Liu Xiaobo wurde 61 Jahre alt

Chinesischer Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo ist tot

Donnerstag, 13. Juli 2017 | 19:45 Uhr

Der chinesische Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo ist nach Jahren der Inhaftierung gestorben, ohne seine Freiheit wiedererlangt zu haben. Als Todesursache gaben die Behörden der Stadt Shenyang am Donnerstag mehrfaches Organversagen infolge einer Leberkrebserkrankung an.

Politiker und Aktivisten im Ausland reagierten bestürzt und warfen die Frage nach einer Mitschuld der chinesischen Behörden am Krebstod des 61-jährigen Schriftstellers und Menschenrechtsaktivisten auf.

China hatte bis zuletzt die Behandlung des als Staatsfeind eingestuften Dissidenten im Ausland verweigert. Liu ist der erste Friedensnobelpreisträger seit fast 80 Jahren, der in Gewahrsam starb. Ein derartiges Schicksal traf zuletzt 1938 den in Nazi-Deutschland inhaftierten Pazifisten Carl von Ossietzky.

“Die chinesische Regierung trägt eine schwere Verantwortung für seinen vorzeitigen Tod”, erklärte das Nobelpreiskomitee in Oslo. Es hatte den Chinesen, der sich in seiner Heimat einen jahrzehntelangen Kampf um Meinungsfreiheit und Toleranz mit den Behörden lieferte, im Jahr 2010 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Ein Jahr zuvor war Liu wegen “Untergrabung der Staatsgewalt” zu elf Jahren Haft verurteilt worden.

Der Dissident war dann vor gut einem Monat wegen seiner Leberkrebserkrankung aus seiner Gefängniszelle in ein bewachtes Krankenhaus verlegt worden. Der deutsche Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) warf die Frage auf, “ob die schwere Krebserkrankung nicht viel früher hätte entdeckt werden können und müssen”. China stehe nun in der Pflicht, dieser Frage “auf eine glaubhafte und transparente Weise rasch nachzugehen”.

Die deutsche Bundesregierung hatte wiederholt eine Behandlung des Friedensnobelpreisträgers in Deutschland angeboten, auch Liu selbst hatte diesen Wunsch geäußert. “Ich bedauere zutiefst, dass diesem Wunsch nicht stattgegeben wurde”, erklärte Gabriel.

Während die chinesischen Medien kaum Notiz vom Tod des Aktivisten nahmen, wurde seine Lebensleistung außerhalb der Volksrepublik mit großem Respekt gewürdigt. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) würdigte Liu als “mutigen Kämpfer für Bürgerrechte und Meinungsfreiheit”. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier schrieb: “Er wollte nur das Beste für sein Land und wird unvergessen bleiben.”

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) erklärte am Donnerstag, der Tod von Liu offenbare die “Schonungslosigkeit der chinesischen Regierung gegenüber friedlichen Befürwortern von Menschenrechten und Demokratie”.

In Chinas Staatsmedien fand Lius Tod in einer Ein-Absatz-Meldung im englischsprachigen Dienst der Nachrichtenagentur Xinhua Niederschlag. Dort wurde erwähnt, dass Liu 2009 wegen “Subversion” verurteilt worden sei. Lius schwere Erkrankung und seine Verlegung in ein Krankenhaus waren zuvor in chinesischen Medien nicht thematisiert worden.

Von Regierungsseite in Deutschland, den USA und Frankreich kam die Forderung, nach Lius Tod die Beschränkungen der Bewegungsfreiheit für dessen Familie aufzuheben. Lius Witwe Liu Xia steht in China unter Hausarrest.

Außenminister Gabriel forderte, die Witwe und den Bruder des Verstorbenen nach Deutschland oder in ein anderes Land ausreisen zu lassen. US-Außenminister Rex Tillerson und der französische Ressortchef Jean-Yves Le Drian äußerten sich ähnlich.

Chinas Außenministerium hatte zuletzt am Mittwoch ausländische Behandlungsangebote für Liu mit dem Hinweis zurückgewiesen, dass sich andere Länder “nicht in die inneren Angelegenheiten Chinas” einmischen sollten.

Liu war mehrfach inhaftiert worden, wegen seiner Rolle bei den Tiananmen-Protesten 1989 wurde dem Literaturwissenschaftler die Lehrerlaubnis entzogen. 2009 wurde er verurteilt, weil er ein Manifest mitverfasst hatte, das demokratische Reformen in China forderte. Als der Schriftsteller und Aktivist ein Jahr nach seiner Verurteilung mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde, ließen die chinesischen Behörden ihn den Preis nicht persönlich entgegennehmen.

Von: APA/dpa

Kommentare

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3 Kommentare auf "Chinesischer Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo ist tot"


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MickyMouse
MickyMouse
Universalgelehrter
1 Monat 6 Tage

Die Chinesischen Behörden haben diesen Mann ganz “BEWUSST” auf elegante Weise beseitigt,glaube denen “kein einziges Wort”Schande für China und für die Menschenrechte!!!!!😡😡😡😡😡😡😡 R.I.P.

Krampus
Krampus
Superredner
1 Monat 6 Tage

wor a großo monn in an bösn, linkn regime… r.i.p.

Ninni
Ninni
Universalgelehrter
1 Monat 6 Tage

Hut ab von Liu Xiaobo ..rip

Sein Herz und alles hat man ihn zerbrochen.
Viel Kraft der lb. Ehefrau

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