Vor allem Afrika ist von neuen Krisen betroffen

CARE: 339 Mio. Menschen können ohne Hilfe nicht überleben

Donnerstag, 12. Januar 2023 | 06:07 Uhr

339 Millionen Menschen hatten 2022 weltweit nicht genug Güter des täglichen Bedarfs zum Überleben und sind daher akut auf humanitäre Hilfe angewiesen. Das geht aus dem CARE-Bericht “Breaking the Silence” hervor, bei dem die Hilfsorganisation alljährlich die zehn humanitären Krisen ins Rampenlicht rückt, über die im Vorjahr am wenigsten berichtet wurde. CARE Österreich-Geschäftsführerin Andrea Barschdorf-Hager nannte dies bei einer Pressekonferenz einen Rekord.

Die Zahl sei innerhalb eines Jahres um 65 Millionen Menschen gestiegen, so Barschdorf-Hager. Auch der heuer zum siebenten Mal publizierte und am Donnerstag veröffentlichte Bericht selbst ist rekordverdächtig, und das nicht in positivem Sinn. Besonders die zahlreichen Katastrophen auf dem afrikanischen Kontinent scheinen nur wenige Medienschaffende zu interessieren: Alle zehn der Krisen, über die am wenigsten im Vorjahr berichtet wurde, liegen erstmals in Afrika – von Angola bis Niger. Und sieht man sich die nachfolgenden Plätze bis 19 an, so sind auch nur zwei nicht-afrikanische Staaten darunter: Peru auf Platz zwölf und Indonesien auf 13.

Barschdorf-Hager sieht die Ursache unter anderem darin, dass “es keine Krisenregion auf der Welt gibt, die so schwer und auch so teuer zu bereisen ist (wie die Katastrophen in Afrika, Anm.)”. Die CARE-Geschäftsführerin betonte auch, dass es keine monokausalen Krisen gebe. Meistens treffen mehrere Faktoren zusammen, eine Klammer ist aber praktisch allen Katastrophen gemeinsam: der Klimawandel. So finden sich Malawi, Sambia, Simbabwe und – wenn man Platz 14 hinzunimmt – Mosambik auf der Liste, die alle von Klimakapriolen im südöstlichen Afrika mit Zyklonen und langen Dürreperioden schwer getroffen wurden.

Auch bezeichnend ist, dass praktisch alle Krisenregionen in Afrika massiv mit den Auswirkungen des Krieges in der Ukraine-Krieges zu kämpfen haben und dieser die ohnehin untragbare Situation noch einmal massiv verschärfte. In Angola, Platz eins der Liste, kam es zu exorbitanten Preissteigerungen beispielsweise bei Getreide und Speiseöl. Das Land zählt weltweit zu den vier Staaten, in denen sich die durch den Krieg bedingten Preissteigerungen für diese Produkte am stärksten ausgewirkt haben. Von Jänner bis Mitte Oktober fanden sich gerade einmal 1.847 Online-Artikel, die sich mit der Situation in Angola auseinandersetzten.

CARE ging in Kooperation mit dem Medienbeobachtungsunternehmen Meltwater vor wie immer: Zunächst wurden weltweit jene Krisen definiert, bei denen mehr als eine Million Menschen dauerhaft auf humanitäre Hilfe angewiesen sind. 47 waren das im Jahr 2022 – “Tendenz leicht steigend”, sagte Barschdorf-Hager. Anhand von Stichworten wie Klimawandel, Dürre, Konflikte und Krieg wurden mehr als 5,8 Millionen Berichte durchforstet und das Ranking erstellt. Der Krieg in der Ukraine führte dazu, dass die Krise dort zur weltweit am meisten berichteten wurde – “schlagartig”, wie Barschdorf-Hager bemerkte. Im Vorjahr lag die schon vor dem Krieg herrschende humanitäre Krise noch auf Platz zwei der am wenigsten beachteten.

