Landeshauptmann verteidigt Alleingang bei Lockerung

Coronavirus – Kompatscher zuversichtlich zu Grenzöffnung

Freitag, 15. Mai 2020 | 08:20 Uhr

Bozen – Südtirols Landeshauptmann Arno Kompatscher zeigt sich in Sachen Grenzöffnung zu Österreich zuversichtlich. Er wisse, “dass die Verantwortlichen in Wien sehr wohl an Südtirol denken und bereits Gespräche zwischen dem österreichischen und dem italienischen Außenministerium laufen”, sagte Kompatscher in einem Interview mit der “Kleinen Zeitung” (Freitagsausgabe).

“Bis 15. Juni ist es noch ein Stück weit, ich bin zuversichtlich, dass wir für die Brennergrenze zu ähnlichen Lösungen kommen, wie sie für Deutschland und die Schweiz angekündigt wurden. Dies umso mehr, als wir vergleichsweise gute Coronazahlen in Südtirol haben”, so der Landeshauptmann.

“Wir haben seit mehreren Tagen keinen Todesfall mehr und im Wochenschnitt an die drei Neuinfektionen pro Tag”, betonte Kompatscher. Das Testniveau sei hoch. In Südtirol seien über 50.000 Tests durchgeführt worden. Das seien zehn Prozent der Bevölkerung, was im europäischen Vergleich ein “Spitzenrang” sei.

Er bleibe optimistisch, “dass auch diesmal nur die Zusammenarbeit der europäischen Staaten aus der Krise führt. Das war auch bei der Migration so”, meinte Kompatscher. Allerdings seien die Entscheidungsmechanismen in der EU nicht schlagkräftig genug, um eine Herausforderung für ganz Europa europäisch rasch zu lösen. Dafür bräuchte es ein Mehr an gegenseitigem Vertrauen und das Zugestehen von Entscheidungshoheit an die europäische Ebene, fügte er hinzu.

Bei der Ausbreitung des Virus in Europa gebe es bei den Zahlen inzwischen eine große Annäherung. Das mache Grenzkontrollen irgendwann tatsächlich sinnlos. “Wir sollten gemeinsame Sicherheitsstandards festlegen und uns auf der Basis gegenseitiger Informationspflicht auf Grenzwerte einigen, ab denen gegebenenfalls Reisefreiheiten wieder eingeschränkt werden”, unterstrich Kompatscher.

Dass Südtirol in Italien mit Lockerungen vorgeprescht sei, verteidigte der Landeshauptmann mit den Worten: “Wir sind von Anbeginn der Krise loyal den Weg mit Rom mitgegangen und haben alle Kompromisse mitgetragen, selbst dort, wo aufgrund staatlicher Notwendigkeiten Dinge beschlossen wurden, die wir in Südtirol leicht abgeändert umgesetzt hätten. Wir haben aber auch frühzeitig angemerkt, dass man irgendwann wieder in eine Phase der Regionalisierung gelangen müsse.”

Von: apa

Bezirk: Bozen