Seit Jahren wieder chinesischer Außenminister zu Besuch

Chinas Außenminister reiste nach Nordkorea

Mittwoch, 02. Mai 2018 | 19:45 Uhr

Die Fortschritte im Atomkonflikt mit Nordkorea haben eine Welle diplomatischer Aktivitäten ausgelöst. Chinas Außenminister Wang Yi reiste am Mittwoch zu Gesprächen nach Pjöngjang. Er ist der seit Jahren höchste chinesische Besucher in Nordkorea. Japans Regierungschef Shinzo Abe plant nächste Woche in Tokio ein Dreiertreffen mit Chinas Premier Li Keqiang und Südkoreas Präsident Moon Jae-in.

Der chinesische Außenminister äußerte zu Beginn eines zweitägigen Besuchs in Nordkorea die Hoffnung auf ein erfolgreiches Gipfeltreffen zwischen dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-un und US-Präsident Donald Trump. Peking unterstütze “vollständig” Nordkoreas Anstrengungen zur Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel, sagte Wang am Mittwoch in Pjöngjang laut der amtlichen chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua.

Zu wünschen sei ein “glatter” Verlauf der Gespräche zwischen Kim und Trump mit “wesentlichen Fortschritten”, fügte Wang hinzu. Obwohl China seit Jahrzehnten der wichtigste Verbündete und Handelspartner Pjöngjangs ist, fand der letzte Besuch eines chinesischen Außenministers in Nordkorea im Jahr 2007 statt.

Es wird erwartet, dass Südkoreas Präsident Moon bei einem Treffen mit Shinzo Abe und Li Keqiang nächste Woche seine Kollegen über seinen ersten Gipfel mit Machthaber Kim Jong-un am vergangenen Freitag unterrichten wird. Bei dem historischen Treffen im Grenzort Panmunjom in der Demilitarisierten Zone hatte Kim seine Bereitschaft zum vollständigen Abbau seiner Atomwaffen erklärt.

Die USA wollen Nordkorea dabei keinen Aufschub gewähren. Der neue US-Außenminister Mike Pompeo sagte am Mittwoch in Washington, Ziel seiner Regierung sei die “unverzügliche” Demontage des nordkoreanischen Nuklearprogramms. Dieser Abbau müsse “permanent, überprüfbar und unumkehrbar” sein, betonte Pompeo in Anwesenheit von US-Präsident Donald Trump bei einer Zeremonie zu seiner Vereidigung im neuen Amt.

In Kürze wird auch mit einer Ankündigung gerechnet, wo der Ende Mai oder Anfang Juni geplante Gipfel zwischen Kim und Trump stattfinden wird. Zuletzt hatte Trump auch wieder Panmunjom ins Spiel gebracht, wo sich Moon und Kim getroffen hatten.

Bei dem Gipfel hatten die beiden vereinbart, das heute noch gültige Waffenstillstandsabkommen zum Ende des Korea-Krieges 1953 möglichst in diesem Jahr noch durch einen Friedensvertrag zu ersetzen. Dafür sollen Gespräche zu dritt mit den USA oder zu viert noch mit China geführt werden. China hatte im Korea-Krieg mit “Freiwilligen” an der Seite des Nordens gegen Südkorea und eine aus den USA und 15 weiteren UN-Staaten bestehende Streitmacht gekämpft.

Im Zuge seiner Charmeoffensive seit Jahresanfang hatte Machthaber Kim Ende März überraschend China besucht. Nach Jahren der frostigen Beziehungen wegen seiner Atom- und Raketentests und der von China als größter Handelspartner umgesetzten internationalen Sanktionen hatten sich beide Seiten dabei wieder angenähert und eine enge Abstimmung verabredet. Ob Chinas Außenminister während seiner zweitägigen Visite in Pjöngjang auch von Kim empfangen wird, war unklar.

Das Ringen um eine diplomatische Lösung im Atomkonflikt bringt auch China, Japan und Südkorea einander wieder näher. Zu dem Dreier-Treffen am Mittwoch in Tokio reist mit Li Keqiang erstmals seit acht Jahren wieder ein chinesischer Premier nach Japan. Erstmals seit sechs Jahren besucht mit Moon wieder ein südkoreanischer Präsident Tokio.

Seit Jahren sind die Beziehungen Chinas und Südkoreas mit Japan wegen der rechtskonservativen Politik von Regierungschef Abe und dessen Umgang mit der japanischen Kriegsvergangenheit angespannt. Japans Premier verkündete den Gipfeltermin am Dienstag auf einer Pressekonferenz während seines Besuchs in der jordanischen Hauptstadt Amman.

Von: APA/dpa