Chinesische Militärhubschrauber in der Nähe von Taiwan

China startete angekündigte Militärmanöver nahe Taiwan

Donnerstag, 04. August 2022 | 14:24 Uhr

China hat seine angekündigten Militärmanöver nahe Taiwan begonnen. Das chinesische Militär teilte am Donnerstag mit, es habe als Teil geplanter Übungen mehrere konventionelle Raketen auf Gewässer vor der Ostküste Taiwans abgefeuert. Vergleichbares gab es zuletzt 1996. Wie das taiwanesische Verteidigungsministerium meldete, habe China 11 Dongfeng-Mittelstreckenraketen nahe der Nord-, Süd- und Ostküste Taiwans in mehreren Wellen zwischen 13:56 und 16:00 Ortszeit abgefeuert.

Die Manöver sollen bis Sonntagmittag laufen und zielen auf eine Luft- und Seeblockade. “Relevante Schiffe und Flugzeuge” sollten die davon betroffenen Gewässer und den entsprechenden Flugraum meiden, vermeldete der staatliche chinesische Fernsehsender CCTV am Donnerstag. Das taiwanesische Verteidigungsministerium erklärte, die Lage genau zu beobachten. Die Streitkräfte des Inselstaates würden gemäß dem Prinzip handeln, sich “auf einen Krieg vorzubereiten, ohne einen Krieg zu wollen”. Es werde auch keine “Eskalation des Konflikts” gesucht.

Staatlichen Medien zufolge wird “scharf geschossen”. In der Meerenge der Taiwanstraße, die Taiwan vom Festland trennt, sowie östlich der Insel wurden weit reichende Geschosse abgefeuert, teilte das östliche Militärkommando der Volksbefreiungsarmee mit. Ein Sprecher sagte, alle Raketen hätten “ihre Ziele genau getroffen”. Die staatliche chinesische Zeitung “Global Times” schrieb unter Berufung auf Militäranalysten, die Manöver seien “beispiellos”. Erstmals würden Raketen über Taiwan fliegen.

China reagiert damit auf einen Taiwan-Besuch der US-Spitzenpolitikerin Nancy Pelosi am Dienstag und Mittwoch. Die Vorsitzende des US-Repräsentantenhauses war die ranghöchste US-Vertreterin seit 25 Jahren, die Taiwan einen Besuch abstattete. Die Regierung in Peking, die Taiwan als Teil des chinesischen Territoriums ansieht, reagierte erbost auf den Besuch und kündigte massive Militärmanöver an. Pelosi hatte erklärt, ihre Anwesenheit mache “unmissverständlich klar”, dass die USA einen demokratischen Verbündeten wie Taiwan nicht alleine ließen.

Der Nachrichtenagentur AFP gegenüber hieß es aus chinesischen Militärkreisen, die Manöver würden als “Vorbereitungen auf einen tatsächlichen Kampf” geführt. Sollten taiwanesische Kräfte “vorsätzlich in Kontakt mit dem chinesischen Militär kommen” und “versehentlich eine Waffe abfeuern”, würden Pekings Streitkräfte “strenge Gegenmaßnahmen ergreifen”, die taiwanesische Seite würde in diesem Fall “alle Konsequenzen tragen”.

Bereits am Mittwochabend (Ortszeit) hat Taiwan nach Angaben des Verteidigungsministeriums nicht identifizierte chinesische Flugkörper über den Kinmen-Inseln mit Leuchtraketen vertrieben. Zwei chinesische Flugobjekte, wahrscheinlich Drohnen, seien zweimal in das Gebiet eingedrungen, sagte Generalmajor Chang Zone-sung vom Kinmen-Verteidigungskommando am Donnerstag. Die taiwanesische See- und Hafenbehörde hatte schon am Mittwoch Schiffe davor gewarnt, in die Gebiete einzufahren, in denen die Manöver Chinas stattfinden. Taipeh zufolge unterbrechen die Militärübungen Pekings 18 internationale Handelsrouten, die durch seinen Flugraum führen. Vietnam Airlines gab bekannt, seine Flugrouten in der Region geändert zu haben. Die Airline wolle den Luftraum über der Taiwan-Straße wegen möglicher chinesischer Militärübungen rund um die Meerenge meiden, hieß es am Donnerstag in einer Mitteilung.

