Pedro Castillo stammt aus einer bäuerlichen Familie

Castillo erklärt sich zum Wahlsieger in Peru

Mittwoch, 16. Juni 2021 | 12:27 Uhr

Bei der Stichwahl um das Präsidentenamt in Peru hat sich der Sozialist Pedro Castillo nach Abschluss der Stimmenauszählung zum Wahlsieger erklärt. “Eine neue Zeit hat begonnen”, twitterte Castillo am Mittwoch. Castillo liegt nach Auszählung aller Stimmen hauchdünn in Führung: Er kommt auf 50,13 Prozent und liegt damit laut Wahlkommission in dem knapp 33 Millionen Einwohner zählendem Land nur 44.058 Stimmen vor seiner konservativen Rivalin Keiko Fujimori mit 49,87 Prozent.

Castillo zeigt sich auf Twitter mit erhobenen Armen und dem Wort “Präsident” und seinem Wahlkampfslogan “Nie mehr arm in einem reichen Land”. Er ergänzte auch sein Profil auf dem Kurznachrichtendienst um “Gewählter Präsident der Republik Peru (2021-2026)”.

Seine Konkurrentin Fujimori hat allerdings Wahlbetrugsvorwürfe erhoben und versucht auf gerichtlichem Wege, einige Stimmen für ungültig erklären zu lassen. Eindeutige Belege für ihre Vorwürfe hat sie bisher nicht vorgelegt. Castillos Partei “Freies Peru” hat die Betrugsvorwürfe zurückgewiesen. Internationale Beobachter in Lima haben erklärt, dass die Wahlen transparent waren.

Der plötzliche Aufstieg des 51-jährigen ehemaligen Lehrers hat die politische und wirtschaftliche Elite Perus erschüttert und könnte einen großen Einfluss auf die wichtige Bergbauindustrie des zweitgrößten Kupferproduzenten der Welt haben. Castillo plant starke Steuererhöhungen für den Sektor. Castillo stammt aus einer kleinbäuerlichen Familie aus der Provinz Chota im Norden des Landes und hatte 2017 einen Lehrer-Streik angeführt. Seine Partei “Free Peru” beschreibt sich selbst als marxistisch-leninistisch. Castillo will einen sozialistischen Staat aufbauen, die Medien kontrollieren und das Verfassungsgericht abschaffen. Im Wahlkampf warb er zudem für eine Verfassungsreform, den Umbau des Pensionssystems und die Verstaatlichung der Gasindustrie. Die Finanzmärkte begegnen ihm deshalb mit Skepsis.

Keiko Fujimori ist die Tochter des früheren Präsidenten Alberto Fujimori und steht in der weitverzweigten Affäre rund um den brasilianischen Baukonzern Odebrecht unter Korruptionsverdacht. Sie bewirbt sich bereits zum dritten Mal um das höchste Staatsamt. 2011 und 2016 landete Fujimori in der Stichwahl jeweils knapp hinter ihren Konkurrenten. Sie hatte bei ihrer Stimmabgabe versprochen, im Gegensatz zum vorherigen Mal das Ergebnis auch im Falle einer Niederlage zu akzeptieren. Fujimori will im Gegensatz zu Castillo auf den freien Markt setzen, um die wirtschaftliche Stabilität des Landes zu sichern. Sie gilt als “Kandidatin der Reichen”, während Castillo als “Kandidat der Armen” bezeichnet wird.

Nach einem Jahr der politischen Turbulenzen waren am 6. Juni 2021 mehr als 25 Millionen Peruaner zur Stichwahl um das Präsidentenamt gerufen. Die Herausforderungen für den neuen Präsidenten oder die neue Präsidentin sind enorm: Peru leidet besonders stark unter der Corona-Pandemie. Das Land hat eine der höchsten Sterblichkeitsraten weltweit. Zudem ist die Wirtschaft stark eingebrochen. Im Landesinneren sind außerdem noch immer Splittergruppen der Guerillaorganisation Sendero Luminoso (Leuchtender Pfad) aktiv.

(S E R V I C E – Pedro Castillo erklärt sich auf Twitter zum Wahlsieger – http://go.apa.at/goz6v9bx)

Von: APA/Reuters