Wesentlich weniger Teilnehmer als erwartet

“Demokratischer Tsunami” in Katalonien blieb aus

Mittwoch, 11. September 2019 | 20:09 Uhr

Es sollte ein “Demokratischer Tsunami” werden. Die Veranstalter der Unabhängigkeitsdemo am Mittwoch erwarteten auf der zentralen Placa d’Espanya in Barcelona über eine Million Teilnehmer. Doch aus dem Tsunami wurde eher eine größere Welle. Nach Angaben der katalanischen Lokalpolizei nahmen am Mittwoch nur 600.000 Personen an dem Straßenprotest teil.

In den vergangenen Jahren waren es regelmäßig bis zu eine Million Unabhängigkeitsbefürworter, die sich am katalanischen Nationalfeiertag, der Diada, an den Protestumzügen beteiligten. 2014 waren es sogar 1,8 Millionen. Wie es scheint, verliert die Separatistenbewegung zwei Jahre nach dem gescheiterten Unabhängigkeitsreferendum eindeutig an Unterstützung.

Dabei erwarteten die Veranstalter, die separatistischen Bürgerbewegungen ANC und Omnium Cultural, gerade im Vorfeld der Urteilsverkündung im Prozess gegen ehemalige Separatistenführer eine massive Beteiligung. Spätestens Mitte Oktober soll mehreren Bürgeraktivisten und Mitgliedern der ehemaligen Regionalregierung von Carles Puigdemont wegen der Durchführung eines illegalen Unabhängigkeitsreferendums am 1. Oktober 2017 der Prozess gemacht werden. Ihnen drohen wegen Rebellion, Veruntreuung öffentlicher Gelder und zivilem Ungehorsam Haftstrafen von bis zu 25 Jahren.

So standen vor allem die “politischen Gefangenen” im Mittelpunkt der Unabhängigkeitsdemo am Mittwoch. Doch der Rückhalt für die Abspaltung der wirtschaftsstarken Region von Spanien scheint zurückzugehen. Das bestätigen auch jüngste Umfragen. Laut dem katalanischen Meinungsforschungsinstituts CEO fordern derzeit nur noch 44 Prozent der Katalanen die Loslösung ihrer Region von Spanien, 48 Prozent wollen hingegen Spanier bleiben. Im Frühjahr waren beiden Lager noch fast gleichstark.

Von: apa

Kommentare

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8 Kommentare auf "“Demokratischer Tsunami” in Katalonien blieb aus"


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kaiser
kaiser
Tratscher
10 Tage 4 h

Fast jeder Mensch in Europa unterstützt die Abspaltung der Ukraine von
Russland und auch fast jeder Mensch in Europa unterstützt die Abspaltung
des Kosovos von Serbien. Aber die Katalanen die sich von Spanien
abspalten wollen, will keiner Unterstützen. Man muss sich also vom
Durchschnittseuropäer diktieren wer unabhängig sein darf und wer nicht.
Meines Erachtens nach hat Katalonien deutlich mehr Voraussetzungen
erfüllt unabhängig zu werden als der Kosovo oder die Ukraine!

geh mir net
geh mir net
Grünschnabel
10 Tage 2 h

Man wird den Drang nach Eigenständigkeit nicht ewig unterdrücken können.

Sag mal
Sag mal
Kinig
9 Tage 12 h

@geh mir net bei Uns schon 100 Jahre.🙄

Tanne
Tanne
Tratscher
10 Tage 4 h

Freiheit gewinnt, und das ist gut so.

geh mir net
geh mir net
Grünschnabel
10 Tage 1 h

Die Regierung in Madrid wird sich auf Dauer diesem Bestreben nicht verschliessen können. Genauso wenig wie die EU.

Mistermah
Mistermah
Kinig
10 Tage 3 Min

Die katalanen haben eines gelernt. Ihre Freiheitsbewegung wird von der Eu missbilligt, von spanien mit Gewalt niedergeknüppelt und gerichtlich verfolgt. Warum also noch auf die Straße und friedlich protestieren?? Es bringt nichts… also werden sie nach Alternativen suchen…

Neumi
Neumi
Kinig
9 Tage 21 h

Ich für meinen Teil missbillige nicht die Freiheitsbewegung, sondern die Methoden, mit denen sie agier(t)en. Es gab einen rechtlich korrekten Weg und es gab den “Ich will!” Weg, mit dem Kopf durch die Wand. Leider haben sie sich für letzteren entschlossen. So was würde ich auch in Südtirol missbilligen, letztendlich machen solche Aktionen die Lage im Normalfall noch schlimmer. An so einer Art Vorgehen kann und will ich mich niemals beteiligen.

Tanne
Tanne
Tratscher
9 Tage 13 h

Demonstranten wurden Brutal niedergeknüppelt und eingesperrt.
Kein Wunder wenn es jetzt weniger sind die auf die Straße gehen.
Aber in einer Wahlkabine wo keine Polizisten mit dem Knüppel stehen, könnt es wieder ganz anders aussehen.

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