Auch ist Taiwan mit Cyberattacken konfrontiert. So war die Webseite des taiwanesischen Verteidigungsministeriums kurzfristig nicht erreichbar. Die Regierung forderte Unternehmen auf, ihre Sicherheitsmaßnahmen zu verbessern, da man mit einer Rekordzahl an Attacken auf Webseiten konfrontiert sei.

Die Außenminister des südostasiatischen Staatenbündnisses ASEAN warnten am Donnerstag vor Beginn der Militärmanöver, die derzeitige Situation könne zu “Fehlkalkulation, ernsthafter Konfrontation, offenen Konflikten und unvorhersehbaren Konsequenzen zwischen Großmächten führen”. Es müsse jetzt auf jede “provokante Aktion” verzichtet werden, erklärten die Minister bei einem ASEAN-Treffen in der kambodschanischen Hauptstadt Phnom Penh.

Das chinesische Außenministerium bestätigte unterdessen die Absage des bilateralen Treffens von Minister Wang Yi mit seinem japanischen Kollegen Yoshimasa Hayashi, das am Rande des Treffens geplant war. Begründet wurde dies mit Chinas Verärgerung über eine Stellungnahme der sieben führenden Industrieländer (G7) zur Eskalation um Taiwan, die Hua Chunying “unverantwortlich” nannte. Japan gehört wie die USA, Großbritannien, Deutschland, Kanada, Italien und Frankreich zu der Siebenergruppe, die bereits am Mittwoch Chinas Reaktion auf Pelosis Besuch kritisiert hatte. “Es gibt keine Rechtfertigung dafür, einen Besuch als Vorwand für aggressive Militäraktionen in der Taiwanstraße zu nutzen”, erklärten die G7-Außenminister. “Wir sind besorgt über die jüngsten und angekündigten Drohgebärden der Volksrepublik China, (…) die eine unnötige Eskalation riskieren.” Dass auch eine Begegnung des chinesischen Außenministers mit US-Außenminister Antony Blinken gestrichen wurde, bestätigte die Sprecherin nicht. Im Vorfeld hatte es geheißen, solch ein Treffen zwischen Blinken und Wang Yi sei nicht geplant.

Rückhalt bekommt China vom verbündeten Russland: “Was die Manöver betrifft: Das ist Chinas souveränes Recht”, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Donnerstag laut der Agentur Interfax. Erneut kritisierte Peskow den Besuch von Pelosi in Taipeh vor wenigen Tagen. “Das war ein völlig unnötiger Besuch und eine unnötige Provokation”, sagte der Sprecher von Kremlchef Wladimir Putin.

Seit der Abspaltung Taiwans von China will Peking die Insel mit dem Festland wieder vereinigen – notfalls mit militärischer Gewalt. Der Konflikt zwischen Peking und Taipeh hatte sich zuletzt unter dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping verschärft. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine hat zudem Befürchtungen wachsen lassen, Peking könnte im Umgang mit Taiwan auf ein ähnliches Vorgehen setzen.

Von: APA/AFP/dpa/Reuters

Kommentare

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28 Kommentare auf "China startete angekündigte Militärmanöver nahe Taiwan"


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Calimero
Calimero
Universalgelehrter
3 Tage 19 h

Die USA stiftet zur Zeit mächtig Unruhe auf der Welt, da frag ich mich, Cui Bono ?

Selbstbewertung
Selbstbewertung
Superredner
3 Tage 16 h

@Calimero: Wenn nun China einen militärischen Überfall auf Taiwan startet, sind nach Meinung einiger hier sicher wieder die USA schuld, hat es doch die Nummer 3 gewagt, Taiwan einen Kurzbesuch zu erstatten, ohne hierfür die Genehmigung Chinas einzuholen….Statt China zu verurteilen, werden viele wieder die USA als Kriegstreiber und Aggressor beschimpfen. Die Verhältnismäßigkeit scheint kein Kriterium zu sein… Man sieht nur das, was man eben sehen will.

