Eine Radfahrerin passiert Plakate der Kanzlerkandidaten in Berlin

Deutsche halten Rennen ums Kanzleramt noch für offen

Montag, 20. September 2021 | 05:23 Uhr

Eine Woche vor der Bundestagswahl glaubt eine absolute Mehrheit der Deutschen, dass das Rennen um das Kanzleramt noch nicht gelaufen ist. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts INSA im Auftrag von “Bild” (Montagausgabe) hervor. Bei der Befragung von 1000 Bürgern am vergangenen Freitag hatten 55 Prozent der Befragten angeben, dass sie die Wahl für noch nicht entschieden halten.

Lediglich ein Viertel der Wähler geht davon aus, dass am Ergebnis nicht mehr zu verändern sei. Zugleich gab nur knapp jeder Fünfte (18 Prozent der Befragten) an, die eigene Wahlentscheidung noch nicht fix getroffen zu haben. 73 Prozent sagten, ihre Wahlabsicht stehe bereits fest. Am häufigsten unentschieden sind aktuell Wähler, die aktuell zur FDP tendieren (21 Prozent). Den Liberalen dürfte eine entscheidende Rolle bei der Regierungsbildung zukommen. Ihr Chef Christian Lindner präferiert ein Bündnis mit der Union, die aktuellen Umfragen zufolge massiv abstürzen und nur auf dem zweiten Platz landen dürfte.

Im aktuellen Umfrageschnitt von “Politico” liegen die Sozialdemokraten mit 26 Prozent in Führung, während die konservative Union auf 21 Prozent kommt. Die im Frühjahr zeitweise führenden Grünen können mit aktuell 16 Prozent kaum noch im Kanzlerrennen mitmischen. Der FDP und der rechtspopulistischen “Alternative für Deutschland” werden jeweils elf Prozent vorhergesagt, der Linken sechs Prozent.

Die INSA-Umfrage wurde vor dem dritten und letzten Triell der drei Kanzlerkandidaten Armin Laschet (CDU/CSU), Olaf Scholz (SPD) und Annalena Baerbock (Grüne) am Sonntag durchgeführt. Dieses brachte einer Blitzumfrage zufolge keine Veränderung der Ausgangslage. Scholz kam auch diesmal bei den Zuschauern am besten an. Auf die Frage, wer alles in allem das TV-Triell gewonnen habe, stimmten 42 Prozent für Scholz. Auf Platz zwei landete Armin Laschet (Union) mit 27 Prozent, und Annalena Baerbock (Grüne) kam auf 25 Prozent. Sechs Prozent entschieden sich für die Antwort “Weiß ich nicht”.

Auch inhaltlich brache die sehr sachlich ausgetragene Debatte keine wesentlich neuen Erkenntnisse. Laschet, Scholz und Baerbock wiederholten weitgehend ihre Positionen aus zahlreichen Wahlkampfreden und aus den vorherigen beiden Triell-Runden. Der CDU-Vorsitzende kam diesmal aber weniger zum Angriff als in den beiden ersten Triellen. Immer wieder musste er sich gegen Attacken von Scholz und Baerbock wehren, die etwa in der Sozialpolitik einen Schulterschluss demonstrierten. So lehnte Laschet gleich zu Beginn als Einziger eine Anhebung des Mindestlohns durch den Gesetzgeber ab und war bei diesem Thema in der Defensive.

Die Grünen-Kandidatin, deren Partei mit Umfragewerten von 15 bis 16 Prozent derzeit sogar um den dritten Platz kämpfen muss, präsentierte sich im dritten Triell am angriffslustigsten. Scholz hatte es im Vergleich zum letzten TV-Schaukampf leicht. Als erstes Thema kam Armut in Deutschland auf den Tisch, nicht die Geldwäsche-Razzia oder Wirecard, was Scholz beim ARD/ZDF-Triell gleich unter Druck gebracht hatte. Ob er überhaupt nachvollziehen könne, wie es Pflegekräften und anderen gehe, lautete eine Frage. “Unbedingt kann ich das nachempfinden.” Im Schulterschluss mit Baerbock an seiner linken Seiten konnte Scholz seinen Wahlkampfschlager 12 Euro Mindestlohn durchbuchstabieren.

Als Baerbock und Laschet über Steuern stritten, demonstrierte der Finanzminister mit einem Grinsen, dass er sich gerne über den Streit stellt. Er umriss die Steuer-Gemeinsamkeiten von SPD und Grünen und kanzelte nebenbei die Unionspläne für Entlastungen als “unfinanzierbar” ab. Baerbocks Angriffe wegen ihrer Ansicht nach zu lahmen Kohleausstiegsplänen versuchte Scholz routiniert an sich abperlen zu lassen.

