Proben aus Douma kommen in ein Labor in die Niederlande

Chemiewaffen-Inspekteure haben Proben in Douma genommen

Samstag, 21. April 2018 | 20:08 Uhr

Nach tagelangen Verzögerungen haben Chemiewaffenexperten erste Proben in der syrischen Stadt Douma genommen. Die OPCW-Untersuchungsmission habe “einen der Orte in Douma aufgesucht, um Proben für die Analyse im Zusammenhang mit den Vorwürfen eines Einsatzes von Chemiewaffen am 7. April” zu sammeln, teilte die Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) am Samstag in Den Haag mit.

Die Proben würden in das OPCW-Labor im niederländischen Rijswijk und dann zur Analyse in ausgewählte Labore gebracht, hieß es in der Erklärung. Nach einer Bewertung der Lage vor Ort werde über einen weiteren Besuch in Douma entschieden. Experten zufolge kann die Analyse der Proben zwei bis drei Wochen dauern.

Moskau, ein wichtiger Verbündeter des syrischen Machthabers Bashar al-Assad, hatte zuvor mitgeteilt, eigene Proben in Douma hätten keine Hinweise auf den Einsatz von Chemiewaffen gezeigt. Russland erwarte eine “maximal unvoreingenommene Untersuchung” der Ereignisse in Duma, sagte Außenamtssprecherin Maria Sacharowa in Moskau. Auch die syrische Regierung dementierte wiederholt den Einsatz chemischer Waffen.

Die OPCW-Experten waren bereits am vergangenen Wochenende in Syrien eingetroffen – wenige Stunden nach den Raketenangriffen der USA, Frankreichs und Großbritanniens auf Einrichtungen der syrischen Chemiewaffenproduktion. Sie verbrachten jedoch die ganze Woche in der Hauptstadt Damaskus.

Syrien und Russland erteilten zunächst unter Verweis auf Sicherheitsbedenken keine Genehmigung zur Reise nach Douma, organisierten allerdings zugleich Pressefahrten dorthin. Am Dienstag wurde ein Voraus-Team der UNO in Douma beschossen, als es die Sicherheitsbedingungen für den Einsatz der Waffeninspekteure prüfen wollte.

Westliche Diplomaten gehen davon aus, dass inzwischen alle Beweise am Ort des Angriffs beseitigt wurden, so dass die OPCW-Mission nur schwerlich gesicherte Erkenntnisse bringen werde.

Nach Einschätzung von Experten könnten die OPCW-Inspektoren jedoch immer noch deutliche Spuren in Kleidern, an Wänden, Felsen und im Boden finden, wenn tatsächlich giftige Chemikalien eingesetzt wurden, auch wenn ihre Wirksamkeit mit der Zeit nachlässt.

“Nervengase wie Sarin können sich nach der Verwendung in der Umgebung für viele Wochen halten”, sagte Alastair Hay, Professor für Umweltgifte, von der Universität Leeds. Entscheidende Hinweise könnten auch im Blut, Urin und in Organen von Opfern gefunden werden.

Douma war am 7. April Schauplatz eines mutmaßlichen Giftgasangriffs, für den der Westen die syrische Staatsführung verantwortlich macht. Bei dem Angriff wurden nach Angaben örtlicher Helfer mindestens 40 Menschen getötet. Kurz darauf willigten die Rebellen in einen Abzug aus der Stadt ein.

In der Nacht zum 14. April bombardierten die USA, Frankreich und Großbritannien mehrere Standorte der syrischen Chemiewaffenproduktion, um die syrische Führung am weiteren Einsatz dieser Waffen zu hindern. Syrien und sein Verbündeter Russland warfen dem Westen daraufhin Bruch des Völkerrechts vor.

Unterdessen verlegte der UN-Sicherheitsrat seine Beratungen über den festgefahrenen Syrien-Konflikt am Wochenende nach Schweden. UN-Generalsekretär Antonio Guterres sagte bei seiner Ankunft im südschwedischen Backakra, das Gremium sei beim Thema Syrien immer noch tief gespalten.

“Wir müssen wirklich eine Lösung hinsichtlich der Verletzung internationalen Rechts finden, um die es sich beim Einsatz von Chemiewaffen handelt”, sagte Guterres. Die US-Botschafterin bei der UNO, Nikki Haley, bedauerte die “Sackgasse”, in der sich der Sicherheitsrat beim Thema Syrien befinde.

Von: apa

Kommentare

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3 Kommentare auf "Chemiewaffen-Inspekteure haben Proben in Douma genommen"


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Wolke
Wolke
Grünschnabel
1 Monat 4 Tage

Gut, dass diese Nachrichten nun auch langsam in die Massenmedien einfließen. Die ach so löblichen Weißhelme sind vom Westen finanzierte Söldnertruppen, die den Auftrag haben, genau solche Falschmeldungen in die Welt zu senden. Unsere westliche Politik ist einfach nur noch abscheulich machtgeil und zutiefst gewissenlos.

Mistermah
Mistermah
Universalgelehrter
1 Monat 3 Tage
Die Frage die sich mir stellt: Syrien hat mit internationaler Hilfe C Waffen vernichtet. Seit 7 Jahren zerstören westliche Verbände anscheinend C Waffen Depots. Vor einem jahr wurden C Waffen Fabriken und Lager in einem massiven Schlag vernichtet. Jetzt wurden wieder vermeintliche Depots und Fabriken vernichtet. Scheinen ja wie die Pfifferlinge aus dem Boden zu schießen. Spezialisierte Techniker und Wissenschaftler flüchten massiv vor Assad, sie sind ja intelligent. Bei den bombardierungen sind diese Spezialisten sicher mit gestorben. Trotzdem scheint es massenhaft Nachschub zu geben. Jedes Giftgas Opfer seitens der Regierung wird von den weisshelmen gefilmt und öffentlich gemacht. Der unabhängige… Weiterlesen »
MickyMouse
MickyMouse
Universalgelehrter
1 Monat 3 Tage

Die hatten drei Tage Zeit alles verschwinden zu lassen,waren ja vorgewarnt,was soll der Blödsinn?

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