Der Entwurf der Wiener Architekten

Coop Himmelb(l)au plant Eishockeystadion in St. Petersburg

Mittwoch, 07. April 2021 | 09:48 Uhr

Das Wiener Architekturbüro Coop Himmelb(l)au hat den Zuschlag für die Gestaltung eines Eishockeystadions im russischen St. Petersburg erhalten, das bis zur 2023 geplanten WM errichtet werden soll. Als für das Bauprojekt zuständig gilt der Stroytransgaz-Konzern, der auch in weitere Projekte des Büros im sibirischen Kemerowo sowie auf der von Russland okkupierten Krim maßgeblich involviert ist.

Spektakuläre Aufnahmen, die den durch Abbrucharbeiten ausgelösten Einsturz des Sport- und Konzert-Komplex Peterburgski und den Todessturz eines Arbeiters gezeigt hatten, sorgten im Jänner 2020 auch für internationale Schlagzeilen. An der Stelle des ehemals nach Lenin benannten “Komplexes” im Süden der russischen Millionenstadt entsteht nun das neue Eishockeystadion “SKA Arena”, das nach Entwürfen von Coop Himmelb(l)au realisiert werden soll. Dies wurde am Dienstag durch eine Aussendung des von Architekt Wolf D. Prix geleiteten Büros bekannt. “Das Stadion soll zur Eishockey-Weltmeisterschaft (2023, Anm.) fertig werden. Und es soll etwas Besonderes werden. Deshalb sind wir gewählt worden”, erklärte Prix am Dienstagabend in einem Telefonat mit der APA.

Die für die Einreichung des Projekts verantwortliche russische Firma, GK Gorka, hatte zuvor am 1. März lediglich berichtet, dass die Projektdokumentation von einer staatlichen Expertise-Institution positiv beurteilt worden sei und man nun an der Detailplanung arbeite. Von Coop Himmelb(l)au war keine Rede, und die Meldung war auf der Firmenhomepage mit einem Entwurf anderer Architekten illustriert worden.

Zuvor hatte das auf die Petersburger Baubranche spezialisierte Internetmedium nsp.ru im Jänner lediglich berichtet, dass neben Coop Himmelb(l)au auch Asymptote Architecture aus den USA, Seppo Mäntylä aus Finnland sowie Semzow, Kondiajn und Partner aus Russland in der Schlussrunde eines geladenen Wettbewerbs gelangt seien.

Die Wiener Architekten spielen in ihrem siegreichen Entwurf auf die Formensprache des russischen Konstruktivismus an, interpretieren etwa auf der Stadionfassade Wladimir Tatlins “Monument für die Dritte Internationale” (1919). In der Gliederung des umgebenden Parks finden sich Verweise auf El Lissitzkys Zeichnung “Der neue Mann” (1923). Gleichzeitig war der Gestaltungsspielraum bei diesem Projekt eingeschränkt: Satellitenbilder zeigen, dass bereits im vergangenen Sommer und noch vor der Kür von Coop Himmelb(l)au das Fundament des künftigen Stadions betoniert worden war.

Abgesehen vom Austragungsort für diese WM soll das für zumindest 20.000 Besucher ausgelegte Stadion in Zukunft auch als Heimstätte des Eishockeyklubs SKA Sankt Petersburg fungieren. Als Vereinspräsident fungiert der Gasoligarch und Vertraute von Präsident Wladimir Putin, Gennadi Timtschenko, dessen Baukonzern Stroytransgaz allgemein als zuständig für die Neuerrichtung des Stadions erachtet wird. Die formale Projektgesellschaft gehört zwar einer Aktiengesellschaft mit öffentlich nicht bekannten Aktionären, sie wird jedoch vom Stroytransgaz-Vizedirektor geleitet.

Offiziell verantwortlich ist Timtschenkos Stroytransgaz für vier Kulturgroßbauten, die in den nächsten Jahren im Auftrag eines staatsnahen russischen Fonds errichtet werden sollen. Coop Himmelb(l)au plant zwei dieser Projekte – einen Theater- und Museumskomplexes im sibirischen Kemerowo sowie ein Operngebäude in der ukrainischen Krim-Hafenstadt Sewastopol, deren 2014 erfolgte Annexion durch Russland von der westlichen Staatengemeinschaft nicht anerkannt wurde.

Prix’ Aktivitäten auf der Krim sorgten zuletzt nicht nur für heftige politische Kritik, sondern auch für zwei Prüfungen durch die Staatsanwaltschaft Wien und das Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT). Diese Behörden in Österreich kamen jedoch sowohl im Juli 2019 als auch im Jänner 2021 zur Erkenntnis, dass das Opernprojekt des Wiener Architekturbüros nicht gegen EU-Sanktionen verstoße. In Ermangelung eines Anfangsverdachts auf eine Straftat wurde jeweils auch entschieden, kein Ermittlungsverfahren einzuleiten.

Von: apa