Ermittlungen laufen auf Hochtouren

Britische Ermittler hoffen auf Aussagen von Skripal-Tochter

Freitag, 30. März 2018 | 16:50 Uhr

Fast vier Wochen nach dem Giftanschlag auf den Ex-Doppelagenten Sergej Skripal hoffen Ermittler nun auf Aussagen seiner Tochter Julia. Möglicherweise könnte sie Auskunft darüber geben, ob sie und ihr Vater vor dem Attentat verfolgt wurden, berichteten britische Medien am Freitag. Der Streit zwischen Russland und westlichen Staaten weitet sich indessen zu einer globalen diplomatischen Krise aus.

Sergej (66) und Julia Skripal (33) waren am 4. März bewusstlos auf einer Parkbank in der südenglischen Kleinstadt Salisbury entdeckt worden. Julia Skripal geht es nach Klinikangaben inzwischen deutlich besser. Die 33-Jährige könne sogar wieder essen und trinken, berichtete der Fernsehsender Sky News. Sie lebt in Moskau und hatte ihren Vater besucht. Dieser ist weiter in einem kritischen, aber stabilen Zustand.

Die Ermittler gehen davon aus, dass beide mit dem in der früheren Sowjetunion entwickelten Kampfstoff Nowitschok vergiftet wurden. Das Nervengift soll an den Händen der Opfer nachgewiesen worden sein. London bezichtigt daher den Kreml als Drahtzieher des Anschlags. Moskau weist die Anschuldigungen vehement zurück.

Sergej Skripal und seine Tochter kamen wohl an ihrer eigenen Haustür in Salisbury mit dem Gift in Kontakt, wie die Ermittler herausfanden. Es soll der BBC zufolge an der Türklinke aufgebracht worden sein. Einige Nachbarn, Briefträger und die ersten Ermittler am Tatort stehen vorsichtshalber unter Beobachtung, da auch sie mit dem Nervengift in Kontakt gekommen sein könnten, wie die Zeitung “The Telegraph” berichtete. Ein Spielplatz in der Nähe des Hauses wurde abgesperrt.

Skripals Sohn Alexander soll 2017 in Russland an plötzlichem Leberversagen gestorben sein. Britische Medien bezeichnen auch das als mysteriös. Skripals Ehefrau erlag einem Krebsleiden.

Der aus der Gift-Affäre resultierende Streit zwischen Großbritannien und Russland löste eine weltweite diplomatische Krise aus. Fast 30 Länder wiesen inzwischen mehr als 140 russische Diplomaten aus. Die Regierung in Moskau verfügte am Donnerstag im Gegenzug die Ausweisung Dutzender westlicher Diplomaten. Dazu gehören auch vier deutsche Diplomaten. Deutschland hatte seinerseits vier russische Diplomaten ausgewiesen.

Von: APA/dpa/ag.