Bei den Mädchen soll es sich um jene aus Chibok handeln

Boko Haram will Chibok-Mädchen für Islamisten eintauschen

Sonntag, 14. August 2016 | 23:56 Uhr

Mehr als zwei Jahre nach der Entführung von mehr als 270 Schülerinnen in Chibok in Nigeria hat die Islamistengruppe Boko Haram ein Video veröffentlicht, das einige der Mädchen zeigen soll. “Sie sollten wissen, dass ihre Kinder sich noch in unseren Händen befinden”, sagte ein vermummter Mann in dem Video. Er forderte die Befreiung von Boko-Haram-Kämpfern im Austausch gegen die Mädchen.

Die Mädchen in dem Video gehören tatsächlich zu den entführten Schülerinnen aus dem nigerianischen Ort Chibok. Das bestätigte am Sonntag die Gruppe “Bring Back Our Girls” (“Bringt unsere Mädchen zurück”), die sich seit über zwei Jahren für die Freilassung der Mädchen einsetzt. Es gebe keinen Zweifel, dass es sich bei den rund 50 in dem Video erkennbaren Mädchen um Schülerinnen aus Chibok handle, erklärte die Organisation, in der sich auch Eltern der Mädchen engagieren. Ein Vater erkannte seine Tochter wieder.

Während einige der Mädchen weiterhin Geiseln von Boko Haram seien, seien andere bei Luftangriffen der Armee getötet worden, sagte der bewaffnete Sprecher in Tarnkleidung in dem elfminütigen Video, das am Sonntag im Online-Portal YouTube veröffentlicht wurde. “Etwa 40 Mädchen wurden verheiratet.”

Hinter dem vermummten Boko-Haram-Kämpfer sind dutzende offenbar verängstigte Mädchen zu sehen. Eines von ihnen berichtet schluchzend von einem Luftangriff der nigerianischen Armee. Eine der jungen Frauen hält ein Baby im Arm.

Boko-Haram-Kämpfer hatten am Abend des 14. April 2014 insgesamt 276 Mädchen im Alter zwischen 12 und 17 Jahren aus einer staatlichen Schule in Chibok im Nordosten Nigerias verschleppt. 57 Mädchen gelang wenige Stunden später die Flucht. Von den 219 vermissten Schülerinnen konnte seitdem nur eine aus der Gewalt der Islamisten befreit werden. Sie wurde im Mai von der Armee aus einem Wald gerettet, der als Rückzugsort von Boko Haram gilt.

Bei einer Pressekonferenz von “Bring Back Our Girls” in der nigerianischen Hauptstadt Abuja sagte der Vater eines der verschleppten Mädchen, er habe seine Tochter Maida in dem Video wiedererkannt. “Als ich ihre Stimme gehört habe, wusste ich, dass es meine Tochter ist”, sagte Kanu Yakubu. Ein Sprecher der Gruppe, Abubakar Abdullahi, sagte der Nachrichtenagentur AFP, es sei “sicher, dass es sich um die Mädchen aus Chibok handelt”. “Wir erkennen bis zu zehn Mädchen in dem Video wieder”, sagte er. Er wollte aber keine Namen nennen, bevor nicht die Eltern der Mädchen oder die Regierung dies bestätigt hätten.

Abdullahi kritisierte die nigerianische Regierung: Es sei erschütternd, “dass wir nach 853 Tagen noch immer keinen Fortschritt erzielt haben”, sagte er.

Informationsminister Lai Mohammed erklärte, die Regierung in Abuja stehe wegen des Videos in Kontakt mit Boko Haram. Es sei aber nicht das erste Mal, dass die Regierung kontaktiert werde. Zuerst müsse überprüft werden, ob es sich bei den Gesprächspartnern um die wahren Verantwortlichen handle.

Die Extremisten von Boko Haram kämpfen seit sieben Jahren für die Errichtung eines islamischen Gottesstaats im mehrheitlich muslimischen Nordosten Nigerias. Sie terrorisieren auch angrenzende Gebiete in den Nachbarländern Kamerun, Niger und Tschad. Mindestens 20.000 Menschen wurden in dem Konflikt bisher getötet, 2,6 Millionen Menschen wurden durch die Gewalt in die Flucht getrieben. Boko Haram verschleppte tausende Mädchen und Frauen, um sie als Sexsklavinnen oder Selbstmordattentäterinnen zu missbrauchen.

In den vergangenen Monaten wurden die Islamisten von der nigerianischen Armee und den verbündeten Streitkräften der Nachbarländer deutlich zurückgedrängt. Derzeit tobt ein Machtkampf innerhalb der Gruppe, die der Jihadistenmiliz “Islamischer Staat” (IS) im März 2015 den Treueeid geleistet hatte. Nach Berichten über seine Ablösung durch einen vom IS eingesetzten Rivalen bekräftigte Boko-Haram-Chef Abubakar Shekau Anfang August in einer Audiobotschaft seinen Führungsanspruch.

Die Entführung der Chibok-Mädchen sorgte 2014 weltweit für Entsetzen. Trotz der Bemühungen der nigerianischen Regierung und einer auch von Prominenten wie US-First-Lady Michelle Obama unterstützten Kampagne blieben die Mädchen verschollen.

Von: APA/dpa

Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse den ersten Kommentar!


wpDiscuz