Die Daten wurden auf Twitter veröffentlicht

Daten Hunderter deutscher Politiker im Netz veröffentlicht

Freitag, 04. Januar 2019 | 19:41 Uhr

Ein großangelegter Datenklau hat Politiker in ganz Deutschland aufgeschreckt. Über ein Twitter-Konto veröffentlichte ein bisher Unbekannter persönliche Daten von Hunderten Personen des öffentlichen Lebens im Internet, darunter von Künstlern und Moderatoren. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ist betroffen.

Manche Informationen wurden wohl schon 2017 ins Netz gestellt, die meisten dann im Dezember 2018. Doch erst Donnerstagabend wurde ein größerer Kreis darauf aufmerksam: Das deutsche Kanzleramt erfuhr – wie auch die Bundestagsverwaltung – erst in der Nacht auf Freitag davon. Aus dem Kanzleramt selbst seien keine sensiblen Daten abgeflossen, sagte die stellvertretende Regierungssprecherin Martina Fietz am Freitag.

Wer für den Angriff verantwortlich ist, war völlig unklar. Die deutsche Bundesregierung wusste nicht, ob die Daten durch einen Hackerangriff abgefischt wurden. Auf welche Weise die Daten abgeflossen seien, “lässt sich noch nicht mit Sicherheit feststellen”, sagte ein Sprecher des Innenministeriums. Die Sicherheitsbehörden hätten festgestellt, dass es sowohl “relativ aktuelle als auch um ältere Datenpakete” seien. Innenminister Horst Seehofer (CSU) erklärte, es werde “mit Hochdruck” daran gearbeitet, den Urheber des Datendiebstahls ausfindig zu machen. “Nach einer ersten Analyse deutet vieles darauf hin, dass Daten durch die missbräuchliche Nutzung von Zugangsdaten zu Clouddiensten, zu E-Mail-Accounts oder zu sozialen Netzwerken erlangt wurden.”

Die Attacke wurde durch Anrufe von Unbekannten beim SPD-Politiker Martin Schulz bekannt, wie die Deutsche Presse-Agentur aus Sicherheitskreisen erfuhr. Den Angaben zufolge hatte ein Mitarbeiter des ehemaligen SPD-Spitzenkandidaten am Donnerstag der Polizei in Aachen mitgeteilt, Schulz sei von Fremden auf einer nicht öffentlich zugänglichen Nummer angerufen worden. Daraufhin sei das Landeskriminalamt von Nordrhein-Westfalen aktiv geworden.

“Die Bundesregierung nimmt diesen Vorfall sehr ernst. Das Cyber-Abwehrzentrum hat sich heute bereits mit dem Vorgang befasst”, sagte Regierungssprecherin Fietz. Bei den Politikern seien “alle Ebenen” betroffen: Abgeordnete aus dem Bundestag, dem Europaparlament und den Landtagen bis hin zu Kommunalpolitikern. Sie warnte, es könnten gefälschte Daten in das Material eingeschleust worden sein.

Zu den Opfern des Datenklaus gehören neben Politikern unter anderem der Schauspieler und Regisseur Til Schweiger sowie der Fernsehmoderator Jan Böhmermann. Der Manager von Böhmermann erklärte, man habe die Veröffentlichungen am Donnerstagabend durchgesehen. Nach einer ersten Einschätzung des Managements handelt es sich um Daten, die nicht aktuell sind – manche sogar sehr alt. Böhmermanns derzeitige Adresse etwa finde sich nicht darunter.

Unter den via Twitter veröffentlichten Daten finden sich in den meisten Fällen Telefonnummern, von denen manche jedoch öffentlich zugänglich oder veraltet sind. Häufig wurden Kopien von Personalausweisen und Mietverträgen veröffentlicht. In etwa einer Handvoll Fälle wurden private Chats und Sprachnachrichten von Ehepartnern und Kindern sowie Skype-Namen von Kindern der Betroffenen veröffentlicht, etwa genauso oft Kontodaten.

Die deutsche Justizministerin Katarina Barley (SPD) wertete die Attacke als “schwerwiegenden Angriff” auf die Demokratie. Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) warnte im Interview mit dem Saarländischen Rundfunk davor, den Angriff zu unterschätzen: “Es geht nicht nur um die betroffenen Kolleginnen und Kollegen, sondern es geht um die Funktionsfähigkeit von Politik und die Vertraulichkeit politischer Vereinbarungen.”

Das deutsche Bundeskriminalamt, der Verfassungsschutz und zahlreiche andere Behörden sind mit dem Fall beschäftigt, darunter auch Landesbehörden. Die Koordinierung liegt beim Nationalen Cyber-Abwehrzentrum. Auch der Generalbundesanwalt schaltete sich in die Prüfung ein.

Auffällig ist, wie der Datendieb seine Opfer aussuchte. Auf dem Twitter-Account G0d hatte er Listen von Betroffenen veröffentlicht, die nach Parteimitgliedschaft geordnet waren. Mit Abstand die meisten Einträge gab es auf der CDU/CSU-Liste, auf der 410 Namen genannt wurden. Auf der SPD-Liste stehen 230 Politiker, bei den Grünen, den Linken und der FDP je einige Dutzend.

Die AfD-Fraktion ist die einzige im Bundestag, zu der keine eigene Liste veröffentlicht wurde. “Nach dem derzeitigen Stand liegen den ermittelnden Behörden keine Erkenntnisse dazu vor, dass Politikerinnen oder Politiker der AfD von der Veröffentlichung betroffen sind”, teilte das Innenministerium mit.

