Hilfe aus China wird in Afrika deutlich stärker wahrgenommen

Chinas Hilfe in Afrika “spürbarer” als europäische

Freitag, 25. Mai 2018 | 05:40 Uhr

“Die Sichtbarkeit der europäischen Hilfe in Afrika ist sehr niedrig, während China fast überall sichtbar ist.” Kaum eine gemeinsame Linie fanden bei einer Podiumsdiskussion am Donnerstagabend Bashir Alhaji-Shehu von “African Diaspora Youth Forum in Europe” und Simone Knapp von Außenministerium hinsichtlich der Sichtbarkeit der europäischen Hilfe in Afrika.

Die chinesische Entwicklungshilfe sei viel sichtbarer als die europäische, so Alhaji-Shehu. Knapp dementierte: “Europa wird sehr wohl in Afrika gespürt.” Es würden verstärkt “möglichst viele lokale Kapazitäten eingesetzt” und dadurch “das Vertrauen der lokalen Bevölkerung in das jeweilige Land und nicht in erster Linie in Österreich gestärkt”, so Knapp.

Europa habe seinen Fokus erst als eine Reaktion von chinesischen Aktivitäten wieder nach Afrika gerückt, sagte Alhaji-Shehu bei der Diskussion “Von Senegal bis Eritrea: Konfliktdynamiken in Afrika” in der Landesverteidigungsakademie (LVAk) in Wien. Chinesisch-afrikanische Beziehungen würden bereits lange existieren und erst in der vergangenen Jahren habe man diese Entwicklungen in Europa stärker bemerkt. “Europa sollte stärker als ein Partner agieren” und Afrika weniger mit den vielen Bedingungen belasten, so Alhaji-Shehu, der auch Vizepräsident des Vereins afrikanischer Studenten (VAS) in Wien ist. Darum sei China in Afrika oft besser akzeptiert als Europa, weil “sie uns als Gleichwertige gegenüberstehen”.

“Die EU braucht tatsächlich eine bessere PR”, sagte Simone Knapp, Abteilungsleiterin für Bilaterale und regionale Planungs- und Programmangelegenheiten im Außenministerium (BMEIA). Die EU leiste viel Entwicklungsarbeit, sie müsste allerdings mehr darüber berichten. “Wir arbeiten möglichst viel mit lokalen Strukturen und Experten. Wir versuchen, lokale Kapazitäten auszubauen,” so Knapp. In den vergangenen 15 Jahren habe sich die Situation dahin gehend deutlich verbessert. “Im Rahmen des Dreijahresprogrammes wird unser Fokus auf Armutsbekämpfung auf die Schaffung von Perspektiven und auf die Einkommensmöglichkeiten vor Ort gestärkt”, erklärte Knapp.

“Es gibt einerseits idealistische EU-Positionen, andererseits verschiedene Interessen mehrerer Ex-Kolonialländer in Europa”, meinte Gerald Hainzl vom Institut für Friedenssicherung und Konfliktmanagement (IFK) der Landesverteidigungsakademie. Frankreich habe immer noch seine Interessen in Mali, Belgien in der Demokratischen Republik Kongo. “In der Sahel-Zone werden Konflikte um Ressourcen nicht abnehmen, sie werden konstant bleiben,” so der Afrika-Experte. Im gesamten Raum gebe es Konflikte zwischen Viehzüchtern und Bodenbauern, die in Europa nicht bekannt seien. Hainzl erinnerte auch daran, dass Europa erst seit 2015 auf die Themen Sicherheit und Migration fokussiert. Davor lag der Schwerpunkt bei Entwicklungszusammenarbeit, meint Hainzl.

Von: apa

Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse den ersten Kommentar!


wpDiscuz