Die Proteste gegen China und die Regierung von Hongkong gehen weiter

Demonstranten legen Hongkong lahm

Mittwoch, 13. November 2019 | 14:38 Uhr

In Hongkong haben Demonstranten am Mittwoch den dritten Tag in Folge Teile der Finanzmetropole zum Erliegen gebracht. Der Betrieb an zahlreichen U-Bahn-Stationen musste eingestellt werden, weil Demonstranten im Berufsverkehr die Züge an der Weiterfahrt hinderten. Zahlreiche Studenten flüchteten aus der Stadt.

Radikale Demonstranten warfen Brandsätze und verwüsteten Straßen, wie die Hongkonger Zeitung “South China Morning Post” berichtete. Protestierende blockierten auch Straßenkreuzungen. Die Behinderungen sorgten dafür, dass viele Menschen zu spät zur Arbeit kamen. Mehrere Universitäten und Schulen sagten den Unterricht am Mittwoch ab.

Hongkong hatte zu Beginn der Woche zwei der gewaltsamsten Tage seit Ausbruch der regierungskritischen Proteste vor mehr als fünf Monaten erlebt. Insbesondere der Campus der China University Hongkong wurde am Dienstag zur Kampfzone. Wie die Polizei mitteilte, nahm sie 142 Demonstranten fest. Zehn Menschen wurden mit Verletzungen ins Krankenhaus gebracht. Auch am Mittwoch bereiteten sich radikale Demonstranten mit Brandsätzen und Pflastersteine auf neue Zusammenstöße auf dem Gelände der Universität vor.

Mindestens 80 Studenten vom chinesischen Festland verließen am Mittwoch die Stadt, weil sie fürchteten, ins Visier der Demonstranten zu geraten, berichtete die “South China Morning Post”. In Hongkongs chinesischer Nachbarstadt Shenzhen standen demnach kostenlose Unterkünfte bereit. Auch Studenten aus Taiwan traten demnach die Heimreise an.

Eine dänische Universität legte am Mittwoch ihren in Hongkong lebenden Studenten die Rückreise nach Dänemark nahe. Die Hochschule habe sich zu dem Aufruf entschlossen, nachdem sie Berichte gesehen habe, wonach Studierende ihre Wohnheime verlassen mussten, weil diese in Brand gesetzt worden seien, sagte der Rektor der Technischen Universität Dänemarks (DTU) am Mittwoch in einer Morgensendung des dänischen Rundfunks. Der Aufruf sei eine Empfehlung für die 36 DTU-Studenten in Hongkong, keine Zwangsmaßnahme.

Im Internet kursierten Aufrufe, mit anhaltenden Blockaden an Arbeitstagen die Stadt zum Erliegen zu bringen und so den Druck auf die Regierung weiter zu erhöhen. Zuvor hatten sich die Proteste vor allem auf die Wochenenden konzentriert.

Die Proteste in der chinesischen Sonderverwaltungsregion richten sich gegen die Regierung: Die Hongkonger kritisieren unter anderem den wachsenden Einfluss Chinas auf die ehemalige Kronkolonie. Seit der Rückgabe an China 1997 wird Hongkong nach dem dem Grundsatz “ein Land, zwei Systeme” autonom regiert.

Die Demonstranten fordern freie Wahlen, eine unabhängige Untersuchung von Polizeibrutalität sowie Straffreiheit für die bereits weit mehr als 4000 Festgenommenen. Auch der Rücktritt von Regierungschefin Carrie Lam gehört zu ihren Forderungen.

Peking forderte die Hongkonger Regierung dazu auf, härter durchzugreifen und die Proteste zu beenden. Die Stadt sei dabei, “in den Abgrund des Terrorismus zu rutschen”, hieß es in einer Mitteilung des Verbindungsbüros der chinesischen Regierung in Hongkong.

Von: APA/dpa

Kommentare

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3 Kommentare auf "Demonstranten legen Hongkong lahm"


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sepp2
sepp2
Superredner
24 Tage 18 h

ich bin überrascht wie ruhig sich China verhält.

tschonwehn
tschonwehn
Tratscher
24 Tage 16 h

So wie ich die einschätze, nicht mehr lange. Dann geht’s Hongkong wie Tibet.

ma che
ma che
Tratscher
24 Tage 16 h

Wieso, die haben ja nichts zu verlieren.
Einfach abwarten und Tee trinken und zusehn wie sich die ganze Sache zum Bürgerkrieg hochschaukelt.

Wirtschaftlich gesehn gehts mit HK ja eh schon steil bergab. Shenzen übernimmt nach und nach die wichtigen Aufträge. Es liegt ja eh nur ums Eck und dort fahren mittlerweile mehr Containerschiffe ein und aus als in HK.

Und wenn alle Stricke reißen sollten geht der Countdown der 50 Jahre ja trotzdem immer weiter. Bleiben ja nicht mal mehr 30 übrig und dann gehörts sowieso China.

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