Lula muss ins Gefängnis

Brasilianischer Ex-Präsident Lula stellte sich der Polizei

Sonntag, 08. April 2018 | 08:56 Uhr

Der wegen Korruption zu zwölf Jahren Gefängnis verurteilte brasilianische Ex-Präsident Luiz Inacio Lula da Silva hat sich der Polizei gestellt. Er verließ am Samstagabend das Gewerkschaftshaus in Sao Bernardo do Campo und wurde von Beamten in Gewahrsam genommen. Lula wurde nach Curitiba im Süden des Landes geflogen. Dort wurde der 72-Jährige im Polizei-Hauptquartier in eine Zelle gesperrt.

Bevor er sich der Polizei stellte, hielt Lula vor dem Sitz der Metallarbeitergewerkschaft in Sao Paulo noch eine flammende Rede vor seinen Anhängern. Er verteidigte sein politisches Erbe und warf seinen politischen Gegnern sowie den Medien vor, sich gegen ihn verschworen zu haben. “Je mehr sie mich angreifen, desto mehr wächst meine Beziehung zum brasilianischen Volk”, sagte der Linkspolitiker.

Lula ist in den Skandal um Schmiergelder bei Auftragsvergaben an den staatlichen Ölkonzern Petrobras verwickelt. Unter anderem soll er von dem Bauunternehmen OAS die Renovierung eines Luxus-Appartements angenommen haben. Wegen Korruption ist er zu zwölf Jahren Haft verurteilt worden. Mehrere Anträge, bis zum Ende des Berufungsverfahrens auf freiem Fuß bleiben zu dürfen, wurden abgelehnt.

Lula, der Brasilien von Anfang 2003 bis Anfang 2011 regierte, weist die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zurück und wertet das Verfahren als Versuch, seine diesjährige Präsidentschaftskandidatur zu verhindern. Er galt bisher als aussichtsreichster Kandidat für den Urnengang im Oktober.

Auch gegen den amtierenden Präsidenten Michel Temer von der rechtskonservativen Partei der demokratischen Bewegung (PMDB) werden Korruptionsvorwürfe erhoben. Mehrere Minister seiner Regierung mussten bereits zurücktreten. Der Ex-Vizepräsident Temer kam 2016 zum Zug, nachdem Lulas Nachfolgerin und Parteikollegin Dilma Rousseff wegen Verstößen bei der Gebarung der Staatsfinanzen ihres Amtes enthoben worden war.

Von: APA/Ag.

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