Zahlreiche Menschen feierten auf den Straßen

Bisher hält die Waffenruhe zwischen Israel und Hamas

Freitag, 21. Mai 2021 | 21:26 Uhr

Nach elf Tagen gegenseitigen Beschusses zwischen Israel und radikalen Palästinensern schweigen die Waffen. Um 02.00 Uhr Ortszeit (01.00 MESZ) am Freitag trat die vereinbarte Waffenruhe in Kraft und hielt auch zunächst. Im Gazastreifen strömten Tausende Menschen auf die von Trümmern übersäten Straßen und feierten die erste Nacht ohne israelische Luftangriffe seit dem 10. Mai. Den USA liegen nach eigenen Angaben Zusicherungen vor, wonach die Waffenruhe eingehalten werden soll.

Präsidialamtssprecherin Jen Psaki sagte am Freitag in Washington, “relevante Beteiligte” hätten “starke Zusicherungen” gemacht, dass sie sich zu der Feuerpause bekannten. Das Außenministerium in Kairo teilte zudem mit, Israels Außenminister Gabi Ashkenazi habe seinem ägyptischen Kollegen Sameh Shoukry gesagt, Israel sei daran gelegen, dass es ruhig bleibe.

US-Präsident Joe Biden kündigte Wiederaufbauhilfe für den Gazastreifen an, der von der islamistischen Hamas regiert wird. Diese Hilfe solle aber mit der Palästinenser-Regierung koordiniert werden, die im Westjordanland sitzt und vom Hamas-Rivalen Fatah geführt wird. Israel sicherte er zu, das Raketenabwehrsystem Eisenkuppel (Iron Dome) wiederaufzurüsten. UN-Generalsekretär Antonio Guterres und die EU begrüßten die Waffenruhe und forderten nun Bemühungen um eine langfristige politische Lösung.

Guterres sagte, Israel und die Palästinenser hätten nun die “Verantwortung über die Wiederherstellung der Ruhe hinaus, um die Ursachen des Konflikts anzugehen”. EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen forderte beide Seiten auf, die Waffenruhe zu festigen und die Situation auf lange Sicht zu stabilisieren. “Nur eine politische Lösung wird dauerhaften Frieden und Sicherheit für alle bringen”, twitterte sie.

Auch die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel begrüßte das Ende der Kämpfe. Nötig seien jetzt aber eine dauerhafte Waffenruhe, die humanitäre Versorgung der Palästinenser im Gazastreifen und Arbeiten an einer langfristigen Lösung des Konflikts auf Grundlage des Zweistaatenkonzepts, sagte ein Regierungssprecher in Berlin. Frankreich forderte indes “dauerhafte Abmachungen”. Nötig sei auch humanitäre Hilfe, vor allem für die Menschen im Gazastreifen, schrieb Außenminister Jean-Yves Le Drian am Freitag auf Twitter. Im Gazastreifen leben etwa zwei Millionen Palästinenser unter teils prekären Bedingungen. Le Drian lobte außerdem Ägyptens Rolle als Vermittler. Auch Israels Regierungschef Benjamin Netanyahu dankte Ägypten. Präsident Abdel Fattah al-Sisi habe eine wichtige Rolle bei der Wiederherstellung von Ruhe, Sicherheit und Stabilität in der Region gespielt, so Netanyahu am Freitag auf seinem Twitter-Konto.

Ägypten hatte die Waffenruhe am Donnerstag vermittelt und schickt nun zwei Delegationen zu ihrer Überwachung. Zudem erhöhte Biden zuletzt den Druck auf Netanyahu, die Lage zu de-eskalieren. Der US-Präsident kündigte an, mit den Vereinten Nationen “und anderen internationalen Akteuren zusammenarbeiten, um schnelle humanitäre Hilfe” für den Gazastreifen und dessen Wiederaufbau zu leisten. Die Hilfe solle aber mit der moderateren Fatah in einer Weise abgestimmt werden, “die es der Hamas nicht erlaubt, einfach ihr militärisches Arsenal aufzustocken”. Zu weiteren Gesprächen will US-Außenminister Antony Blinken nach Nahost reisen.

