Hillary Clinton steigt mit ihrem Kontrahenten Donald Trump in den Ring

Clinton und Trump liefern sich erstes Fernsehduell

Freitag, 23. September 2016 | 15:20 Uhr

Es wird ein harter Ringkampf: Die US-Präsidentschaftskandidaten Donald Trump und Hillary Clinton treffen am Montag zu ihrem ersten von drei Fernsehduellen aufeinander. Für beide Bewerber steht viel auf dem Spiel. Millionen US-Bürger werden die 90-minütige TV-Debatte zur besten Sendezeit verfolgen.

Der Auftritt der Kandidaten in dem Duell wird über ihr Abschneiden bei der Präsidentschaftswahl am 8. November mitentscheiden. Beide liegen in den Umfragen derzeit nur wenige Prozentpunkte auseinander.

Jeder falsche Zungenschlag, jede unbewusste Geste oder jeder Blick der Kandidaten in der TV-Debatte kann nach Angaben von Experten die Meinung von Scharen von Wählern beeinflussen. Nach Einschätzung vieler Beobachter hängt die Messlatte für die Demokratin Hillary Clinton höher: Sie hat jahrzehntelange Erfahrung auf den Fluren der Macht in Washington, als Ex-Außenministerin, Senatorin und frühere First Lady. Auf ihr lastet jedoch das Image einer nüchternen Aktenfresserin, die wenig Enthusiasmus zu wecken versteht.

Der Republikaner Trump setzt dagegen auf seinen Ruf als Polit-Außenseiter. Als früherer Reality-Fernsehstar ist er TV-Auftritte gewöhnt, er punktet mit einprägsamen und oft auch skrupellosen Sprüchen. In der internen Präsidentschaftskampagne der Republikaner profilierte er sich gerne mit Witzen auf Kosten seiner Konkurrenten.

Clinton hat sich minutiös auf das Fernsehduell vorbereitet. Sie wälzte Akten über Fachthemen, übte sich in Debatten mit Trump-Doubles, sezierte Trumps Auftritte bei den TV-Debatten mit seinen republikanischen Konkurrenten während des Vorwalkampfes. Laut der “New York Times” zog Clinton auch Psychologen zu Rate, um die wunden Punkte ihres Gegners zu analysieren.

Erschwert wird Clintons Aufgabe dadurch, dass Trump in der Vergangenheit zu diversen politischen Themen gegensätzliche Positionen bezogen hat. Zudem hat er ein sprunghaftes Auftreten, das rasch zwischen sanft und angriffslustig wechselt.

“Ich weiß nicht, welcher Donald Trump kommen wird”, sagte die 68-Jährige vor dem Fernsehduell. “Vielleicht versucht er, sich präsidial zu geben und eine Ernsthaftigkeit an den Tag zu legen, die er bisher nicht gezeigt hat. Oder er kommt rein und versucht, mit Beleidigungen Punkte zu machen.”

Nach Einschätzung von Politologen ist es für Clinton an der Zeit, ihre Akten beiseite zu schieben und die Boxhandschuhe anzuziehen: “Ihre Anhänger wollen sehen, wie sie gegen diesen Kerl kämpft”, glaubt Wendy Schiller von der Brown University.

“Die Herausforderung für sie ist, ihren Panzer zu verlassen und Donald Trump direkt anzugehen, ihn wild zu machen.” Für Clinton werde das aber nicht einfach: “Es ist nicht ihr Stil.”

Nach ihrer Lungenentzündung vor zwei Wochen müsse Clinton in dem Fernsehauftritt zudem Sorgen um ihren Gesundheitszustand zerstreuen, sagt Jennifer Lawless von der American University in Washington: “Sie muss die Botschaft rüberbringen, dass sie fit und dynamisch ist.” Auch müsse die Demokratin Befürchtungen bekämpfen, dass sie in Gesundheitsfragen zur Heimlichtuerei neige.

