Van der Bellen und Amtskollegin Kaljulaid

Bundespräsident Van der Bellen zu Besuch in Estland

Donnerstag, 31. Mai 2018 | 15:40 Uhr

Bundespräsident Alexander Van der Bellen ist am Donnerstag von seiner estnischen Amtskollegin Kersti Kaljulaid empfangen worden. In einem anschließenden Pressegespräch erinnerten beide Staatschefs an gemeinsame Bemühungen auf EU-Ebene. Im Vorfeld des Besuchs von Präsident Wladimir Putin in Wien kommende Woche wurde aber auch das Verhältnis von Österreich zu Russland thematisiert.

Österreich und Estland seien sich im Rahmen der estnisch-bulgarisch-österreichischen EU-Trio-Ratspräsidentschaft näher gekommen, betonte Präsidentin Kaljulaid. “Sechs Monate (die Dauer eines EU-Ratsvorsitzes, Anm,.) sind nicht lange genug, um die Welt oder auch nur Europa zu verändern. Wenn man das auf 18 Monate verlängert haben wir bessere Chancen”, sagte sie. Kaljulaid brachte ihre Hoffnung zum Ausdruck, dass Österreichs EU-Ratsvorsitz von Erfolg gekrönt sein würde und insbesondere in von Estland forcierter digitaler Binnenmarkt umgesetzt werden könnte.

“Die Mission ist für mich schwierig, es gibt keinerlei bilateralen Probleme”, scherzte seinerseits Bundespräsident Van der Bellen, der sich für eine erfolgreiche EU-Ratspräsidentschaft Estlands im zweiten Halbjahr 2017 bedankte. Österreichs Vorsitz im zweiten Halbjahr 2018 würde schwieriger sein, sagte er. Was nicht fertig gebracht würde, würde aufgrund von Wahlen zum EU-Parlament im Frühjahr 2019 wahrscheinlich auch nicht mehr im kommenden Jahr finalisiert werden können, erklärte er.

Der Bundespräsident plädierte zudem für eine handlungsfähige EU. Langsame oder ausbleibende Entscheidungen innerhalb der EU würden von Nachbarn östlich des Peipussees (Russland, Anm.) sowie auf der anderen Seite des Atlantiks zur Umsetzung eigener Interessen verwendet werden, erklärte der Bundespräsident. Van der Bellen erwähnte zudem eine mögliche Koalition zwischen Österreich und Estland bei Fragen des Klimaschutzes.

Auf APA-Nachfrage erzählte Kaljulaid, Van der Bellen ausführlich über ihren Besuch in der Ukraine vergangene Woche informiert zu haben. Sie erwähnte einen Meinungsaustausch mit ihrem österreichischen Kollegen zum von Österreich unterstützten russischen Gaspipelineprojekt “Nord Stream 2”, dessen Errichtung sie als unbegründet erachtet. In Bezug auf Van der Bellens Treffen mit Wladimir Putin kommende Woche in Wien sagte sie, ihrem österreichischen Kollegen zu vertrauen.

“Wir versuchen zu verstehen, was passiert, und dazu muss man im Dialog (mit Russland, Anm.) bleiben”, begründete der Bundespräsident. Österreich werde nicht gegen die Positionen der EU auftreten und auch das von der EU beschlossene Sanktionsregime in Bezug auf Russland aufrechterhalten, versicherte er.

Wiederholt verwiesen sowohl die estnische Präsidentin als auch der österreichische Bundespräsident auf die estnischen Wurzeln der Familie Van der Bellen. “Für mich ist das ein sehr besonderer Besuch aus persönlichen Gründen. Meine Eltern haben sich auf der Insel Saaremaa getroffen und dort 1931 geheiratet. Sie waren glücklich, dass sie Estland 1941 verlassen konnten”, erzählte der Bundespräsident und berichtete, dass er selbst bis 1959 estnischer Staatsbürger gewesen sein. “Im Gymnasium war ich immer der einzige Este”, sagte er.

Von: apa

Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

1 Kommentar auf "Bundespräsident Van der Bellen zu Besuch in Estland"


Sortiert nach:   neuste | älteste | Relevanz
aristoteles
aristoteles
Grünschnabel
22 Tage 17 h

wem interessiert des?

wpDiscuz