Awad Ibn Auf verkündete seinen Rücktritt

Chef des Militärrats im Sudan verkündete Rücktritt

Freitag, 12. April 2019 | 22:35 Uhr

Der Chef des neuen Militärrats im Sudan ist nur einen Tag nach dessen Gründung zurückgetreten. Das teilte Awad Ibn Auf am Freitag in einer im Staatsfernsehen übertragenen Ansprache mit. Ibn Auf hatte am Donnerstag “den Sturz des Regimes” und die Inhaftierung des langjährigen sudanesischen Staatschefs Omar al-Bashir verkündet und war im Anschluss als Chef des Militärrats vereidigt worden.

Der seit drei Jahrzehnten autoritär herrschende Staatschef Bashir war nach monatelangen Massenprotesten der Bevölkerung vom Militär gestürzt worden. Für eine Übergangszeit von zwei Jahren wurde dann ein Militärrat eingesetzt, mit Verteidigungsminister Ibn Auf an der Spitze.

Anführer der Anti-Bashir-Proteste lehnten den “Militärputsch” ab und riefen zu weiteren Demonstrationen auf. Auch am Freitag versammelten sich wieder Zehntausende Menschen vor den Toren des Armee-Hauptquartiers in der Hauptstadt Khartum und demonstrierten für die Einrichtung einer Zivilregierung.

Unmittelbar nach dem Putsch im Sudan hatte die Militärführung Kritik an ihrer Machtübernahme zurückgewiesen und versprochen, möglichst bald einer zivilen Regierung Platz zu machen. Die Streitkräfte hätten “überhaupt keine Ambitionen, an der Macht festzuhalten”, sagte Omar Zain al-Abdin, der Leiter des politischen Gremiums der Militärregierung, am Freitag in Khartum.

Das Militär werde während der Übergangsphase lediglich für Sicherheit und Stabilität sorgen. “Ich schwöre, wir werden die Forderungen der Menschen unterstützen”, versprach er vor Journalisten. Das Militär hatte den Langzeitmachthaber Omar al-Bashir am Donnerstag abgesetzt.

Die Lösungen der Probleme im Sudan müssten von den Menschen selber kommen, sagte Al-Abdin. Die Sudanesen müssten die politische Zukunft des Sudans gestalten. “Wir werden uns nicht einmischen.” Das Militär habe “keine Ideologie”. Er bat die Menschen im Sudan, sich hinter die Streitkräfte zu stellen.

Das Militär will nach eigenen Angaben maximal zwei Jahre an der Macht bleiben, um den Weg für freie Wahlen zu ebnen. Sollte sich die Lage schnell verbessern und sollten die Sudanesen schon eher Lösungen finden, “werden wir zur Seite treten”, versprach Al-Abdin.

In den Monaten vor dem Putsch hatte es Massenproteste gegen die Politik des seit 30 Jahren regierenden Al-Bashir gegeben. Das Militär führte diese als Rechtfertigung ihrer Machtergreifung an und stellte Al-Bashir als Machthaber dar, der kein Ohr mehr für die Probleme der Menschen gehabt habe. Die Staatsführung habe mit Gewalt reagieren wollen und jegliche politischen und wirtschaftlichen Probleme ignoriert, sagte Al-Abdin. Deshalb habe man entschieden, dass “eine Veränderung stattfinden muss”.

Eine treibende Kraft hinter den Protesten im Sudan hielt das Versprechen des Militärs, die Macht bald wieder abzugeben, für unglaubwürdig. Die neue Führung sei nicht bereit, etwas zu verändern, kritisierte die SPA, eine gewerkschaftliche Interessensvertretung, am Freitag. Den Machthabern seien die friedlichen Forderungen nach einer sofortigen Übergabe der Macht an eine zivile Übergangsregierung egal.

Von: APA/ag.