Cruz sorgte für Eklat auf dem Konvent der Republikaner

Cruz verweigert Trump die Unterstützung

Donnerstag, 21. Juli 2016 | 12:05 Uhr

Die US-Republikaner ziehen gespalten in den Kampf um das Weiße Haus. Der erzkonservative Senator Ted Cruz, Zweiter der Vorwahlen, verweigerte bei seiner Rede auf dem Parteitag in Cleveland dem frisch gekürten Präsidentschaftskandidaten Donald Trump die Unterstützung. In der Veranstaltungshalle kam es darauf zu tumultartigen Szenen, Cruz’ Ehefrau wurde zu ihrer Sicherheit aus dem Saal eskortiert.

Der Vorfall ist ein weiterer Rückschlag für die Versuche der Republikanischen Partei, nach den erbittert geführten Vorwahlen die Reihen zu schließen. Mit Spannung wurde auf die Nominierungsrede von Trump gewartet, die der Immobilienmagnat am Donnerstagabend (Ortszeit), dem letzten Tag des Parteitags, halten sollte.

Cruz begann seine Ansprache in der Quicken Loans Basketball-Arena damit, Trump zum Sieg zu gratulieren. Im Laufe der Rede rief er die Republikaner auf, am Wahltag ihrem Gewissen zu folgen. Dies wurde von vielen als Aufruf verstanden, nicht für den Milliardär zu stimmen. “‘Folge deinem Gewissen’ war der Schlachtruf der ‘Niemals-Trump’-Fraktion”, erklärte der unabhängige republikanische Stratege Eric Fehrnstrom später über Twitter. Dass Cruz diese Botschaft ausgerechnet auf dem Parteitag verbreitet habe, sei ein “kolossaler Fehler”.

Die unmittelbare Reaktion fiel heftig aus. Trump-Anhänger buhten Cruz aus und skandierten “Wir wollen Trump”. Ein Gegner des Kandidaten, Ken Cuccinelli, eskortierte Cruz’ Ehefrau Heidi aus dem Saal. Er habe Angst um ihre Sicherheit gehabt, sagte er der Nachrichtenagentur Reuters. Die Vorsitzende der Delegation des Staates Washington, Susan Hutchison, beschimpfte Cruz als “einen Parteiverräter”. Anhänger des Senators zeigten sich wiederum empört über das Verhalten ihrer Parteikollegen. “Das war beschämend”, sagte die Cruz-Anhängerin Manette Merrill, ebenfalls aus dem Staat Washington. “Das bringt uns nicht zusammen.”

Zum Ende von Cruz’ Rede betrat Milliardär Trump selbst den Saal und lenkte einen Teil der Aufmerksamkeit auf sich. Später warf er dem Texaner über Twitter vor, ein Versprechen gebrochen zu haben, dass sie sich beide während der Vorwahlen gegeben hätten: Den Sieger zu unterstützen. Die beiden Männer waren sich in den vergangenen 18 Monaten hart angegangen. Trump äußerte sich abfällig über Heidi Cruz’ Aussehen und brachte Cruz’ Vater in Verbindung mit dem Kennedy-Attentäter. Cruz bezeichnete seinen Konkurrenten als Narzissten und “Serien-Schürzenjäger”.

Aus dem Umfeld von Cruz verlautete, der Senator sei sich der Folgen seiner Rede bewusst gewesen. “Ihm war klar, dass die Leute nicht begeistert sein würden”, sagte ein Insider. Der 45-jährige Cruz ist ein Vertreter des erzkonservativen Flügels und gehört der Tea-Party-Bewegung an. Experten spekulieren, ob er wieder zur Präsidentschaftswahl 2020 antreten will.

Eigentlich wollten die Republikaner auf dem Parteitag den Streit der vergangenen Monate hinter sich lassen, um vor der Präsidentenwahl am 8. November geeint gegen die Demokratin Hillary Clinton anzutreten. Allerdings war es bereits zum Auftakt am Montag zum Eklat gekommen, als Trump-Gegner nach einem Streit über Abstimmungsmodalitäten unter Protest den Saal verließen. Am Dienstag wurde die Berichterstattung von der Frage beherrscht, ob Trumps Ehefrau Melania Teile ihrer Rede von der aktuellen First Lady Michelle Obama abgeschrieben hat.

Der prominente Republikaner Newt Gingrich, ehemaliger Präsident des Repräsentantenhauses, räumte am Mittwoch ein, die Partei sei nicht geeint. Er zeigte sich jedoch überzeugt, dass die Republikaner im Angesicht von Clinton die Reihen schließen würden. “Trump wird uns zu 90 Prozent vereinigen”, sagte Gingrich. “Sie wird den Rest erledigen.” Der jüngsten Reuters/Ipsos-Umfrage zufolge liegt Clinton derzeit sieben Prozentpunkte vor Trump.

Am Donnerstagabend sollte Trump seine eigene Rede halten. Delegierte erklärten, er könnte dabei noch viele Republikaner auf seine Seite ziehen. “Wenn er den Föderalismus und die Gewaltenteilung betont, gewinnt er viele Konservative für sich, die wie ich noch nicht überzeugt sind”, sagte Senator Mike Lee aus Utah. Der “New York Times” sagte Trump, er werde sein Motto “America First” betonen. Dies bedeute, dass “wir uns zuerst um dieses Land kümmern, bevor wir uns Sorgen um den Rest der Welt machen”.

Von: APA/dpa