Gredner
Gredner
Kinig
3 Tage 14 h

Daß China auf so einen Besuch sensibel reagiert, wusste man ja. Die USA hätte da wahrlich verzichten können.

OrtlerNord
OrtlerNord
Superredner
3 Tage 8 h

@Gredner
könnte man. Aber in einem freien Land kann ich besuchen wen und wann ich will und ich kann auch sagen was ich für richtig empfinde. In Russland sagst du Angriffskrieg und du gehst für 10 Jahre in Bau.
In China besuchst du jemand wo denen nicht passt dann gibt es ein Militärmanöver!
Ach hat es mit so einem Manöver in der Ukraine nicht auch angefangen?

Chrys
Chrys
Universalgelehrter
2 Tage 20 h
Nicht die USA stiften Unruhe. Es sind eben jene Staaten die eben Gebietsansprüche haben und diese mit Gewalt durchsetzen wollen. So lange sich Krieg führen lohnt, so lange wird das so bleiben. Das war in Abchasien so, in Ossetien, in Teschetschenien, dann auf der Krim und im Donbass und nun soll es so weiter gehen. Auch Georgien, soll es nach dem Willen Putins gehen soll von der Landkarte verschwinden, usw. China verletzt schon seit Jahren sämtliche Hoheitsgebiete von Taiwan. Haette Russland nicht die Ukraine angegriffen dann ware dort auch heute noch Frieden. Lässt China Taiwan in Frieden dann wird wohl… Weiterlesen »
Chrys
Chrys
Universalgelehrter
2 Tage 20 h

Niemand ist blinder als jener der nicht sehen will.

Chrys
Chrys
Universalgelehrter
2 Tage 20 h

Wie sollten denn dann Taiwan auf all die Hoheitsverletzungen reagieren?

Einheimischer
Einheimischer
Superredner
3 Tage 23 h

Wie die Russen…
Und die Weit ist von denen abhängig….

Dou geat au
Dou geat au
Grünschnabel
3 Tage 21 h

Pärig gell 🤦🏼‍♂️
Oba woss will man a fa insra leit erworten liaba billig fa kina he als ba ins do za produziern

Neumi
Neumi
Kinig
3 Tage 19 h

Die Ausdrucksweise ist etwas seltsam. China behauptet ständig, Taiwan wäre Teil von China, trotzdem unterscheiden sie zwischen taiwanesischen Kräften und dem chinesischen Militär.

Würde ein Fall, in dem eine taiwanesische Rakete ein chinesisches Flugzeug treffen sollte, von der chinesischen Regierung nicht als “friendly fire” behandelt werden müssen?`

N. G.
N. G.
Kinig
3 Tage 15 h

Würde man es dann genau so sehen wollen , wären die Bombenanschläge damals in Südtirol gegen die eigene Bevölkerung… also Italienern gegenüber… !

Gredner
Gredner
Kinig
3 Tage 14 h

@N.G. Die Bomben der Südtirol-Aktivisten waren nie gegen die Bevölkerung sondern hatte immer nur Sachschaden zum Ziel (z.B. die Strommasten).

Faktenchecker
3 Tage 13 h

“In den 1960er Jahren kamen mindestens 35 Personen im Zusammenhang mit dem „Südtirol-Konflikt“ ums Leben und zahlreiche Personen wurden verletzt. “

Neumi
Neumi
Kinig
3 Tage 12 h
@Faktenchecker In fast allen Fällen ist die Beweislage bestenfalls fragwürdig. Bei einigen hatte der Geheimdienst seine Finger im Spiel, Carabinieri an der Porzerscharte wurden während eines Scharmützels in den sicheren Tod geschickt. Auch ein getarnter Auftragsmord und ein Totschlag in einem Beziehungsdrama wird hier mitgezählt. Aber einige wenige gingen tatsächlich aufs Konto der Aktivisten, es waren nicht alle gleich zurückhaltend. Die Toten und Verletzten auf der Südtiroler Seite durch Carabinieri usw. werden hier ebenfalls mitgezählt Mit diesem einen Satz die Bombenleger zu verurteilen ist nicht nur oberflächlich, sondern schlichtweg falsch. Und ja, zu sagen, dass kein Aktivist jemanden getötet hat,… Weiterlesen »
magari
magari
Tratscher
3 Tage 11 h
Gredner
Gredner
Kinig
16 h 7 Min