Die CARE-Geschäftsführerin betonte ausdrücklich, dass es nicht darum gehe, die Krisen in eine Konkurrenzsituation zueinander zu bringen. “Der Blick richtet sich auf das, was gerade aktuell ist. Das heißt aber nicht, dass die anderen Krisen nicht mehr da sind. Nothilfe muss man überall leisten. Es ist ganz klar, dass die Menschen in Angola oder Malawi genauso Hilfe benötigen wie jene in Afghanistan, Syrien oder in der Ukraine.”

In dem Bericht findet man auch traurigerweise Dauergäste: Die Zentralafrikanische Republik etwa war bisher noch in jedem der sieben Reports vertreten, und auch Burundi fand sich nur einmal nicht im “Breaking the Silence”-Report. “Es ist wichtig, diesen Bericht zu haben, damit das Licht auf diese vergessenen Katastrophen gerichtet wird”, sagte Claudine Awute, Vizepräsidentin bei CARE für die internationalen Programme. Nur so könne man Entscheidungsträger, Spender und Unterstützer dazu bewegen, sich für die Menschen in diesen Krisengebieten einzusetzen.

Von: apa

Kommentare

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8 Kommentare auf "CARE: 339 Mio. Menschen können ohne Hilfe nicht überleben"


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Rosenrot
Rosenrot
Superredner
16 Tage 6 h

Das Problem in Afrika ist die hohe Geburtenrate, 2 – 3 Ehefrauen je Mann, von jeder 10 Kinder und mehr sind an der Tagesordnung. Wenn das in Europa so wäre, könnte auch keine Familie ohne Hilfe von Außen überleben. Den Menschen dort muss beigebracht werden, dass es so nicht weitergeht. Kein Wunder, dass die Sterberate bei Kindern und Jugendlichen hoch ist. Hier wäre Aufklärung an oberster Stelle bitter nötig.

Tina1
Tina1
Superredner
16 Tage 5 h

Rosenrot sag das mal dem Papst.

N. G.
N. G.
Kinig
16 Tage 5 h

Nun, wenn sich jetzt in Südtirol ein Paar für 10-15 Kinder entscheiden würde dann würdest du denen auch sagen sie hätten gefälligst weniger Kinder zu zeugen?
Du weißt warum in Afrika viele Kinder gezeugt werden?

https://www.welt.de/dieweltbewegen/article108315594/Warum-in-Afrika-die-Bevoelkerungszahlen-explodieren.html

Es ist nicht so einfach wie du denkst!

SilviaG
SilviaG
Universalgelehrter
16 Tage 4 h

@Rosenrot
Ich würde dich gut als Missionsfrau sehen, die den Patriarchen dort unten erklärt, dass sie zuviel schnackseln

info
info
Superredner
16 Tage 3 h

Ich glaube kaum, dass Dürren und Preisexplosionen beim Getreide von der hohen Geburtenrate ausgelöst werden.
Die Geburtenrate ist bisher in allen Ländern zurückgegangen, in denen
1. die Kindersterblichkeit eingedämmt wurde,
2. Frauen Zugang zu Ausbildung haben.
Da dieser Effekt nicht von heute auf morgen eintritt und der Klimawandel dicht besiedelte Küstenbereiche und bereits jetzt von Dürren betroffene Regionen besonders betrifft, werden wir uns allerdings auch für die Zukunft auf eine große Zahl von Menschen einstellen müssen, die, ohne eigenes Verschulden, zum Überleben auf Hilfe angewiesen sind.

ieztuets
ieztuets
Superredner
16 Tage 4 h

Do gib i dir recht, man mießat “Kondome” und “Antibabypilln” gratis vertoaln!

Sag mal
Sag mal
Kinig
16 Tage 3 h

ietzt…nach einem Kind sterilisieren wär sicherer!

Tina1
Tina1
Superredner
16 Tage 5 h
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