"Hoffentlich wird alles gut gehen", meint Trump

China und USA forderten von Nordkorea Ende der Provokationen

Samstag, 12. August 2017 | 12:57 Uhr

Im Konflikt mit Nordkorea haben die USA und China die Führung in Pjöngjang zur Zurückhaltung aufgerufen. In einem Telefonat seien sich US-Präsident Donald Trump und der chinesische Staats- und Parteichef Xi Jinping einig gewesen, dass Pjöngjang “sein provokatives und anheizendes Verhalten beenden muss”, berichtete das Weiße Haus am Samstag in Washington.

Beide Präsidenten stimmten überein, dass die jüngste UNO-Resolution mit scharfen Sanktionen gegen Nordkorea “ein wichtiger und notwendiger Schritt” sei, um Frieden und Stabilität auf der Koreanischen Halbinsel wiederherzustellen, hieß es weiter. Das Weiße Haus hob ferner hervor, dass das Verhältnis zwischen Trump und Xi “extrem eng” sei und “hoffentlich zu einer friedlichen Lösung des Nordkorea-Problems führen wird”.

Nach chinesischer Darstellung rief Xi nicht nur Nordkorea, sondern alle Akteure zur Zurückhaltung auf, was auch Trump selbst einschließt. “Die betreffenden Parteien sollten Bemerkungen und Aktionen vermeiden, die die Spannungen auf der Koreanischen Halbinsel eskalieren könnten”, zitierte die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua den Staatschef. China sei bereit, mit den USA zusammenzuarbeiten, um die Probleme “angemessen zu lösen”.

Nach Angaben des staatlichen Fernsehens forderte Xi, die “maßgebliche Seite” müsse “Worte und Handlungen vermeiden, die die Spannungen auf der Koreanischen Halbinsel verschärfen”. Der Konflikt um das Atomprogramm Nordkoreas müsse friedlich durch Gespräche gelöst werden.

Das Telefongespräch folgte auf die scharfen Äußerungen Trumps, der dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-un mit “Feuer und Wut” gedroht und ihn zuletzt am Freitag gewarnt hatte, dass die USA militärisch jederzeit “voll einsatzfähig” seien. Nordkorea seinerseits hatte erklärt, sich darauf vorzubereiten, Raketen in Richtung der US-Pazifikinsel Guam abzuschießen, wo die USA einen wichtigen Stützpunkt unterhalten.

Durch die Tests mit Interkontinentalraketen und die Sorge über unerwartet schnelle Fortschritte Nordkoreas bei der Entwicklung von Atomsprengköpfen hatte sich die Lage deutlich angespannt. Das Telefonat fand am Freitag Ortszeit in den USA und Samstag früh in Peking statt. Beide Präsidenten bekräftigten darin erneut ihre Absicht, die Koreanische Halbinsel atomwaffenfrei machen zu wollen.

Neben den USA spielt China eine Schlüsselrolle in dem Konflikt und bei der Umsetzung der Sanktionen. Mehr als 80 Prozent des nordkoreanischen Handels fließen über den großen Nachbarn. Die USA wollen, dass Peking den Druck auf Pjöngjang verschärft. Die chinesische Führung hofft hingegen, dass die USA auf Nordkorea zugehen und dessen Sicherheitsbesorgnisse ernst nehmen. China hat vorgeschlagen, dass die USA ihre Manöver mit Südkorea einstellen, während Nordkorea sein Atom- und Raketenprogramm aussetzt, um Verhandlungen aufzunehmen.

Trump hielt die Drohkulisse unverändert aufrecht, äußerte am Freitag aber auch Hoffnung auf eine friedliche Lösung des Konflikts. “Hoffentlich wird alles gutgehen”, sagte Trump in Bedminster (New Jersey) nach einem Treffen mit Außenminister Rex Tillerson und UNO-Botschafterin Nikki Haley. “Niemandem wird eine friedliche Lösung lieber sein als Präsident Trump”, sagte der Präsident.

Wenn dem US-Territorium Guam etwas geschehe, werde Nordkorea in “großen, großen Schwierigkeiten” sein. Zu Pjöngjang sagte Trump: “Ich hoffe, dass sie in Gänze die Tragweite dessen verstehen werden, was ich gesagt habe. Und was ich sage, meine ich auch.” Freitag früh hatte Trump getwittert: “Militärische Lösungen sind nun voll einsatzfähig – locked and loaded.” Der Ausdruck “locked and loaded” wurde im US-amerikanischen Sprachgebrauch berühmt durch den Film “Du warst unser Kamerad” (“Sands of Iwo Jima”) von 1949 mit John Wayne in der Hauptrolle, der im Zweiten Weltkrieg spielt. Er beschreibt Vorbereitungen zum Abfeuern einer Waffe.

Anzeichen für eine Truppenmobilisierung gibt es aber nicht. Auch Verteidigungsminister James Mattis betonte zuletzt, die US-Bemühungen seien von der Diplomatie getrieben. Nordkorea hatte trotz Verboten des UNO-Sicherheitsrats am 28. Juli eine Interkontinentalrakete getestet. Diese hatte nach Schätzungen eine theoretische Reichweite von rund 10.000 Kilometern. Kim sagte nach dem Test, das Festland der USA sei jetzt in Reichweite. Als Reaktion verhängte der UNO-Sicherheitsrat neue, scharfe Wirtschaftssanktionen.

Das nordkoreanische Propagandaorgan “Rodong Sinmun” berichtete, dass seit der Verhängung der Sanktionen rund 3,5 Millionen Nordkoreaner einen Antrag gestellt hätten, sich dem Militär anschließen zu können. Das 25 Millionen Einwohner zählende Nordkorea hat mit mehr als 1,1 Millionen aktiven Soldaten die zahlenmäßig größte Armee der Welt. Allerdings führen die Streitkräfte auch viele zivile Tätigkeiten aus, etwa im Straßenbau oder der Feldarbeit. Jeder männliche Nordkoreaner ist verpflichtet, einen zehnjährigen Wehrdienst abzuleisten.

Trump und Nordkorea hatten sich in den vergangenen Tagen gegenseitig mehrfach mit Drohungen überzogen. Das schürte weltweit Sorgen, der Konflikt könne militärisch eskalieren. Die Börsenplätze verbuchten schwere Verluste. Bis Freitag büßten sie weltweit mehr als eine Billion Dollar an Wert ein. Der russische Außenminister Sergej Lawrow nannte die Wortwahl aus Washington und Pjöngjang übertrieben. Er kündigte einen russisch-chinesischen Vermittlungsversuch an. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel warnte, die Eskalation der Sprache werde nicht zu einer Lösung des Konflikts beitragen. Sie sehe auch keine militärische Lösung. Wichtig sei jetzt die internationale Abstimmung, besonders zwischen den USA und China, aber auch mit Südkorea und Japan. Trump sagte dazu wenig später: “Lasst sie für Deutschland sprechen.”

In Österreich wurde am Freitag der Geschäftsträger der nordkoreanischen Botschaft ins Außenministerium zitiert, “um die Sorge Österreichs über die eskalierende Lage um das nordkoreanische Atomprogramm deutlich mitzuteilen”. Das erklärte Außenamtssprecher Thomas Schnöll am Samstag gegenüber der APA. Die Eskalation der vergangenen Tage sei “besorgniserregend” und müsse “durch konstruktive Diplomatie ersetzt” werden.

Von: APA/dpa