Micah Johnson dürfte ein Einzeltäter sein

Dallas-Schütze war Einzeltäter

Samstag, 09. Juli 2016 | 18:50 Uhr

Nach den tödlichen Schüssen auf fünf Polizisten in Dallas gehen die US-Behörden von einem Einzeltäter aus. Der 25-jährige Afroamerikaner und Afghanistan-Veteran Micah Johnson habe wohl allein gehandelt, erklärte der Bürgermeister der Metropole im US-Staat Texas, Mike Rawlings.

Die Polizei teilte mit, Johnson habe mit einer radikalen Schwarzen-Bewegung sympathisiert und erklärt, aus Wut weiße Polizisten töten zu wollen. Auch nach Johnsons Attacke am Ende einer Demo gegen Rassismus und Polizeigewalt gingen die Massenproteste in mehreren US-Städten weiter. Auslöser ist die Tötung von zwei Schwarzen bei Polizeieinsätzen. Präsident Barack Obama verkürzt seinen Europa-Aufenthalt, um nach Dallas zu reisen.

“Wir gehen nun davon aus, dass die Stadt sicher ist, der Verdächtige ist tot und wir können uns daran machen, die Wunden zu heilen”, sagte Bürgermeister Rawlings am Freitagabend. Der Attentäter hatte sich stundenlang in einem Parkhaus verschanzt und war nach erfolglosen Verhandlungen mit der Polizei schließlich durch einen mit einem Roboter in Stellung gebrachten Sprengsatz getötet worden. Zunächst war nicht klar gewesen, ob der Schütze Mittäter hatte.

Das Ministerium für Heimatschutz ging davon aus, dass es keine Verbindungen zu internationalen Terrorgruppen gab. Die Behörden erklärten aber, die Suche nach möglichen Mitwissern gehe weiter. Laut Polizei wurden in der Wohnung des Schützen Gewehre, Munition, schusssichere Westen sowie Material zum Bombenbau festgestellt. Spuren, die Johnson auf sozialen Medien hinterließ, deuteten auf eine radikale Gesinnung und Weißen-Hass hin. So habe er mit der “Black Panther Party Mississippi” sympathisiert und eine Hetzrede gegen Weiße gutgeheißen.

Johnson hatte in der Nacht auf Freitag das Feuer eröffnet, nachdem Demonstranten friedlich gegen Rassismus und Polizeigewalt protestiert hatten. Der vorangegangene Tod der beiden Afroamerikaner in Minnesota und Louisiana verschärfte die bereits seit 2014 besonders angespannte Lage. Damals kam es zu gewaltsamen Protesten nach tödlichen Schüssen auf einen afroamerikanischen Teenager in Ferguson/Missouri.

Die jüngsten Großkundgebungen in New York, Atlanta, San Francisco und Philadelphia verliefen überwiegend friedlich. In Phoenix setzte die Polizei nach eigenen Angaben aber Pfefferspray gegen Demonstranten ein, die Beamte mit Steinen bewarfen.

US-Präsident Barack Obama, der sich für den NATO-Gipfel in Polen aufhält, kehrt dem Präsidialamt zufolge am Sonntag nach Washington zurück. Er verkürze seinen Europa-Aufenthalt damit um einen Tag, um nach Dallas zu reisen.

Obama nannte den Angriff abscheulich und rief die amerikanische Bevölkerung zum Zusammenhalt auf. “Die Taten von Einzelnen dürfen nicht für uns alle stehen”, sagte er noch in Warschau. Amerika sei nicht so geteilt, wie manche behaupteten, erklärte er.

Aus mehreren US-Städten werden unterdessen verstärkte Sicherheitsmaßnahmen berichtet, so zum Beispiel aus New York. Landesweit wächst die Sorge, dass die Gewalt eskalieren könne. Es gab von vielen Seiten Aufrufe zur Mäßigung und zum Zusammenrücken, sehr vernehmlich auch vonseiten schwarzer Bürgerrechtler. Ihr Tenor: Die Gewalt gegen Schwarze müsse beendet werden, aber die Lösung könne keinesfalls schwarze Gewalt gegen Polizisten sein.

Der Politikwissenschaftler Martin Thunert vom Heidelberg Center for American Studies sagte im Deutschlandradio Kultur, dass die Anzahl von Übergriffen weißer Polizisten auf schwarze Bürger – insgesamt gesehen – eigentlich rückläufig sei. Im Gegensatz zu den 1990er-Jahren seien aber heute immer mehr Bilder solcher Ereignisse im Umlauf: “Und diese Bilder (…) gießen natürlich auch Öl ins Feuer und motivieren eben Leute wie den Täter von gestern Nacht, der dann durch solche Bilder in seinem Hass auf weiße Polizisten oder auf Polizisten insgesamt bestätigt wurde.”

Von: apa