen getötet worden, unter ihnen fünf Sicherheitskräfte. Mehr als 100 Menschen, darunter Frauen und Kinder, seien verletzt worden, teilte das Verteidigungsministerium am Dienstag mit. Unter den Toten seien ein General und vier ranghohe Offiziere. Zuerst hatte ein Attentäter am Montagnachmittag seinen Sprengsatz gezündet. Als die Umstehenden dann den Opfern zu Hilfe eilten, sprengte sich ein zweiter Angreifer in die Luft. Zu dem Anschlag bekannten sich die radikal-islamischen Taliban.

Kabul wird seit Monaten von kleineren und großen Anschlägen erschüttert. Erst vor zwei Wochen hatten Talibankämpfer den Campus der Amerikanischen Universität gestürmt und 16 Menschen getötet. Auch die drei Angreifer kamen ums Leben. Vor fünf Wochen hatten Taliban das Ausländerhotel Northgate in Kabul angegriffen. Dabei waren ein Polizist und die drei Angreifer getötet worden.

Ende Juli starben bei einem Bombenanschlag der Terrormiliz “Islamischer Staat” auf eine Großdemonstration 80 Menschen, mehr als 200 wurden verletzt. Ende Juni hatten Taliban einen Polizeikonvoi angegriffen und mehr als 30 junge Rekruten getötet. Mitte Juni waren 14 internationale Sicherheitskräfte bei einem Selbstmordanschlag auf ihren Bus ums Leben gekommen.

Von: APA/ag.

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