Zu erneuter Gewalt kam es unterdessen auf dem Jerusalemer Tempelberg. Nach Angaben von Israels Polizeisprecher Micky Rosenfeld kam es nach dem Freitagsgebet in der Al-Aksa-Moschee zu Unruhen. “Hunderte Menschen warfen Steine und Benzinbomben auf Polizeibeamte, die vor Ort reagierten und begannen, die Randalierer auseinanderzutreiben”, sagte er. Wie Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichteten, setzten die israelischen Sicherheitskräfte Gummigeschoße und Blendgranaten gegen unbewaffnete Palästinenser ein. Zusammenstöße gab es auch im Westjordanland.

Nach Angaben des palästinensischen Roten Halbmonds wurden bei den Zusammenstößen dutzende Menschen verletzt. Die palästinensische Präsidentschaft verurteilte den “Sturm der israelischen Besatzungskräfte auf die Al-Aksa-Moschee nach dem Freitagsgebet und ihren Angriff auf Gläubige”.

Den massiven bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen Israel und den militanten Palästinenserorganisationen im Gazastreifen waren vor zwei Wochen ähnliche Auseinandersetzungen in Ost-Jerusalem und auf dem Tempelberg vorausgegangen. Insgesamt feuerten die Hamas und andere Gruppen in den elf Tagen nach israelischen Angaben mehr als 4.300 Raketen in Richtung Israel ab, von denen die meisten vom israelischen Abwehrsystem “Iron Dome” (Eiserne Kuppel) abgefangen wurden. Die israelische Armee reagierte mit intensiven Luftangriffen im Gazastreifen.

Netanyahu bezeichnete die elftägige Bombardierung des Gazastreifens als “außerordentlichen Erfolg”. “Wir haben unsere Ziele in dieser Operation erreicht”, sagte der Regierungschef. Die israelische Armee habe “mehr als 200 Terroristen” getötet, darunter 25 hochrangige Kommandanten. Bei den folgenden schwersten Kämpfen seit Jahren zwischen beiden Seiten kamen auf palästinensischer Seite mehr als 250 Menschen ums Leben, darunter sind den Angaben der Behörden zufolge 66 Kinder. Mehr als 2.000 Menschen wurden verletzt und Tausende Wohnungen zerstört. In Israel wurden ein Soldat und zwölf Zivilisten getötet sowie Hunderte Menschen verletzt.

Die Hamas, die von den USA und der EU als Terrororganisation eingestuft wird, verbuchte den “Sieg” unterdessen für sich. Die Angriffe hätten Israel einen “schmerzhaften und ernsten Schlag” versetzt und “tiefe Spuren” in dem Land hinterlassen, erklärte der in Katar lebende Chef des politischen Hamas-Flügels, Ismail Haniyeh. Er dankte dem Iran für die Bereitstellung “von Geldern und Waffen” für seine Organisation. Die ebenfalls an der Waffenruhe beteiligte mächtige Palästinenserorganisation Islamischer Jihad nahm für sich in Anspruch, Israel “gedemütigt” zu haben und kündigte an, sich weiterhin hinter die Palästinenser in Jerusalem stellen zu wollen.

