Ein Gedenkstein für den Einsatz 1991

Bundesheer gedachte Einsatz während des Slowenien-Kriegs

Dienstag, 29. Juni 2021 | 15:54 Uhr

An den Grenzübergängen Grablach (Kärnten) sowie Spielfeld (Steiermark) hat das Bundesheer am Dienstag des Sicherungseinsatzes während des slowenischen Unabhängigkeitskriegs vor 30 Jahren gedacht. Am Vormittag fand der Festakt in Kärnten statt, ab 13.00 Uhr wurde in Spielfeld an die Ereignisse erinnert. Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) sagte, dass bis zu 7.700 österreichische Bundesheersoldaten die Grenze sicherten, als auf slowenischer Seite gekämpft wurde.

“Wir haben aus der Geschichte zu lernen”, sagte die per Black Hawk-Helikopter nach Grablach eingeflogene Politikerin und betonte die Notwendigkeit einer angemessenen Ausstattung für das Militär, um den Frieden zu sichern. Zeitzeugen berichteten von ihren Erinnerungen an die “massiven Schusswechsel” in Nähe der österreichischen Südgrenze, Eurofighter überflogen das Gelände. Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) sagte, das Bundesheer sei damals einer seiner Aufgaben, die Bevölkerung militärisch zu schützen, nachgekommen. Kärntens Militärkommandant Walter Gitschthaler nannte den erstmaligen Sicherungseinsatz zur Landesverteidigung ein “prägendes und lehrreiches Ereignis für die Bevölkerung und das Bundesheer”.

In der Steiermark, vor dem ehemaligen Gemeindeamt von Spielfeld, griff Tanner das Wort eines steirischen Offiziers auf, der beim Überflug eines jugoslawischen Jets über die südoststeirische Kaserne Fehring in Vorahnung auf die kommenden Ereignisse gesagt hatte: “Jetzt haben wir es live”, habe er damals gedacht. Tanner meinte, sie wisse nicht, wie es ihm damals gegangen sei, aber es müsse ein mulmiges Gefühl gewesen sein. Sie sei aus jener Generation, die nur Frieden, Freiheit und Sicherheit kenne, bekannte die Ministerin. “Ich danke aber allen, die damals wie heute im Einsatz waren und sind, derzeit rund 8.000 Soldaten im In- und Ausland – obwohl ich weiß, das ist kein Vergleich”, so Tanner, sichtlich bewegt von den vorherigen Schilderungen von Zeitzeugen.

Der steirische Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer (ÖVP) erinnerte an die Jahre seit dem Fall des Eisernen Vorhanges und u.a. an den Einsatz des damaligen ÖVP-Außenministers Alois Mock, der den früheren deutschen Kanzler Helmut Kohl und die Länder der damaligen EG bekniet habe, Sloweniens und Kroatiens Unabhängigkeit anzuerkennen. Bundeskanzler Franz Vranitzky (SPÖ) sei ja strikt dagegen gewesen, kritisierte der LH. Das Projekt Europa sei jedenfalls alternativlos, sagte Schützenhöfer in einem leidenschaftlichen Plädoyer, denn wer hätte sich 1991 gedacht, dass man einfach so nach Slowenien rüberfahren könne – “wenn nicht gerade eine Pandemie ist”.

Der damalige Stabschef des Militärkommandos Steiermark, Generalmajor a. D. Heinrich Winkelmayer, schilderte die 1989 begonnenen Vorbereitungen für den “Operationsfall YU”, in denen vier Szenarien entworfen wurden. “Ich bin absolut sicher, dass diese gediegene Vorbereitung zum Erfolg des späteren Sicherungseinsatzes beigetragen hat”, sagte der damalige Oberstleutnant. Was ihn damals geärgert habe: “Dass wir 500 vollausgebildete Soldaten sowie gerade übende Miliz, u.a. die Sperrkompanie 543 entlassen mussten und dafür 300 frisch Einrückende in die Kaserne Straß bekamen”, übte der Generalstabsoffizier Kritik an der politischen Führung.

Winkelmayer ging hart mit der Bundespolitik von 1991 ins Gericht: “Ich gestehe, Frau Minister, ich empfand ohnmächtigen Zorn damals. Wir waren vorbereitet und wir durften nicht antreten”, spielte er auch auf anfänglich fehlende Einsatzbefehle und deren verschlungene Wege zur Truppe an. Winkelmayer zitierte den Militärhistoriker Manfried Rauchensteiner, der die Handlung der Bundesregierung als “entschlossenes Zuwarten” charakterisiert hatte. Eine Ausnahme stellte für Winkelmayer der damalige Verteidigungsminister Werner Fasslabend (ÖVP) dar, der den Einsatz dann angeordnet habe.

Winkelmayer erinnerte sich an die Reaktionen aus der Bevölkerung an der Grenze, die die Luftraumverletzungen durch die jugoslawische Luftwaffe und die Kämpfe in Sentilj südlich von Spielfeld und Gornja Radgona südlich von Bad Radkersburg sehr wohl mitbekommen hatte. “Spenden für den Garnisonsball kommt’s kassieren, aber wenn man euch braucht, versteckt’s euch in den Kasernen”, sei öfter als einmal zu hören gewesen. Man entschloss sich zu einer “Demonstrationsfahrt” mit Jagdpanzern “Kürassier” entlang der südweststeirischen Grenze zu Slowenien.

Nach Fasslabends Befehl rückte das Heer bis an die Grenze vor, wo bis dahin die damaligen Wachkörper Zollwache und Gendarmerie die Stellung gehalten hatten. In Radkersburg und Spielfeld wurden Stellungen angelegt und Panzersperren errichtet, dazu Eingreiftruppen mit “Kürassieren” und M-60 Kampfpanzern gebildet. Ein heutiger Offizierstellvertreter schilderte am Rande der Gedenkveranstaltung die Wirkung auf die Grenzbevölkerung: “Ich war damals 15 Jahre, bin mit dem Rad herumgefahren und habe mir alles angeschaut. Was damals geleistet wurde, hat mich bewogen, Berufssoldat zu werden.”

Von: apa