Kommen zu wenige, droht Verlängerung des Lockdowns

Coronavirus – Südtirol will Lockdown durch Schnelltests verkürzen

Freitag, 13. November 2020 | 10:52 Uhr
Update

Bozen – Um den ab Samstag geltenden Lockdown möglichst kurz zu halten, plant Südtirol einen Massentest. So soll die Anzahl der Infizierten ermittelt und “Superspreader” sowie asymptomatische Personen ausgemacht werden. 350.000 Bürger werden zum Test gebeten, berichtete der ORF Tirol am Freitag, das entspricht knapp 70 Prozent der Bevölkerung. Der Test erfolge freiwillig, sollte sich der Großteil dem Test jedoch verweigern, drohe eine Verlängerung des Lockdowns.

Positiv getestete Personen müssen in Quarantäne. Daher werde befürchtet, dass sich zu wenig Menschen freiwillig testen lassen. “Es handelt sich um keine Drohung. Aus Expertensicht ist es der einzige Weg aus der Krise. Wenn wir nicht testen und weiterhin sehr viele asymptomatische Personen herumlaufen, dann folgt nach dem Lockdown der nächste Lockdown. Dieses Ping-Pong-Spiel müssen wir unterbrechen, sonst kippt das Gesundheitssystem”, mahnte Südtirols Gesundheitslandesrat Thomas Widmann (SVP).

In Südtirol werden ab Samstag der Bildungsbereich und die Wirtschaft auf ein Minimum heruntergefahren. Bereits ab Ende nächster Woche soll der von Südtirols Landeshauptmann Arno Kompatscher (SVP) bezeichnete “Befreiungsschlag” gegen das Coronavirus umgesetzt werden. In den vergangenen 24 Stunden wurden in Südtirol 3.437 Abstriche untersucht. Dabei wurden 694 Neuinfektionen festgestellt.

ASGB: Endlich sofortige Krankschreibung nach positivem Antigentest

Mit Genugtuung nimmt Tony Tschenett, Vorsitzender des ASGB, die Nachricht zur Kenntnis, dass ein positiver Antigentest nun automatisch zu Quarantäne und Krankschreibung führt.

„Die Klärung dieses Punktes ist enorm wichtig. Es ist unverständlich, dass bis dato Personen, die mittels Antigentest positiv auf Covid-19 getestet wurden, bis zum Vorliegen des Ergebnisses des PCR-Tests weiterhin zirkulieren durften“, schreibt der ASGB-Chef in einer Stellungnahme.

Auch hinsichtlich des geplanten Massen-Antigentests sei die Klärung dieses Punktes fundamental: „Für das öffentliche Gesundheitswesen ist ein Stimmungsbild des Ist-Zustandes der Trägerquote von Covid-19 äußerst wichtig. Es gilt die Anzahl der asymptomatisch positiven Covid-19 Infizierten zu evaluieren, um die Weitergabe des Virus zu verhindern. Dafür ist natürlich eine automatische Krankschreibung und in Quarantänestellung der positiv getesteten Träger unabdingbar.“

Nun fordert Tschenett von der Landesregierung eine rasche Bekanntgabe des Prozedere für die Massentests. Man müsse die Bevölkerung über den organisatorischen Ablauf schnellstmöglich informieren, um sicherzustellen, dass die Personen flächendeckend an den Tests teilnehmen. Auch müsse sichergestellt werden, dass sich die Wartedauer für die Testpersonen im Rahmen hält, ansonsten sei die ganze Maßnahme zum Scheitern verurteilt. Der ASGB stehe voll hinter dem Massen-Antigentest und wird nach Bekanntgabe des Prozedere zu einer zahlreichen Teilnahme der Bevölkerung aufrufen.

„Unabhängig von den Testergebnissen müssen die Schulen, Kindergärten und Kitas ab 23. November wieder öffnen. Wir bekommen tagtäglich x Schreiben von verzweifelten Eltern, die die Betreuung der Kinder kaum gewährleisten können. Diese Forderung ist für uns nicht verhandelbar“, schließt Tschenett.

Test für Betriebe, notwendig, um weiterzuarbeiten

Landeshauptmann Arno Kompatscher hat im Landtag auch erklärt, dass die flächendeckenden Tests für Betriebe zur Fortsetzung ihrer Tätigkeit Pflicht seien. Die Sozialpartner hätten die vorgeschlagenen Maßnahmen unterstützt, der Austausch sei sehr positiv gewesen.

Arbeiten darf demnach nach nächster Woche nur mehr, wer sich am Massentest des Landes beteiligt hat. Aus der Verordnung geht allerdings nicht klar hervor, ob das auch für systemrelevante Berufe gilt, wer für die Kontrolle und gegebenenfalls für Strafen zuständig ist.

Unter Voraussetzung der Teilnahme an den Tests dürfen die meisten Industrie- und Handwerksbetriebe weiterarbeiten – allerdings mit verschärften Sicherheitsauflagen. So ist beispielsweise kein Kundenkontakt mehr erlaubt. Außerdem muss noch mehr geputzt und desinfiziert werden, während in Hallen und Werkstätten die Eins-z-zehn-Regel gilt: Das bedeutet, dass sich auf zehn Quadratmetern nur ein Arbeiter aufhalten darf.

Es gibt auch keinen Mensadienst mehr für Arbeiter. Offen bleiben Baustellen, die von strategischer Bedeutung sind oder die schon angefangen wurden.

Nicht arbeiten dürfen Schönheitspfleger und Friseure, diese Regelung hat auch bisher gegolten. Handwerkerverbände verlangen, dass zumindest Schönheitspfleger dringende Dienstleistungen im Bereich der Fußpflege durchführen dürfen.

Für eine Woche, bis 22. November, bleiben Betreuungsstrukturen, Kindergärten, Grundschulen geschlossen, außer für die Kinder von Eltern in Systemberufen. Wie die Massentests ablaufen, wird heute am Nachmittag bei einer Pressekonferenz erklärt.

Von: apa

Bezirk: Bozen