Am Freitag wurde der Twitter-Account gesperrt. Twitter verwies darauf, dass die unerlaubte Veröffentlichung privater Informationen gegen die Regeln des Dienstes verstößt.

Grünen-Chef Robert Habeck erstattete wegen der Veröffentlichung von Daten im Internet Strafanzeige. Das sagte ein Parteisprecher am Freitag dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Habeck gilt neben Böhmermann und seinem Grünen-Parteikollegen Konstantin von Notz als ein Hauptbetroffener des Angriffs.

Der Fraktionschef der Linken im Bundestag, Dietmar Bartsch, nannte die Veröffentlichung der Daten einen “Anschlag auf die Demokratie”. Die FDP im Bundestag leitete juristische Schritte ein. Zentrale Systeme seien nach derzeitigem Stand nicht betroffen, sagte ein Sprecher der Fraktion. Aus den Ländern melden mehrere Parteien, Opfer des Datendiebstahls geworden zu sein. In Niedersachsen traf es beispielsweise Ministerpräsident Stephan Weil (SPD).

Nach Ansicht des Karlsruher IT-Sicherheitsexperten Christoph Fischer stammen die Daten nicht aus einer einzigen Quelle. “Da hat jemand offenbar mit viel Fleißarbeit versucht, Mail-Accounts zu öffnen”, sagte Fischer der dpa. Fischer geht davon aus, dass die Betroffenen schlechte Passwörter sowie Webmail-Accounts statt der offiziellen Mailadresse für die Kommunikation genutzt haben.

Der Angriff ist aus Sicht des Chaos Computer Clubs für jeden Computernutzer ein Weckruf. “Die Attacke zeigt, was passiert, wenn sich jemand wirklich dahinterklemmt und versucht, systematisch Unsicherheiten und Schlampigkeit auszunutzen, die wir alle im Alltag mit unseren Geräten und Informationen betreiben”, sagte CCC-Sprecher Frank Rieger der dpa.

Von: APA/Ag.

Kommentare

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18 Kommentare auf "Daten Hunderter deutscher Politiker im Netz veröffentlicht"


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Tabernakel
14 Tage 23 h

Nur die der AFD nicht? Alles klar.

Waltraud
Waltraud
Universalgelehrter
14 Tage 21 h

Tabernakel
Da gab es doch eine Explosion vor dem AfD Büro!? Auch alles klar?

typisch
typisch
Universalgelehrter
14 Tage 20 h

Das können doch nur salvini und trump gewesen sein, dank russischer hacker, das fbi ermittelt😂👍

tresel
tresel
Universalgelehrter
14 Tage 20 h

man kann von AFD halten was man will aber sich so auszuliefern, sollte auch dir als nonsens erscheinen.

m69
m69
Kinig
14 Tage 20 h

Tabernakel @

Noch nie was von fals flag Operation gehört, nein? Na dann ist alles Glasklar! 😂😂😂😂

Staenkerer
14 Tage 19 h

@Waltraud interesanter weiße heart man von sem nit viel … de knollaktion irgendwo onderst ubd es geplärr war riesig!
es gib holt decht verschiedne messlottn!

tschonwehn
tschonwehn
Grünschnabel
14 Tage 16 h

@Waltraud mit Explosionen löst man keine Probleme.

sepp2
sepp2
Superredner
14 Tage 21 h

jetzt werden einige Politiker nervös werden wenn die Wahrheit ans Licht kommt

typisch
typisch
Universalgelehrter
14 Tage 20 h

Dazu wirt schon vorgesorgt und aufgestockt an personal um schneller dinge aus dem netz zu nehmen

Rechner
Rechner
Superredner
14 Tage 20 h

Ja in Italien zum Beispiel die Lega

berthu
berthu
Superredner
14 Tage 22 h

…wäre ja noch schöner, wenn die Lobby’s die Debatten nicht mehr voll bestimmen können…

m69
m69
Kinig
14 Tage 20 h

Alles öffentlich machen, dann brauchen diese Hacker erst garnit zu Häcken! 😁

longwolf
longwolf
Tratscher
14 Tage 20 h

was haben die etwa zu verstecken? Ich wette da kam viel Schmutzwäsche zum vorschein.

nok
nok
Tratscher
14 Tage 20 h

wer hat etwas gegen die Wahrheit…

zombie1969
zombie1969
Universalgelehrter
14 Tage 18 h

Es zeigt sich immer deutlicher, ob in Europa, in Israel oder in den USA, über das Internet wird versucht politischen Einfluss zu nehmen, in dem man Daten klaut und dann, wenn es günstig erscheint, veröffentlicht. Demokratische freiheitliche Staaten sollen damit getroffen werden. Da dazu ein enormer technischer Aufwand betrieben werden muss, um Daten in diesem Umfang abzufangen, ist es klar wo die Täter zu verorten sind. Es sind in der Regel die Geheimdienste von undemokratischen Ländern, die ein Interesse an einer Destabilisierung Europas, Israels oder den USA haben.

m69
m69
Kinig
14 Tage 11 h

Wenn dieser Datenklau wirklich schon schlimm gewesen wäre, hätte es erst in 2 Jahren ein Statement von seiten offizieller Behörden gegeben.

nok
nok
Tratscher
14 Tage 20 h

wer haat s rheietwsas gegen die

Gredner
Gredner
Superredner
13 Tage 23 h

“Cloud” ist ein Synonym für “Internet”.

Wenn die Leute “alles” in die Cloud stellen, dürfen sie sich nicht wundern, dass früher oder später alle darauf zugreifen können.

Was mich schon lange wundert, ist, dass auch unsere öffentlichen Ämter glauben Cloud-Dienste nutzen zu müssen, und dafür auch noch saftig bezahlen.

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