18 Prozent sind gegen beide Kandidaten

Clinton baut Vorsprung auf Trump aus

Mittwoch, 12. Oktober 2016 | 15:38 Uhr

Nach Bekanntwerden seiner sexistischen Äußerungen ist der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump in der Gunst der US-Wähler weiter hinter seine Rivalin Hillary Clinton zurückgefallen. Der Milliardär kommt in der aktuellen Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters und des Meinungsforschungsinstituts Ipsos auf 37 Prozent. Für Clinton sprachen sich 45 Prozent der Befragten aus.

18 Prozent gaben an, keinen der beiden Kandidaten zu unterstützen. Vier Wochen vor der Wahl beträgt der Vorsprung der Demokratin damit acht Prozentpunkte. Vergangene Woche waren es fünf Punkte. Die in der Nacht auf Mittwoch veröffentlichte Umfrage wurde nach dem zweiten TV-Duell zwischen Trump und Clinton am Sonntag erstellt. Von den Befragten, die die Debatte zumindest teilweise verfolgten, fanden 53 Prozent, dass Clinton sich besser geschlagen habe. 32 Prozent hielten Trump für den Sieger.

Das Duell stand im Zeichen der frauenfeindlichen und vulgären Äußerungen Trumps, die in einem am Freitag veröffentlichten Video von 2005 zu hören sind. Der Milliardär entschuldigte sich zwar für die Kommentare, tat sie aber zugleich als Umkleidekabinen-Gerede ab. Die meisten der Befragten gaben an, Trump für einen Sexisten zu halten. Auf die Frage, ob ihn das als Präsidenten disqualifiziere, hielten sich die Ansichten aber die Waage. Etwa 42 Prozent sagten, Trump sei wegen der Äußerungen für das Amt ungeeignet. 43 Prozent fanden, dem sei nicht so. Etwa 61 Prozent der Befragten gaben an, “viele Männer” würden sich gelegentlich an ähnlichen Unterhaltungen wie in dem Video beteiligen. Befragt wurden insgesamt 2.386 Amerikaner.

Der Wahlkampfleiter Clintons wurde unterdessen nach eigenen Angaben Opfer eines Cyberangriffs. Das FBI habe Ermittlungen aufgenommen, teilte John Podesta am Dienstag mit. Dabei gehe es um das “kriminelle Hacking” von E-Mails, die die Enthüllungsplattform WikiLeaks veröffentlicht habe. Podesta hält die Veröffentlichung seiner gehackten E-Mails für ein Werk Russlands zugunsten von Clintons Gegner Donald Trump. Es sei ein “seltsamer Zufall”, dass die Veröffentlichung der E-Mails kurz nach empörenden Enthüllungen über Trump erfolgt sei, sagte Podesta am Dienstag. Es gebe eine “russische Einmischung in diese Wahl” und den Versuch Moskaus, “sie zugunsten von Herrn Trump zu beeinflussen”, erklärte Podesta auf einem Flug vom Miami nach New York vor Journalisten. Dies müsse Anlass zu “größter Sorge für alle Amerikaner” sein.

WikiLeaks veröffentlichte am Dienstag erneut eine Reihe von E-Mails mit Bezug zu Clintons Kampagne. Darunter war ein Dokument, demzufolge Clintons Redenschreiber Dan Schwerin sich besorgt über den Umgang mit dem US-Pazifik-Freihandelsabkommen TPP äußert. Clinton stehe bei dem Thema ein schwieriger Drahtseilakt bevor, heißt es in dem Schreiben vom Oktober 2015 an eine Handvoll von Spitzenberatern. Die Ex-Außenministerin bereitete damals eine Erklärung vor, dass sie gegen das von Präsident Barack Obama vorangetriebene Abkommen sei, obwohl sie es ursprünglich unterstützt hatte.

Clintons Mitarbeiter haben es bisher abgelehnt zu verifizieren, ob die E-Mails authentisch sind. Sie haben aber gewarnt, dass unter den veröffentlichten Schreiben falsche sein könnten. WikiLeaks-Gründer Julian Assange hatte kürzlich angekündigt, brisante Dokumente zu veröffentlichen, die “signifikant” für den Wahlkampf sein würden. Die Wahl findet in vier Wochen statt.

“Ob das Herrn Assanges Entscheidung war um zu versuchen, Herrn Trump zu helfen, oder ob es da eine Koordinierung gab, kann ich nicht wissen”, kommentierte Podesta nun. “Ich sage nur, es ist ein absolut seltsamer Zufall, dass dies genau zu dem Zeitpunkt geschah, als das Wasser kurz vor dem Siedepunkt war”, fügte Clintons Wahlkampfmanager mit Blick auf die hochkochende öffentliche Empörung über Trump hinzu. Podesta äußerte den Vorwurf, Trumps Wahlkampfteam sei im Voraus über die Veröffentlichung seiner Mails informiert worden.

Trump wiederum meinte, die veröffentlichten E-Mails machten “deutlicher denn je, wie viel bei dieser Wahl auf dem Spiel steht”. Sie entscheide darüber, “ob wir eine korrupte Bananenrepublik werden, die von Großspendern und ausländischen Regierungen kontrolliert wird”.

Obamas Regierung hatte die russische Regierung am Freitag ebenfalls beschuldigt, mit Cyberattacken auf politische Einrichtungen in den USA den US-Wahlkampf beeinflussen zu wollen. Sie drohte mit Konsequenzen, ohne dafür Ort und Zeit zu nennen. Obamas Sprecher Josh Earnest bekräftigte am Dienstag, es werde eine “angemessene” Reaktion geben, die aber kaum im Voraus angekündigt werde.

Obama verurteilte unterdessen bei einem Wahlkampfauftritt für Clinton in North Carolina Trumps frauenfeindliche Äußerungen: “Man muss nicht ein Ehemann oder ein Vater sein um zu sagen, dass das nicht richtig ist. Man muss nur ein anständiges menschliches Wesen sein.” Den Republikanern, die Trump weiter unterstützen, warf Obama vor, es ergebe “keinen Sinn”, Trumps Ausfälle immer wieder zu verurteilen, ihn aber dennoch zum “mächtigsten Präsidenten auf dem Planeten” machen zu wollen.

Russlands Präsident Wladimir Putin sieht den Skandal um die Veröffentlichung von gehackten E-Mails der US-Demokraten durch Wikileaks nicht im Interesse seines Landes. Alle Seiten im US-Präsidentschaftsrennen missbrauchten Russland rhetorisch für ihre Zwecke, sagte Putin am Mittwoch in Moskau. Seine Regierung werde aber, egal wer die Wahl im November gewinne, mit demjenigen zusammenarbeiten, der die Wahl gewinne.

Von: APA/ag

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