Kreml-nahe Hacker nahmen das Europaparlament ins Visier

Cyberangriff auf EU-Parlament nach Votum gegen Russland

Donnerstag, 24. November 2022 | 05:57 Uhr

Nachdem das EU-Parlament Russland in einer Resolution als Unterstützer von Terrorismus bezeichnet hat, ist die Internetseite der Institution angegriffen worden. “Unsere IT-Experten setzen sich dagegen zur Wehr und schützen unsere Systeme”, schrieb die Präsidentin des Europaparlaments Roberta Metsola am Mittwoch auf Twitter. Eine kremlnahe Hackergruppe habe sich zu der Attacke bekannt.

Metsola wies darauf hin, dass das Parlament kurz vorher Russland als staatlichen Unterstützter von Terrorismus bezeichnet habe. Wegen zahlreicher Zugriffe war die Website des Parlaments am Mittwoch nur eingeschränkt nutzbar, wie der Presseverantwortliche Jaume Duch zuvor mitgeteilt hatte. Die Zugriffe stünden im Zusammenhang mit einem sogenannten DDos-Angriff. Bei DDos-Attacken überrollen Angreifer die Server ihrer Opfer mit einer Flut von Datenanfragen, um diese lahmzulegen.

Im Telegramkanal “We Are Killnet” (Wir sind Killnet) wurde am frühen Nachmittag ein Screenshot geteilt, das nahelegt, dass die Gruppe für die Attacke verantwortlich sein könnte. Unabhängig bestätigt wurde dies zunächst nicht. Die russische Hackergruppe “Killnet” ist schon öfter im Zusammenhang mit Angriffen auf westliche Behörden in Verbindung gebracht worden.

Mittwochmittag hatte das EU-Parlament die russlandkritische Resolution mit großer Mehrheit verabschiedet, in der auch gefordert wurde, die EU solle eine Terrorliste für Staaten wie Russland schaffen. Konkret heißt es, dass eine Listung eines Landes als ein “dem Terrorismus Vorschub leistender Staat” restriktive Maßnahmen auslösen und Auswirkungen auf die Beziehungen der EU zu Ländern auf dieser Liste haben könnte. Welche konkreten Auswirkungen eine entsprechende Listung für Russland hätte, ist unklar und müsste von den EU-Staaten entschieden werden.

Linke-Ko-Chef Martin Schirdewan sieht die Resolution kritisch, betonte aber: “Darauf offensichtlich mit einer groß angelegten, kriminellen Cyber-Attacke zu antworten, wirft ein klares Licht auf das Demokratieverständnis der Angreifenden”, so der Europaparlamentarier.

Der Grünen-Abgeordnete Rasmus Andresen bezeichnete die Attacke als Warnschuss. “Es ist ein Angriff auf das demokratische Herz Europas.” Es werde nicht das letzte Mal gewesen sein, dass man Opfer von solchen Angriffen werde. “Wir sind nicht ausreichend vorbereitet auf solche Attacken”, so der Europapolitiker. Die Fraktion der Liberalen schrieb auf Twitter, der Cyberangriff zeige Russlands Verachtung für die Demokratie. “Putins Hacker werden uns nicht zum Schweigen bringen oder unsere Arbeit behindern.”

Das Europaparlament hatte die Resolution mit dem Vorgehen der russischen Streitkräfte begründet, in ihrem Angriffskrieg gegen die Ukraine zunehmend zivile Ziele wie die Energie-Infrastruktur, Krankenhäuser und Schulen ins Visier zu nehmen. Dies sei ein Verstoß gegen internationales Recht.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj begrüßte die Entscheidung. “Russland muss auf allen Ebenen isoliert und verantwortlich gemacht werden, um die seit langem betriebene Politik des Terrorismus in der Ukraine und auf dem ganzen Globus zu beenden”, schrieb Selenskyj auf Twitter.

Bisher kennt das europäische Recht keine Kategorie oder Liste für Staaten, die Terrorismus unterstützen. Es gibt zwar eine EU-Terrorliste, auf die Gruppen, Einrichtungen und Einzelpersonen gesetzt werden können, Staaten aber nicht. Die USA hingegen haben eine solche Liste auch für Länder. Derzeit stehen Kuba, Iran, Syrien und Nordkorea darauf. Für Staaten, die auf dieser Liste stehen, bestehen etwa Verbote für Rüstungsgeschäfte und finanzielle Strafmaßnahmen.

Das Parlament forderte in seiner Resolution auch, die diplomatischen Beziehungen zu Russland weiter einzuschränken und die Kontakte zu offiziellen Vertretern Russlands auf allen Ebenen auf das absolute Minimum zu beschränken, was bereits weitgehend der Fall ist. Seit Beginn des Ukrainekriegs haben die EU-Staaten wie auch Russland zahlreiche Diplomaten der jeweils anderen Seite ausgewiesen.

Zudem werden in der Resolution weitere Strafmaßnahmen wie ein Embargo gegen russische Diamanten gefordert. Gedrängt wird auch darauf, staatsnahe russische Einrichtungen sowie Organisationen und Verbände unter dem Schutz russischer diplomatischer Vertretungen zu schließen und zu verbieten. Rechtlich bindend ist die Resolution des Europaparlaments nicht. Über Sanktionen müssen EU-Staaten einstimmig entscheiden.

Von: APA/dpa/Reuters

Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

11 Kommentare auf "Cyberangriff auf EU-Parlament nach Votum gegen Russland"


Sortiert nach:   neuste | älteste | Relevanz
klablueter
klablueter
Grünschnabel
15 Tage 17 h

Nur DDoS? Wie langweilig. Vom russischen Staat sollte man mehr erwarten können.

primetime
primetime
Kinig
15 Tage 17 h

Allerdings

N. G.
N. G.
Kinig
15 Tage 4 h

Tja, russische Hacker gehöhren mit zu den Besten ihrer….
Klein reden brungt gat nichts ausser gewähnte Sicherheit.

https://www.it-markt.ch/cybersecurity/2022-03-29/usa-veroeffentlichen-namen-und-fotos-russischer-elite-hacker

klablueter
klablueter
Grünschnabel
15 Tage 3 h

@N. G. Israel kriegt Clickless-Zero-Day Exploits hin und Russlands grössten Erfolge basieren auf Phishing.

N. G.
N. G.
Kinig
15 Tage 2 h

@klablueter Ach, was soll ich mich mit dir deshalb rum streiten. Google einfach und gut is!

N. G.
N. G.
Kinig
15 Tage 2 h

@klablueter Die meisten Angriffe auf Wirtschaft und ganze Infrastrukturen im Westen gehen auf russische Hacker Gruppen zurück. Der Rest ist Nordkorea!
Keine Ahnung woher du deine Infos hast???

Neumi
Neumi
Kinig
15 Tage 1 h

Naja, das war eine private Gruppe. Westliche Gruppen wie Anonymous machen ja so was auch immer wieder, auch die sind nicht von Regierungen dazu beauftragt.

Außerdem steht da “stehen im Zusammenhang mit …”. Ob’s noch mehr gab, steht da nicht.

klablueter
klablueter
Grünschnabel
15 Tage 36 Min

@N. G.
Auch im zweiten Link wird von Phishing gesprochen.

primetime
primetime
Kinig
15 Tage 17 h

Wie niedlich, DDoS

doco
doco
Tratscher
15 Tage 39 Min

will heißen das unsere Hacker nicht in der Lage sind russische Einrichtungen zu hacken somit haben unsere noch nachhol Bedarf schade aber so schauts aus.

wpDiscuz