In dem Konflikt geht es auf beiden Seiten auch um innenpolitische Machtkämpfe. Netanyahu steht einerseits unter Druck, weil er wegen Korruption angeklagt ist. Zum anderen ist es dem konservativen Politiker trotz mehrerer Neuwahlen nicht gelungen, ein neues Regierungsbündnis zu schmieden. Auf palästinensischer Seite schwelt im Hintergrund die Konkurrenz zwischen der Hamas und der zerstrittenen Fatah von Palästinenser-Präsident Mahmoud Abbas. Dieser hatte unlängst die Wahlen in den Palästinenser-Gebieten abgesagt, was auf Verärgerung der Hamas stößt. Experten zufolge dürfte die Hamas mit den Raketenangriffen auch zum Ziel gehabt haben, den Einfluss von Abbas zurückzudrängen und sich als Beschützer der Palästinenser in Jerusalem zu präsentieren. Am Freitag schwenkten auch in Ramallah – dem Amtssitz von Abbas – einige Palästinenser zur Feier der Waffenruhe grüne Hamas-Fahnen.

Von: APA/Reuters/dpa/AFP

Kommentare

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19 Kommentare auf "Bisher hält die Waffenruhe zwischen Israel und Hamas"


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6079_Smith_W
6079_Smith_W
Universalgelehrter
29 Tage 11 h

Fein, dann kann die Hamas in Ruhe neue Tunnel graben und auf die nächste Raketenlieferungen aus dem Iran warten. Und irgendwann geht die ganze Tragödie wieder von neuem los

Doolin
Doolin
Universalgelehrter
29 Tage 10 h

…genau so ist es…Hamas schiesst Raketen aus Wohngebieten Richtung Israel, wohl wissend, dass von dort zurückgeschossen wird…eigene Bevölkerung ist denen egal…
😝

DontbealooserbeaSchmuser
29 Tage 10 h

So kann man die Kriege dort auch schönreden …
Fest steht: Die ganzen Konflikte schwelen seit Anfang des 2. Jahrhunderts, als Großbritanien palästinensisches Gebiet besetzt und den Juden “geschenkt” hat.

In einem aus Unrecht entstandenem Staat wird es niemals Frieden geben 😔

Wiesodenn
Wiesodenn
Tratscher
29 Tage 8 h

Es sind halt doch viele Raketen in Selbstbauweise, die eine geringe Wirkung haben (zum Teil nur 10 km Reichweite, geringe Sprengkraft, usw.) und einige Raketen die doch besser funktionieren.

Im Gegensatz dazu ein bis an die Zähne bewaffnetes Militär, mit Bombern, Panzern und einem bestens ausgebildeten Herr, Marine, Luftwaffe usw.

Bei den Angriffen waren bis zu 160 Bomber gleichzeitig im Einsatz.

quilombo
quilombo
Tratscher
27 Tage 17 h

solange Israel auf seine Terror- und Mordanschläge baut, sind Tunnels und jede Art von Selbstverteidigung legitim und Notwendig.

quilombo
quilombo
Tratscher
27 Tage 17 h

@Doolin, immer der gleiche Refrain: “Hamas schießt aus Wohngebieten….” Wo in Gaza ist kein Wohngebiet?
Aber wenn israelische Soldaten beim Patrouillieren palästinensische Kinder auf ihre Militärfahrzeuge binden, geht in Ordnung, oder? Auch daß das israelische Militär mit Absicht nur zivile Ziele bombardiert, wie Schulen, Krankenhäuser und Rettungsfahrzeuge, Trinkwasserdepots, Stromwerke, Polizeistationen und Redaktionen, sowie einzelne Wohnhäuser, um zu terrorisieren, geht in Ordnung, auch wenn dabei zum Teil verbotene chemische Waffen eingesetzt werden?

brunner
brunner
Universalgelehrter
29 Tage 10 h

Das Problem ist dieser militante Islamismus….Leute die sich die Religion so zurechtlegen wie es ihnen passt…

Wiesodenn
Wiesodenn
Tratscher
29 Tage 8 h

Das Problem ist das Apartheitregime in Israel, das die Palästinenser immer weiter unterdrückt.

Die Palästinenser haben auf die Aktionen der Israelis reagiert, nicht umgekehrt.

quilombo
quilombo
Tratscher
27 Tage 17 h

Religion und Islamismus spielen in Palästina nicht die geringste Rolle.

