Wurde 1946 von den Außenministern Gruber und De Gasperi unterzeichnet

Der “Pariser Vertrag” im Wortlaut

Freitag, 03. September 2021 | 05:05 Uhr

Der “Pariser Vertrag” bzw. das “Gruber/De Gasperi-Abkommen” wurde am 5. September 1946 von den damaligen Außenministern Österreichs und Italiens, Karl Gruber und Alcide De Gasperi, auf Drängen der Westmächte unterzeichnet. Es jährt sich am Sonntag zum 75. Mal. Der Wortlaut des Abkommens:

“1. Die deutschsprachigen Bewohner der Provinz Bozen und der benachbarten zweisprachigen Gemeinden der Provinz Trient genießen die volle Gleichberechtigung mit den italienischsprachigen Einwohnern im Rahmen besonderer Maßnahmen zum Schutze der völkischen Eigenart und der kulturellen und wirtschaftlichen Entwicklung der deutschen Sprachgruppe. In Übereinstimmung mit den bereits erlassenen oder zu erlassenden gesetzlichen Maßnahmen wird den Staatsbürgern deutscher Zunge im besonderen gewährt:

a) Volks- und Mittelschulunterricht in ihrer Muttersprache;

b) Gleichberechtigung der deutschen und italienischen Sprache in öffentlichen Ämtern und amtlichen Urkunden wie auch in der zweisprachigen Ortsnamengebung;

c) das Recht, die deutschen Familiennamen wiederzuerwerben, die im Laufe der vergangenen Jahre italienisiert wurden;

d) Gleichberechtigung bei Zulassung zu öffentlichen Ämtern, zum Zwecke, eine angemessenere Verteilung der Beamtenstellen zwischen den beiden Volksgruppen zu verwirklichen.

2. Der Bevölkerung obengenannter Gebiete wird die Ausübung einer autonomen Gesetzgebungs- und Vollzugsgewalt für den Bereich ihrer Gebiete zuerkannt. Der Rahmen, in welchem die besagte Autonomie Anwendung findet, wird noch bestimmt, wobei auch örtliche Vertreter der deutschsprachigen Bevölkerung zu Rate gezogen werden.

3. Die italienische Regierung verpflichtet sich, zum Zwecke der Herstellung gutnachbarlicher Beziehungen zwischen Österreich und Italien, nach Beratung mit der österreichischen Regierung und innerhalb eines Jahres nach Unterzeichnung vorliegenden Vertrags:

a) im Geiste der Billigkeit und Weitherzigkeit die Frage der Staatsbürgerschaftsoptionen, welche sich aus dem Abkommen Hitler-Mussolini vom Jahre 1939 ergibt, neu zu regeln;

b) eine Vereinbarung über die gegenseitige Anerkennung der Gültigkeit gewisser Studientitel und Hochschuldiplome zu treffen;

c) ein Abkommen über den freien Personen- und Güterverkehr zwischen Nordtirol und Osttirol auf dem Schienenwege und in möglichst weitgehendem Umfange auch auf dem Straßenwege zu treffen;

d) Sonderabmachungen zur Erleichterung eines erweiterten Grenzverkehrs und örtlichen Austausches bestimmter Mengen heimischer Erzeugnisse und Güter zwischen Österreich und Italien zu treffen.”

Von: apa

Kommentare

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7 Kommentare auf "Der “Pariser Vertrag” im Wortlaut"


Sortiert nach:   neuste | älteste | Relevanz
Savonarola
15 Tage 15 h

die SVP tut so, als ob dieser Vertrag der Urknall wäre.

Doolin
Doolin
Universalgelehrter
15 Tage 17 h

…der Gruber hat sich über den Tisch ziehen lassen…
😝

wellen
wellen
Universalgelehrter
15 Tage 16 h

Schlechter Vertrag.. Gruber war international unerfahren, schwach, und eigentlich ist dieser Vertag Anlass zu den folgenden Terroraktionen, herauf bis in die 70er Jahre. Wahrlich kein Meisterwerk.

traktor
traktor
Universalgelehrter
15 Tage 16 h

schon dals wurden die ortsnamen z.b. nicht erwähnt…. mehr gehts um handel als um die bevölkerung. note 5! setzen

Guri
Guri
Superredner
15 Tage 12 h

Derart Vertrag von damals wird heute gefeiert ,von unseren Volks Vertretern . Tirol wurde zerrissen sowas ist nicht zum Feiern

Gagarella
Gagarella
Universalgelehrter
15 Tage 14 h

Wären wir Süd-Tiroler keine Österreicher, hätten wir auch keine Autonomie.

Faktenchecker
15 Tage 9 h

Hier gibt es noch mehr Informationen.

http://www.provinz.bz.it/pariservertrag/

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