Kontakt mit deutschem Außenministerium

Kompatscher reagiert auf Reisewarnung für Südtirol – VIDEO

Freitag, 06. März 2020 | 16:05 Uhr
Update

Bozen – Das Auswärtige Amt der deutschen Bundesregierung empfiehlt den Bundesbürgern, wegen der Ausbreitung des neuen Coronavirus von nicht erforderlichen Reisen nach Südtirol abzusehen. Abgeraten wird ebenso von nicht nötigen Reisen in die Regionen Emilia-Romagna und Lombardei, sowie in die Stadt Vo‘ in der Provinz Padua. Zuvor hatte das Robert-Koch-Institut Südtirol als Risikogebiet eingestuft.

Arno Kompatscher, Landeshauptmann von Südtirol, erklärt, dass die Reisewarnung aus Deutschland Südtirol hart treffe. “In Südtirol wurden bisher zwei Personen positiv auf den Coronavirus getestet. Rund 200 Leute befinden sich in häuslicher Quarantäne”, erklärt Kompatscher. Es würden unter Berücksichtigung internationaler Standards laufend Tests durchgeführt. Südtirols Landeshauptmann setzte sich noch am Freitagvormittag  mit dem Deutschen Außenministerium in Verbindung und bot an, bei Bedarf sämtliche Daten und Fakten zur Verfügung zu stellen.

“Südtirol nimmt die Situation sehr ernst und arbeitet intensiv daran, das Infektionsrisiko weiterhin möglichst gering zu halten. Dabei stützen wir uns auf die Vorgaben des Staates und die Empfehlungen der Gesundheitsbehörden”, unterstreicht Kompatscher. “Ich kann versichern, dass wir mit der nötigen Ernsthaftigkeit und Professionalität vorgehen.” Südtirols Regierungschef will den wirtschaftlichen Schaden für sein Land möglichst geringhalten, betont aber, dass der Schutz der Gesundheit der Einheimischen und Urlaubsgäste in jedem Fall absoluten Vorrang hat.

Grenzen bleiben offen

Landeshauptmann Kompatscher dementiert zugleich Meldungen, wonach nun Grenzkontrollen vorgenommen und/oder die Grenzen zu den Nachbarstaaten geschlossen würden. “Ganz Europa ist im weiteren Sinne ein Risikogebiet”, so Kompatscher. “Und wir tun in Europa alle gut daran, die Menschen seriös zu informieren, Vorsichtsmaßnahmen anzumahnen und auf lokaler Ebene die Infektionsketten zu durchbrechen.”

BISHER: Südtirol erstaunt über Einstufung als Risikogebiet

Südtirol hat mit Unverständnis auf die Einstufung als Coronavirus-Risikogebiet durch Deutschland reagiert. Wie eine Sprecherin des Landeshauptmanns Arno Kompatscher in Bozen am Freitag sagte, halte die Provinz in Norditalien alle nationalen und internationalen Vorgaben für Tests auf den Erreger der neuen Lungenkrankheit ein. Südtirol selbst habe bisher nur zwei Infektionsfälle registriert.

RKI erklärt Südtirol zu Krisengebiet

Das sagte Elisabeth Augustin, Sprecherin des Landeshauptmanns. Einer davon sei noch nicht durch die zuständigen Stellen in Rom bestätigt. Der zweite Mensch sei bereits wieder auf dem Weg des Gesundwerdens. Südtirol ist ein beliebtes Reiseziel.

Wie die Sprecherin weiter betonte, werde Südtirol in Italien selbst nicht als eines der gefährlichen Gebiete eingestuft, im Gegenteil. Man sei mit der deutschen Seite im Kontakt, hieß es.

Italien insgesamt ist das Land in Europa, das am stärksten von der Infektionswelle durch den Erreger SARS-CoV-2 betroffen ist. Dort gab es schon mehr als 3.800 Infektionen.

Das Auswärtige Amt hatte zuvor seine Reisehinweise für Italien erweitert. Deutsche Bürger sollen nun auch von nicht erforderlichen Reisen nach Südtirol absehen. Bereits vorher wurde von nicht nötigen Reisen in die Regionen Emilia-Romagna und Lombardei sowie in die Stadt Vo in der Region Venetien abgeraten. Das Robert Koch-Institut in Berlin hatte Südtirol zuvor als Risikogebiet eingestuft.

Seitens Österreich besteht eine partielle Reisewarnung der Stufe 5 für die gesamte Lombardei und die Gemeinde Vo Euganeo in Venetien. In den Ortschaften Codogno, Castiglione d’Adda, Casalpusterlengo, Fombio, Maleo, Somaglia, Bertonico, Terranova dei Passerini, Castelgerundo und San Fiorano in der Lombardei sowie Vo Euganeo in Venetien wurden von den italienischen Behörden Ein- bzw. Ausreisesperren verhängt.

Herbert Dorfmann fordert koordiniertes Vorgehen auf EU- Ebene

Nachdem das deutsche Robert Koch Institut Südtirol als Risikogebiet eingestuft hat, hat der Südtiroler Europaparlamentarier Herbert Dorfmann (SVP) heute der für Gesundheit zuständigen EU- Kommissarin Stella Kyriakides und dem italienischen Kommissar Paolo Gentiloni einen Brief geschrieben.

Herbert Dorfmann ersucht darin die Gesundheitskommissarin um dringende Maßnahmen, damit die nationalen Entscheidungen zumindest auf EU- Ebene koordiniert und transparent begründet werden. So sei es, schreibt Herbert Dorfmann in seinem Brief, absolut nicht nachvollziehbar, auf Grund welcher Elemente das Robert Koch Institut zu seiner Einschätzung gekommen ist, nachdem in mehreren deutschen Bundesländern die nachgewiesene Infektionsrate derzeit deutlich höher ist als in Südtirol.

Das Europäische Parlament wird in der nächsten Woche eine Resolution zum Coronavirus beschließen. Ebenso steht nächste Woche ein Treffen zwischen Herbert Dorfmann und der EU- Kommissarin Kyriakides in Brüssel an. „Ich werde versuchen, diesen Aspekt auch in dieser Resolution und im Gespräch unterzubringen. Insgesamt zeigt das Ausbreiten des Coronavirus aber, wie wichtig ein gemeinsames Vorgehen in der EU auch im Gesundheitsbereich wäre. Wenn jeder Staat willkürlich Entscheidungen trifft, wird die schon schwierige Situation dramatisch verschärft“ sagt Herbert Dorfmann.

Von: dpa

Bezirk: Bozen

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