Trump bricht mit der üblichen Praxis von US-Präsidenten

Demonstranten wollen Trumps Steuererklärung sehen

Montag, 17. April 2017 | 11:43 Uhr

Tausende Menschen haben am Osterwochenende in mehreren US-Städten gegen die Weigerung von Präsident Donald Trump protestiert, seine Steuererklärungen zu veröffentlichen. Im kalifornischen Berkeley gab es Zusammenstöße und Festnahmen. Trump hält die gegen ihn gerichteten Proteste für inszeniert.

“Jemand sollte untersuchen, wer für diese kleinen organisierten Kundgebungen gestern gezahlt hat”, schrieb Trump am Sonntag im Kurzbotschaftendienst Twitter. Der Wahlkampf sei längst vorbei, und er habe gewonnen. “Nun werden die Steuererklärungen wieder zum Thema gemacht?”

Entgegen der üblichen Praxis hatte sich Trump als Präsidentschaftskandidat geweigert, seine Steuererklärungen zu veröffentlichen. Er argumentierte, dass er sie wegen einer seit Jahren laufenden Steuerprüfung nicht veröffentlichen könne. Seine Kritiker werten dies als Ausrede und mutmaßen, der Immobilienmilliardär habe etwas zu verheimlichen.

Auch nach seinem Wahlsieg am 8. November ist Trump nicht von seiner Haltung abgerückt, die den Gepflogenheiten in den USA widerspricht. Dort veröffentlichte jeder aussichtsreiche Präsidentschaftskandidat seit Richard Nixon schon vor der Wahl seine Steuererklärungen.

Am Samstag protestierten tausende Menschen in mehreren US-Städten gegen Trumps Weigerung, seine Steuererklärungen zu veröffentlichen. In Washington etwa versammelten sich mehrere tausend Menschen vor dem Kapitol und zogen in einem langen Demonstrationszug über die Pennsylvania Avenue.

Als die Demonstranten in Washington das Trump-Hotel passierten, skandierten sie “Schande”. “Was versteckst Du?” stand auf mitgeführten Schildern. Andere Plakate deuteten Interessenskonflikte mit Russland an. In Berkeley wurden nach Zusammenstößen zwischen Trump-Anhängern und -Gegnern 21 Menschen festgenommen.

Proteste gab es zudem in New York, Philadelphia, Boston, Seattle, San Francisco, Los Angeles und anderen Städten. Selbst vor Trumps Privatclub Mar-a-Lago in Florida, wo Trump mit seiner Familie die Ostertage verbrachte, demonstrierten mehrere Menschen. Anlass der Proteste war die Frist zur Abgabe der Steuererklärungen für das Vorjahr, die bis Mitte April fällig werden.

Trump warf Demonstranten bisher mindestens zwei Mal vor, sich für Proteste gegen ihn bezahlen zu lassen. Am späten Sonntagabend reiste der Präsident nach seinem Aufenthalt in Florida zurück nach Washington.

Von: APA/ag.