Clinton nimmt Wahlkampf wieder auf

Clinton nach Krankheitspause zurück auf der Wahlkampfbühne

Freitag, 16. September 2016 | 12:23 Uhr

Die demokratische US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton ist nach einer Krankheitspause auf die Wahlkampfbühne zurückgekehrt. Die 68-Jährige trat am Donnerstag an einer Universität in Greensboro im US-Staat North Carolina vor 1.500 Anhängern auf. “Es ist großartig, im Wahlkampf zurück zu sein”, rief sie ihrem Publikum zu.

Ihr republikanischer Rivale, der 70-jährige Donald Trump, präsentierte sich unterdessen als kerngesund. Clinton sagte zu ihrem Gesundheitszustand, zwei Monate vor dem Wahltermin sei “zu Hause zu sitzen das letzte, was ich tun will”. Sie hustete nicht mehr, aber ihre Stimme wirkte bisweilen angeschlagen. Clinton beschränkte sich auf eine vergleichsweise kurze Rede von 23 Minuten und nahm sich nur fünf Minuten Zeit, um Hände zu schütteln – zuvor hatte sie damit oft 20 Minuten verbracht.

Clinton hatte bei den Gedenkfeiern für die Terroranschläge vom 11. September 2001 in New York am Sonntag einen Schwächeanfall erlitten. Ihr Team musste daraufhin eingestehen, dass bei ihr bereits am Freitag davor eine Lungenentzündung diagnostiziert worden war. Der Gesundheitszustand der Kandidaten nahm daraufhin einen zentralen Platz im US-Wahlkampf ein.

Vor der Rückkehr auf die öffentliche Bühne ließ sich Clinton von ihrer Ärztin eine gute Gesundheit bescheinigen. Die Ex-Außenministerin kündigte weitere Termine für die kommende Woche an. “Ich mache seit Jahren Politik”, sagte sie. “Das ist kein einfaches Metier.” Sie habe aber ihre eigenen Strategien entwickelt, um mit den Schwierigkeiten fertig zu werden.

Trumps Arzt, Harold Bornstein, schrieb in einem Brief, die Leber- und Schilddrüsenwerte des Milliardärs seien “alle im normalen Bereich”. In dem Schreiben führt Bornstein unter anderem auch Trumps Cholesterol-, Blutzucker- und Blutdruckwerte auf. Demnach wiegt der 1,90 Meter große Trump 107 Kilogramm. Laut Bornstein nimmt der 70-Jährige einen Cholesterinsenker und eine geringe Dosis Aspirin. Er konsumiere weder Alkohol noch Tabak.

Die Ex-Außenministerin und frühere First Lady, die bisher in den meisten Umfragen deutlich vor Trump lag, verlor in den vergangenen Tagen offenbar an Rückhalt. Laut einer Umfrage für den Sender CBS und die “New York Times” liegt sie derzeit in der Wählergunst mit Trump gleichauf: Demnach kämen bei der Präsidentschaftswahl am 8. November beide auf jeweils rund 42 Prozent.

Dem Sender CNN zufolge ging Trump in den Schlüsselstaaten Ohio und Florida sogar in Führung. Die beiden US-Staaten gelten als entscheidend bei der Präsidentschaftswahl. Clinton kündigte für die kommenden Tage Wahlkampfauftritte in solchen US-Staaten an, in denen Trump laut den Umfragen Boden gut machte, auch in Florida.

Trump kündigte unterdessen am Donnerstag (Ortszeit) in New York im Falle eines Wahlsiegs an, die zuletzt etwas lahmende US-Wirtschaft mit Steuersenkungen auf Trab bringen zu wollen. Die Steuerzahler sollen demnach um 4,4 Billionen Dollar (3,9 Billionen Euro) entlastet werden.

Er rückt damit von seinem ursprünglichen Plan ab, der ein Volumen von zehn Billionen Dollar vorsah. Der Kandidat verspricht aber neue Jobs und mehr Wachstum für die weltgrößte Volkswirtschaft. “Alles, was heute kaputt ist, kann wieder repariert werden”, sagte der Immobilienunternehmer. “Und jedes Scheitern kann in einen großen Erfolg verwandelt werden.”

Konkret soll der Spitzensteuersatz von derzeit 39,6 auf 33 Prozent gesenkt werden. Zugleich sollen Steuerschlupflöcher geschlossen werden. Trump zufolge wird der US-Haushalt nicht belastet, da durch seine Pläne die Konjunktur angekurbelt und dadurch höhere Einnahmen generiert würden.

Außerdem kündigte Trump einen “Penny Plan” an, mit dem die staatlichen Ausgaben gesenkt werden sollen – und zwar um jährlich ein Prozent, mit Ausnahme des Wehretats und von Programmen wie der Sozialversicherung. Innerhalb eines Jahrzehnts soll sein Plan zu 25 Millionen neuen Jobs führen, die Wirtschaft jährlich um vier Prozent wachsen. Zum Vergleich: 2015 waren es 2,4 Prozent.

Experten bezweifeln aber, dass die Ziele realistisch sind und die Steuersenkungen finanziert werden können. “Das geht nicht auf”, sagte Oren Cass vom Manhattan Institute, der den Republikaner Mitt Romney bei dessen Kandidatur 2012 als Berater diente.

Maya MacGuineas, die der überparteilichen Kommission für einen verantwortungsvollen Bundeshaushalt (“Committee for a Responsible Federal Budget”) vorsteht, bezeichnete Trumps Plan als nicht nachhaltig. “Er bewegt sich in die richtige Richtung”, sagte sie zur Rücknahme der geplanten Entlastungen von zehn auf 4,4 Billionen Dollar. “Aber der Plan scheint auf rosigen Annahmen und unklaren politischen Veränderungen zu beruhen.”

Das Institut Oxford Economics warnte erst in dieser Woche, dass das US-Bruttoinlandsprodukt im Falle eines Wahlsiegs von Trump bis 2021 um eine Billion Dollar schrumpfen könnte. Im vergangenen Jahr summierte es sich auf 16,6 Billionen Dollar.

Der Milliardär will beispielsweise das von den Unternehmerverbänden herbeigesehnte Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA (TTIP) platzen lassen, das Handelshürden abbauen und den Warenaustausch zusätzlich fördern soll. Überdies möchte Trump die eigene Wirtschaft vor allem gegenüber China abschirmen, etwa durch Schutzzölle. Fachleute fürchten dann einen Handelskrieg.

Von: APA/ag.

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