Peerion
Peerion
Tratscher
28 Tage 17 h

Israel ist ein Geschenk an die Gegend. Das einzige Land, wo Menschen frei und fortschrittlich leben können, abgesehen von Terroristen. Daran wird keine Propaganda von Islamisten etc. je was ändern können.

quilombo
quilombo
Tratscher
27 Tage 17 h

das Israel welches du beschreibst ist im Märchenbuch zu finden und ist pure Fantasie. Wenn es schon so ein “Geschenk” ist, warum machte man Israel nicht in Europa?
Die Palästinenser welche vor hundert Jahren die ersten jüdischen Einwanderer aus Europa bei sich als Gäste aufnahmen, sind hoch erfreut über dieses “Geschenk” welches ihnen ihre Heimat nahm, Hundertausende ermordete und 5,5 Millionen zwingt verstreut im Ausland zu leben.

Hustinettenbaer
Hustinettenbaer
Universalgelehrter
27 Tage 10 h

Jaa, ein Danaergeschenk.

magari
magari
Grünschnabel
28 Tage 23 h

Das war kein Krieg, sondern ein abknallen der gegenseitigen Zivilbevölkerung mit Raketen in ihren Wohnhäusern. Also Krieg mit terroristischen Mitteln.

Look_at_Yourself
Look_at_Yourself
Superredner
28 Tage 13 h

@magari
Ja, die einen schießen wahllos Raketen auf die Zivilbevölkerung, die anderen versuchen die feige in Wohngebieten versteckte Infrastruktur von Terroristen zu treffen.
Erkennen Sie den Unterschied?
Man kann nur hoffen, dass beide Seiten endlich einmal genug haben und ernsthaft eine zwei Staatenlösung anstreben.

quilombo
quilombo
Tratscher
27 Tage 17 h

@Look_at_Yourself, in Gaza gibt es kein Gebiet welches nicht “Wohngebiet” ist, diese Sprüchlein von in “feige versteckt” kann man sich sparen, zumal es die Israelis überhaupt nicht kümmert von wo aus die Hamas schießt. Die Israelis zerstören mit voller Absicht zivile Ziele, um die Bevölkerung zu terrorisieren. Auch in den “Friedenszeiten” zerstört Israel über 1200 palästinesische Häuser pro Jahr um Platz für die illegalen Siedlungen zu machen.
Deswegen ist auch die Zweistaatenlösung reine Utopie. Die Palästinenser haben kein Land mehr um einen Staat zu bilden.

nuisnix
nuisnix
Universalgelehrter
29 Tage 9 h

Solange immer der andere der Schuldige ist, wird dieses unwürdige Schauspiel kein Ende finden…

Look_at_Yourself
Look_at_Yourself
Superredner
28 Tage 16 h

Gewonnen haben die Extremisten auf beiden Seiten.
Die Hamas hat gezeigt, wozu sie fähig ist und wird auch im Westjordanland an Einfluss gewinnen.
Netanjahu kann in Israel weiter regieren, obwohl er vor dem Krieg praktisch Geschichte war.
Die “Zwei Staatenlösung” ist in weite Ferne gerückt.
Es ist doch völlig unverständlich, warum sich immer die extremen durchsetzen.

heris
heris
Grünschnabel
27 Tage 13 h

Europa wird wieder Zahlen müßen an Aufbauhilfe für diese Sinnlose Zerstörung  die von den Israelischen Kampffliegern  verursacht wurde. Eine Verrückte Welt in der wir Leben.

Peerion
Peerion
Tratscher
27 Tage 11 h

So lange der Iran, Syrien etc. Israel nicht anerkennen und mit dem arabischen Jihad, der Hamas und der Hisbollah drei Terrororganisationen unterstützen, die sich die Vernichtung Israels auf die Fahnen geschrieben haben, wird es im Nahen Osten keinen Frieden geben.

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