Einer der größten Trödelmärkte Europas findet heuer nicht statt

“Braderie de Lille” wegen Sicherheitsbedenken abgesagt

Samstag, 06. August 2016 | 07:23 Uhr

Wegen Sicherheitsbedenken haben die französischen Behörden zwei Großveranstaltungen im September abgesagt. Einer der größten Trödelmärkte Europas, die für das erste Septemberwochenende geplante “Braderie de Lille”, falle aus, teilte die Bürgermeisterin der nordfranzösischen Stadt, Martine Aubry, am Freitag mit.

Die Stadt Nizza, die am 14. Juli Ziel eines Anschlags mit 85 Toten geworden war, strich unterdessen ein Radrennen. Der Flohmarkt in Lille erstreckt sich traditionell über das gesamte Stadtgebiet und zog im vergangenen Jahr 2,5 Millionen Besucher an. An dem Trödelmarkt beteiligten sich 2015 rund 10.000 Aussteller mit Ständen. “Wir haben alles für die Sicherheit getan, aber es gibt Risiken, die wir nicht begrenzen können”, sagte Aubry zur Begründung. Sie sprach von einer “schmerzhaften Entscheidung”.

Den Flohmarkt zu veranstalten “mit Scharfschützen auf allen Dächern, Polizisten an jeder Straßenecke, Hubschraubern und Drohnen überall, das wäre für mich nicht der Geist der Braderie”, sagte die sozialistische Bürgermeisterin weiter. Der Präfekt der Region Nord, Michel Lalande, erklärte bei der Pressekonferenz mit Aubry, die Entscheidung sei wegen des “hyper-urbanen Formats (des Marktes) mit den Straßen voller Menschen” notwendig gewesen.

Premierminister Manuel Valls begrüßte auf Twitter die “schwierige und mutige” Entscheidung. Scharfe Kritik kam vom Hotelverband UMIH. Die Absage sei ein “sehr harter Schlag”, sowohl wirtschaftlich als auch für das Image. “Es hätte ein neues Format für dieses Jahr gefunden werden können”, erklärte Thierry Grégoire vom UMIH.

In Nizza kündigte Bürgermeister Philippe Pradel an, dass die European Road Cycling Championship nicht wie geplant vom 14. bis 18. September in Nizza stattfinden werde. Eine solche Veranstaltung hätte eine starke Polizeipräsenz erfordert, für die “wir keinerlei Garantie erhalten haben”, sagte Pradel zur Begründung.

Der Veranstalter des Radrennens, der Europäische Radsportverband UEC, bestätigte die Absage. Das Rennen werde nicht in Nizza und Monaco stattfinden, erklärte UEC-Präsident David Lappartient. “Die Tür ist nicht vollkommen geschlossen, aber ich sehe nicht, dass der Staat seiner Verantwortung gerecht wird, für die Sicherheit zu garantieren.” Das Rennen solle dennoch stattfinden, der UEC prüfe zwei alternative Austragungsorte, einen davon in Frankreich.

Seit dem Anschlag von Nizza mit 85 Toten sind in Frankreich bereits eine Reihe von Veranstaltungen abgesagt worden. Darunter sind ein traditionelles Sommerfeuerwerk in Cannes, eine Flugschau in Marseille und ein Freiluftkino und ein Basketballturnier in Paris. Der von der französischen Regierung bis Januar verlängerte Ausnahmezustand erleichtert die Absage von Veranstaltungen aus Sicherheitsgründen.

Von: APA/ag.

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