Der neue starke Mann Kubas

Castro-Ära auf Kuba vorbei – Diaz-Canel neuer KP-Chef

Montag, 19. April 2021 | 18:27 Uhr

Nach mehr als 60 Jahren ist die Ära Castro auf der Karibik-Insel Kuba vorbei: Die Kommunistische Partei hat am Montagvormittag (Ortszeit) erwartungsgemäß Staatspräsident Miguel Díaz-Canel zu ihrem neuen Vorsitzenden gewählt. Er folgt dem 89-jährigen Raúl Castro nach, der vor drei Jahren bereits das Präsidentenamt aufgegeben hatte. Mehr als sechs Jahrzehnte standen Raúl Castro und sein 2016 verstorbener älterer Bruder Fidel an der Spitze Kubas.

Fidel Castro, der in Kuba immer noch als “máximo líder” verehrt wird, hatte von 1959 bis 2006 die Regierungsgeschäfte in dem Karibikstaat geführt. Als der Revolutionsführer erkrankte, übernahm Raúl Castro 2006 die Regierungsgeschäfte und wurde 2008 formell zum Staatschef gewählt.

“Diaz-Canel ist nicht das Ergebnis einer Improvisation, sondern die gut durchdachte Entscheidung für einen jungen Revolutionär, der alles hat, um auf höhere Posten befördert zu werden”, sagte am Montag sein Vorgänger Raul Castro. AlsDiáz-Canel ins Präsidentenamt aufrückte, war viel davon die Rede, dass er mit dem Fahrrad fahre und Jeans trage, die Beatles höre und Tablet-Computer nutze. Das alles waren Zeichen dafür, dass ein Schlussstrich unter die Ära der Castros gesetzt wurde. Im Gegensatz zu ihnen trug er auch keine olivfarbene Uniform.

Doch Díaz-Canel hat seine gesamte Karriere in der Kommunistischen Partei absolviert, in der er jeweils geduldig auf die nächsthöhere Stufe kletterte. Er war Hochschulminister und wurde 2013 Vize-Präsident. Den Militärdienst von drei Jahren hatte er in einer Raketen-Abwehr-Einheit absolviert.

Die Wahl in das Parteiamt erfolgte am 60. Jahrestag des US-Angriffs in der Schweinebucht, der von den Kubanern zurückgeschlagen wurde – was bis heute zum Nationalstolz beiträgt. Das neue Zentralkomitee wurde von 300 Delegierten gewählt und bestimmte am Montag das Politbüro mit seinen 14 Mitgliedern. Die Kommunistische Partei Kubas hat nach offiziellen Angaben 700.000 Mitglieder.

Während des Parteikongresses beklagten dutzende Oppositionelle, unabhängige Journalisten und Künstler via Twitter, dass sie von der Polizei daran gehindert wurden, ihre Häuser zu verlassen. Andere berichteten von Telefon- und Internet-Sperrungen. Die Direktorin von Amnesty International, Erika Guevara-Rosas, kritisierte das “autoritäre Regime”, das in Kuba an der Macht sei.

Kuba kämpft heute auch wegen der Coronavirus-Pandemie gegen die schwerste Wirtschaftskrise seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion. Zwar hat der neue US-Präsident Joe Biden angekündigt, einige der verschärften Sanktionen seines Vorgängers Donald Trump aufheben zu wollen. Am Freitag erklärte das US-Präsidialamt jedoch, dies habe keine Priorität.

Von: APA/Reuters/AFP/dpa