Van der Bellen traf auch Serbiens Präsident Vucic

Bundespräsident Van der Bellen auf Staatsbesuch in Serbien

Donnerstag, 18. Oktober 2018 | 16:39 Uhr

Bundespräsident Alexander Van der Bellen hat bei der Eröffnung des 8. Belgrader Sicherheitsforums bekräftigt, dass Serbien als EU-Beitrittskandidat in die Debatte über die Zukunft der Union einzubeziehen sei. “Serbien spielt eine Schlüsselrolle bei der Sicherheit und Stabilität in dieser Region”, sagte Van der Bellen am Donnerstagvormittag vor den Konferenzteilnehmern in Bezug auf den Westbalkan.

Der serbische Staatspräsident Aleksandar Vucic forderte in seiner Rede von der Europäischen Union mehr sichtbare Resultate im Annäherungsprozess Serbiens. Unter der Eröffnung von zwei oder drei neuen Beitrittskapiteln könnten sich die Menschen wenig vorstellen, kritisierte er.

Gefragt, welche Rolle die EU bei der Verbesserung des Justizwesens auf dem Westbalkan spielen sollte, sagte Vucic: “Ist es überall in der EU besser als hier?” und erinnerte an die Journalistenmorde in Mitgliedsstaaten in diesem Jahr. Er erteilte einer “scheinheilige Haltung” gegenüber der Region eine Absage und verlangte “gegenseitigen Respekt”.

Auch die wirtschaftliche Performance Serbiens sei im Vergleich zu manchen EU-Ländern viel besser, fügte er hinzu. Van der Bellen würdigte die Fortschritte, die das Land gemacht hatte und bekräftigte erneut die Unterstützung Österreichs für Serbiens Kandidatur.

Bei dem seit 2011 stattfindenden Belgrader Sicherheitsform diskutieren internationale Entscheidungsträger über Außen- und Sicherheitspolitik am Balkan und in Europa sowie globale Themen. Die Organisatorin des Sicherheitsforums und “Grande Dame” der serbischen NGO-Szene, Sonja Licht, forderte in ihrem diesjährigen Eingangsstatement eine Abkehr von der Polarisierung in der Politik beziehungsweise von dem “love and hate”-Paradigma, wie sie es nannte. “Wir sind nicht so gut darin, Brücken zwischen uns zu bauen”, kritisierte sie.

Wege dafür zu finden, sei Ziel des Forums, das in diesem Jahr unter dem Motto “Finding Answers Together to the New Normal” stattfinde. Zudem ginge es unter anderem darum, Ansätze zu entwickeln, um das auf dem Westbalkan bestehende Potenzial zu nutzen.

Licht, Leiterin der einflussreichen außenpolitischen NGO “Belgrad Fund for Political Excellence”, sei eine kritische und objektive Beobachterin der Entwicklungen in Serbien und der Region, hieß es aus Diplomatenkreisen. Sie sei eine “positive Kraft”, da sie dialogorientiert sei und sich für Frieden und Versöhnung einsetze, so die Einschätzung.

Nach der Eröffnung des Belgrader Sicherheitsforums setzte Van der Bellen seinen zweitägigen Staatsbesuch in Serbien mit einem Gespräch mit Parlamentspräsidentin Maja Gojkovic fort. Bei dem Gespräch sei es um den EU-Beitritt Serbiens gegangen, hieß es im Anschluss an die Zusammenkunft am Donnerstagvormittag. Van der Bellen und Gojkovic seien sich zudem einig gewesen, dass der Dialog Belgrad-Pristina fortgesetzt werde.

Danach besuchten Van der Bellen und Vucic den “Novo Groblje”, den Belgrader Neu-Friedhof, um des Endes des Ersten Weltkrieges vor hundert Jahren zu gedenken. Vucic und Van der Bellen legten gemeinsam am Denkmal für die gefallenen serbischen Soldaten und vor der Gedenkkapelle zum Andenken an die Gefallenen der österreichisch-ungarischen Armee Kränze nieder.

Dabei handelte es sich laut Botschaft um die erste Kranzniederlegung eines Staatsoberhauptes bei der österreichisch-ungarischen Gedenkstätte. Am Denkmal für die serbischen Soldaten hätten noch nie zwei Präsidenten gleichzeitig gestanden. “Am Novo Groblje sind 640 österreichisch-ungarische Soldaten begraben, die zwischen 1914 und 1915 bei den Kämpfen um Belgrad gefallen sind”, erklärte Verteidigungsattache Thomas Ahammer. Genau 320 davon seien Österreicher und 320 Ungarn gewesen.

Mit einem Zusammentreffen mit den Schülern der ersten von der Austrian Development Agency (ADA) kofinanzierten serbischen Lehrlingsklasse für den Lehrberuf “Speditionskaufmann” am Zollterminal schloss Van der Bellen dann den Serbienbesuch ab. Dabei wurden die Ausbildungsverträge für die 30 Schülerinnen und Schüler zwischen sieben Speditionsunternehmen und der Belgrader Verkehrsschule Zemun unterzeichnet. Laut der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) werden im Rahmen des serbisch-österreichischen Projekts “Dual VET Serbia” über 600 Lehrlinge in mehr als 100 Firmen nach österreichischem Vorbild unter anderem in den Berufen Einzelhandel, Bautechniker und Hotelkaufmann dual geschult.

Von: apa

Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

1 Kommentar auf "Bundespräsident Van der Bellen auf Staatsbesuch in Serbien"


Sortiert nach:   neuste | älteste | Relevanz
Orschgeige
Orschgeige
Superredner
30 Tage 7 h

Wenn die Rechtspopulisten weiter an Terrain gewinnen, hat Serbien keine Chance in die EU aufgenommen zu werden. Nicht etwa weil Serbien die Aufnahmekriterien nicht erfüllen könnte, sondern weil es dann keine EU mehr geben wird.

wpDiscuz