Trumps Herausforderungen bei dem Fernsehduell sind ganz andere. Er müsse “die Wähler der Republikaner davon überzeugen, dass er ein Republikaner ist und republikanische Überzeugungen vertritt”, sagt Politologin Schiller. Außerdem müsse er Vorwürfe seiner Rivalin widerlegen, er sei charakterlich nicht für das Amt des US-Präsidenten geeignet. “Wenn er grob zu Hillary Clinton ist, wenn er gemein ist oder herabsetzend gegenüber Frauen, verliert er jede Chance, die Frauen für sich zu gewinnen”, sagt Schiller.

Dann habe Trump auch seine Chance bei der Präsidentschaftswahl verspielt: “Wenn er die Frauen nicht für sich gewinnt, kann er das Rennen nicht gewinnen, denn Frauen machen 53 Prozent der Wählerschaft aus.”

Trump verkündete im Vorfeld schon mal vorsichtshalber, er werde sich im TV-Duell gegenüber Clinton zurückhalten: “Ich werde sehr respektvoll mit ihr sein”, sagte er dem Sender Fox News. “Wenn sie respektvoll zu mir ist, ist alles gut. Aber wir werden sehen. Man kann nie so genau wissen, wie es sich entwickelt.”

Der berühmte Historiker und Holocaust-Experte Saul Friedländer würde unterdessen bei einem Wahlsieg Trumps die USA verlassen. “Man kann einen Sieg Donald Trumps nicht ausschließen, auch wenn er ein gefährlicher Verrückter ist”, sagte der 83-jährige Pulitzer-Preisträger am Freitag. “Wenn Trump Präsident wird, werden meine Frau und ich das Land verlassen.”

“Er erzählt blanken Unsinn, nimmt es am nächsten Tag zurück”, sagte der Autor des Standardwerks “Das Dritte Reich und die Juden” über den US-Milliardär und Rechtspopulisten. “Man weiß überhaupt nicht, was er denkt. Er zieht eine Show ab”, hieß es weiter.

Trotzdem komme Trump bei vielen Wählern gut an: “Es gibt viele Amerikaner, arme und wütende Weiße, die von Trump im Weißen Haus träumen. Er ist eine Art Ventil für ihre Wut auf das ‘Establishment’, das von Barack Obama und Hillary Clinton repräsentiert wird.”

Die Erfolgschancen Trumps führt der in Prag als Sohn jüdischer Eltern geborene Friedländer auch auf die Schwäche seiner demokratischen Konkurrentin Clinton zurück. “Sie hat leider die Neigung zu lügen und Dinge zu verbergen.” Im Vergleich dazu erscheine Trump als “vollkommen offen und ehrlich, obwohl er nicht einmal seine Steuererklärung veröffentlicht”.

In den USA wird am 8. November der Nachfolger von US-Präsident Barack Obama gewählt. Clinton und Trump stehen sich am Montag im ersten TV-Duell des US-Wahlkampfes gegenüber. In Umfragen sind die beiden Kontrahenten nahezu gleichauf.

Von: APA/ag.

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1 Kommentar auf "Clinton und Trump liefern sich erstes Fernsehduell"


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Viktor
Neuling
6 Tage 1 h
Trump wird vermutlich Präsident werden. Hillary ist zu langweilig, eine alte Frau, schon zu lange in der Politik, zu ernst, auch nicht immer glaubhaft. Die Amis wollen Action.. Den Amerikanern gefällt es wie Trump redet, wie er andere beleidigt.. Sogar viele Frauen werden ihn wählen obwohl er sie beleidigt hat. Die meisten Frauen wählen sowieso lieber den Mann Tramp als die Frau Hillary. Von den Moslems und Mexikanern wird er keine einzige Stimme bekommen, aber wahrscheinlich werden die anderen Stimmen reichen. Trump ist für die Welt nicht gefährlich, er ist nur ein Großmaul. So wie es die meisten Großunternehmer sind welche in die… Weiterlesen »
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