Weniger Flüchtlinge an der Grenze zu Bayern

Deutlich weniger Migranten an deutscher Grenze gestoppt

Sonntag, 24. Dezember 2017 | 06:37 Uhr

Immer weniger Flüchtlinge kommen über Österreich, Tschechien und die Schweiz nach Deutschland. Nach Angaben der deutschen Bundespolizei ist die Zahl der eingereisten Flüchtlinge in diesem Jahr deutlich zurückgegangen: Bis einschließlich November seien an der Grenze zu Bayern und Baden-Württemberg etwa 19.600 Flüchtlinge gezählt worden, sagte ein Sprecher.

Im Vorjahreszeitraum waren es etwa 74.000 unerlaubte Einreisen. Allein über Bayern kamen demnach knapp 16.000 Flüchtlinge nach Deutschland, 2016 waren es 70.000. An der Grenze zu Bayern registrierte die Bundespolizei 410 Fälle von Schleppung, 2016 waren es 665. Die 2017 dort aufgegriffenen Flüchtlinge waren zumeist Männer zwischen 16 und 35 Jahren und stammten aus Nigeria, Afghanistan, Syrien und dem Irak. In Baden-Württemberg kamen vor allem Migranten aus Guinea, Nigeria und Eritrea, aber auch aus Somalia und Gambia an.

Ein Großteil der Flüchtlinge kam mit der Bahn, viele reisten auch in Bussen und Autos. Fast 900 Migranten versuchten auf Güterzügen Bayern zu erreichen und wurden dabei gestoppt. Etwa 40 Prozent der 2017 an der deutsch-österreichischen Grenze eingereisten Flüchtlinge seien zurückgewiesen worden, teilte der Polizei-Sprecher mit. Generell sei die Zahl der Flüchtlinge im Laufe des Jahres konstant geblieben, wenngleich sie in den Sommermonaten etwas höher ausgefallen sei.

Die Asylsuchenden seien nach der Einreise kontrolliert und anschließend an die Erstaufnahmeeinrichtung weitergeleitet worden, hieß es bei der Bundespolizei weiter. “Wird ein Asylantrag gestellt, erfolgt die Prüfung durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge.” Auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise vor gut zwei Jahren waren binnen weniger Wochen Hunderttausende Asylbewerber – größtenteils ohne gültige Papiere – nach Deutschland gekommen.

Unterdessen begann die deutsche Regierung mit dem Aufbau von Jugendheimen in Marokko, in denen auch abgeschobene unbegleitete Minderjährige betreut werden sollen. In diesen Heimen sollen einheimische “Straßenkinder” ebenso wie “zurückkehrende Minderjährige aus Deutschland” aufgenommen werden, teilte das Innenministerium in Berlin gegenüber der “Welt am Sonntag” mit.

Die Heime sollten auch “zwangsweise Zurückgeführten, insbesondere jugendlichen Straftätern, offen stehen”. Geplant sei zunächst die Schaffung von zwei Einrichtungen mit jeweils hundert Plätzen. Neben Unterkunft und Verpflegung sollen die jungen Leute auch sozialpädagogische Betreuung, Zugang zu Bildungsangeboten und weitere Unterstützung erhalten.

Deutschland bemühe sich mit dem Pilotprojekt “um einen integrierten Ansatz bei der Rückkehr und Reintegration unbegleiteter Minderjähriger nach Marokko”. Deutschland führe darüber bereits Gespräche mit der marokkanischen Regierung. Ziel sei es, möglichst zeitnah operativ mit dem auf drei Jahre angelegten Projekt zu starten.

Von: APA/dpa