@magari lies was Neumi geschrieben hat. Es gab nur ein einziges bestätigtes Opfer des BAS: der Strassenwärter Postal, der eigentlich selbst Schuld ist, weil er eigenhändig versucht hatte eine Bombe zu entschärfen.

falschauer
3 Tage 18 h

die diktatoren zeigen ihr wahres gesicht! nur zu dumm, dass wir wirtschaftlich sowohl von russland als auch von china abhängen und deren waffen gegen uns nicht kanonen sondern erdgas und die globalisierung sind

Selbstbewertung
Selbstbewertung
Superredner
3 Tage 16 h

@Falschauer: habe oft das Gefühl, dass der Krieg schon vor Jahren begonnen hat, aber keiner hat’s bemerkt.

falschauer
3 Tage 9 h

@Selbstbewertung

richtig, das hat hans peter martin in seinem buch “die globalisierungsfalle” bereits 1996 vorausgesagt

Dagobert
Dagobert
Kinig
3 Tage 19 h

Ohne die USA und Europa standn die Chinesn heint no im Schlomm und kraletn im Reis!
Nochdem sie von diesen 2 Ländern aufgepäppelt wurdn, möchtn sie der ganzn Welt befehln wos Sache isch!

OrB
OrB
Universalgelehrter
3 Tage 19 h

Holt die Industrie zurück nach Europa!

Transformer
Transformer
Neuling
3 Tage 12 h

So ist es, sage ich schon Jahre. Dazu die Energieabhängigkeit stark reduzieren und regenerative Energien stark ausbauen und masiv das Millitär aufrüsten.

Gredner
Gredner
Kinig
3 Tage 20 h

Zuerst heisst es “nur ein Manöver”, dann eine “Spezialoperation”. Und in wenigen Monaten steht die Weltproduktion der Chips still (die kommen ja alle aus Taiwan). Dann gibt es keine Handys mehr zu kaufen, keine PCs und auch keine Smart-TVs (wir müssen ja alle auf DVBT2 umsteigen, obwohl kein Hahn danach gekräht hatte). Die PKW-Prioduktion steht still (da ist ja tonnenweise Elektronik verbaut) und auch die Kühlschränke und Backrohre werden ausfallen. Es muss ja alles “mit der Cloud” verbunden werden…

N. G.
N. G.
Kinig
3 Tage 22 h
Für alles gibt es den richtigen oder denkbar ungünstigsten Moment. Der Mauerfall der DDR 1989 beweist es! Wäre Dieser vorher ohne Blutvergießen möglich gewesen? Definitiv nein und dauernde Provokationen hätten wahrscheinlich zum grossen Krieg geführt. Wir waren nah dran, ein Schuss und die Welt wäre im Abgrund versunken. Stattdessen gabs um einiges vernünftigere Politiker, übrigens auf beiden Seiten, die wussten das es seine Zeit brauch und der Augenblick kommen wird in dem man das Problem anders lösen kann. Heute wird auf Teufel komm raus provoziert, immer mit der Premisse, alle dürfen in Freiheit leben, was sie auch dürfen aber auf… Weiterlesen »
Doolin
Doolin
Kinig
3 Tage 20 h

…der nächste Aggressor steht bereit…haben von Putin gelernt, dass man mit Brutalität tun kann was man will…

NaSellSchunSell
NaSellSchunSell
Tratscher
3 Tage 19 h

erinnert ein wenig an die Militärübungen an der Grenze zur Ukraine. “Nein, wird werden nicht einfallen. Sind NUUUUR Übungen…”
Hoffentlich heißt es jetzt nicht auch “Nein, wir fahren NUUUR 1x um Taiwan herum”…und im Hinterkopf: “und schauen, auf welcher Seite man am besten landen kann.”

andr
andr
Universalgelehrter
3 Tage 19 h

Da gibt es Staaten die anderen den Mund verbieten und sonst drohen sie mit Welt Zerstörung

sarnarle
sarnarle
Superredner
3 Tage 2 h

So was machen wir dann mit China? Dort auch die selben Sanktionen wie gegen Russland?

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