Xi Jinping empfing Obama

China fordert bei G-20-Gipfel neue Wachstumsinitiativen

Sonntag, 04. September 2016 | 14:49 Uhr

Chinas Präsident Xi Jinping hat die großen Wirtschaftsnationen zu gemeinsamen Anstrengungen zur Ankurbelung des Wachstums aufgerufen. Zum Auftakt des G-20-Gipfels in der chinesischen Stadt Hangzhou sagte Xi, acht Jahre nach dem Höhepunkt der Finanzkrise stehe die globale Wirtschaft wieder an einer “kritischen Weggabelung”. Überschattet wird der Gipfel von Spannungen zwischen den USA und China.

Die Konjunkturdynamik verlangsame sich immer mehr. Zugleich seien viele Staaten mit alternden Gesellschaften konfrontiert. In dieser Lage müssten neue Wachstumspfade gefunden werden. Dazu sollten die 20 größten Industrie- und Schwellenländer (G-20) engere Kooperationen eingehen.

“Die internationale Staatengemeinschaft hat große Erwartungen an die G-20”, sagte Xi. Er plädierte in diesem Zusammenhang für eine offene Wirtschaft, in der die G-20-Länder ihre Zusage erneuern sollten, auf protektionistische Politik zu verzichten. Das Gipfeltreffen endet am Montag. Ein wichtiges Thema sind auch die Überkapazitäten auf dem Stahlmarkt, die viel Kritik vor allem an China ausgelöst haben.

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker betonte, er werde nicht hinnehmen, dass die Volksrepublik Produkte mit Niedrigstpreisen weltweit in den Markt drücke und damit Tausende Jobs in der europäischen Stahlwirtschaft gefährde. Das Land müsse seiner Verantwortung als weltweit größter Stahlproduzent gerecht werden und zu einer Lösung beitragen. Dazu solle es sich an einem internationalen Beobachtungssystem für Stahlkapazitäten beteiligen.

Der Auftakt des G-20-Gipfels wurde von Spannungen zwischen Gastgeber China und den USA überschattet. Der chinesische Staats- und Parteichef Xi und US-Präsident Barack Obama stritten sich bei einem Treffen über die Vormachtpolitik Pekings in der Region. China werde “unerschütterlich” seine territoriale Souveränität und maritimen Interessen schützen, sagte Xi. Zuvor hatte Obama ihn zur Zurückhaltung im Territorialstreit um Inseln und Riffe im Süd- und Ostchinesischen Meer aufgerufen und vor “Konsequenzen” gewarnt.

US-Medien bezeichneten den “holprigen Start” des Besuches von Präsident Barack Obama als symptomatisch für die schlechten Beziehungen der beiden Länder. Sie gingen dabei auf die Rangeleien zwischen chinesischen Sicherheitskräften und der US-Delegation bei der Ankunft am Flughafen in der ostchinesischen Stadt Hangzhou ein.

Obama sprach von “Reibereien”, weil die USA darauf bestünden, den Medien die Berichterstattung über den Gipfel zu ermöglichen. “Wir finden, dass es wichtig ist, dass die Presse Zugang zu der Arbeit hat, die wir hier machen und dass sie die Möglichkeit haben, Fragen zu stellen”, sagte Obama. “Und wir lassen unsere Werte und Ideale nicht zuhause, wenn wir diese Reisen machen.”

Nach seiner Landung war es zu Wortgefechten gekommen. Es stand keine Flugzeugtreppe für die Präsidentenmaschine bereit, so dass Obama fern von TV-Kameras hinten aussteigen musste. “Ein Mitglied der chinesischen Delegation schrie Mitarbeiter des Weißen Hauses von dem Moment an, an dem die Mediengruppe das Rollfeld betrat”, schilderten US-Journalisten die Ereignisse. “Er wollte, dass die US-Presse verschwindet.”

Allein in der Klimapolitik schienen die beiden Präsidenten einig, nachdem sie am Samstag den Vereinten Nationen die Dokumente zur Annahme des Pariser Klimaabkommens übergeben hatten. Die Ratifizierung durch die beiden größten Wirtschaftsmächte wurde als entscheidender Schritt gewertet, damit die Vereinbarung möglichst noch dieses Jahr in Kraft treten kann. Ziel ist es, die Erderwärmung unter zwei Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu halten.

Mit den USA und China haben nun 26 Staaten das im Dezember abgeschlossene Abkommen ratifiziert. Sie sind für 39 Prozent des Treibhausgas-Ausstoßes verantwortlich. Gültig ist das Abkommen, wenn es 55 Staaten ratifiziert haben, die mindestens 55 Prozent der klimaschädlichen Gase produzieren. Ziel der Vereinbarung ist es, die Erderwärmung im Vergleich zur vorindustriellen Zeit auf zwei Prozent zu begrenzen.

Von: APA/dpa

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1 Kommentar auf "China fordert bei G-20-Gipfel neue Wachstumsinitiativen"


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zombie1969
Grünschnabel
23 Tage 22 h

Das beherrschende Thema in Hangzhou dreht sich um die Frage: “Wer hat Mitleid mit A. Merkel, wer nimmt sie auf”. 
Vor ihrer Abreise hat A. Merkel noch einen verzweifelten Versuch unternommen und ihre neue innige Verbundenheit mit der AfD zum Ausdruck gebracht: In Sachen “Flüchtlinge” verwies sie auf die neue Priorität: “Rückführung, Rückführung und nochmals Rückführung”.

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