Baerbock agierte ähnlich wie beim vorherigen Triell. In der Sozialpolitik suchte sie den Schulterschluss mit Scholz. Beim grünen Kernthema Klimaschutz stellte sie sich hingegen gegen beide. Sie warf Scholz und Laschet als den Vertretern der großen Koalition Tatenlosigkeit vor. Auch das bringe Kosten mit sich, argumentierte die Grünen-Chefin: “Wenn wir jetzt nichts tun, dann wird es in Zukunft unbezahlbar.” Gezielte Stiche setzte sie insbesondere gegen Laschet.

Von: APA/Reuters/dpa

Kommentare

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14 Kommentare auf "Deutsche halten Rennen ums Kanzleramt noch für offen"


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Storch24
Storch24
Kinig
28 Tage 1 h

Was bitte hat irgendeine Radfahrererin mit den Wahlen zu tun ?

Doolin
Doolin
Universalgelehrter
27 Tage 23 h

…wenn rot-grün an die Macht kommt, bleibt nur noch Rad fahren übrig…
😅

pfaelzerwald
pfaelzerwald
Universalgelehrter
27 Tage 18 h

@doolin
Der war gut.

N. G.
N. G.
Tratscher
27 Tage 1 h

@Doolin In Anbetracht des immer schneller werdendem Klimawandels würde ich behauptet, dass das si sein SOLLTE!

Parteikartl
Parteikartl
Tratscher
27 Tage 21 h

War die SPD nicht die letzten 12 Jahre in der Regierung?
Was haben die da mit dem Scholz (Finanzminister) erreicht?
Und jetzt will er die “Welt” neu erfinden?
Alles Augenauswischerei, denn am Ende entscheidet die Esken und Borjans das sind die Hauptfiguren, Scholz ist nur der “Vorauseilende”.

pfaelzerwald
pfaelzerwald
Universalgelehrter
27 Tage 18 h

@parteikartl
Stimmt. Aber lassen Sie das nicht den User Pingo……hören.

Zugspitze947
26 Tage 21 h

Parteikartl: genau und gerade DARUM darf er NICHT Kanzler werden ! Übrigens hast du Kühnert und Mützenich vergessen,die sind am gefährlichsten weil sie die Klappe halten 🙁

Andreas1234567
Andreas1234567
Universalgelehrter
27 Tage 12 h
Hallo aus D, am 26.9 ist auf jeden Fall fix der “Merkel ist weg”-Tag. Persönlicher Feiertag, 16 Jahre Durchregieren ist genug,es ist nur noch eine Ansammlung und ein Hofstaat von Bücklingen und Paladinen um das Zentralgestirn Merkel. Ihre internationalen Freunde werden die grosszügige Dame mit dem prall gefülltem Geldsack vermissen und ich hoffe inständig die von ihr per Mutti-Order ernannte Präsidentin der EU-Kommission wird gleich mit versenkt. Persönliche Hoffnungen:  Gnadenloses Kehraus bei ihren inkompetenten Höflingen, eine Rückbesinnung auf das Prinzip “Eigenverantwortung statt Bevormundung”, respektvoll ausgestreckte Hand nach Osteuropa und ein eiserner Besen bei einer lautstarken Minderheit welche gern die Macht… Weiterlesen »
N. G.
N. G.
Tratscher
27 Tage 1 h

@Andreas1234567
Wofür so manche Regieren Geld ausgibt scheinst du nicht zu durchschauen.
Kleines Beispiel, ca. 29 Milliarden für Griechenland, brachte den Deutschen 100 Milliarden an Rückflüssen. Es war ein riesiges Geschäft!
Geld an Staaten aus denen grosse Flüchtlingsströme drihen, ist auch nicht rausgeworfenes Geld. Die Flüchtlinge würden sinst kommen und um virles mehr kosten und wer glaubt sie aufhalten zu können, der TRÄUMT.

Zugspitze947
26 Tage 22 h

Andreas:träum weiter die UNION wird SIEGEN 🙂

Supergscheider
Supergscheider
Superredner
27 Tage 20 h

Spielt überhaupt keine Rolle,welche Blablaist*innen vorne steht,unsere Demokratien haben fertig.
Vom Volk legitimierte Lobbyvertreter die abgehoben im Politraumschiff, sich selbst und ihre Gönner bedienen ,ohne Rücksicht auf Verluste und Kolateralschäden.

Markuskoell
Markuskoell
Grünschnabel
27 Tage 17 h

Alle 3 passen perfekt zu Deutschland 🤭😂😂

hundeseele
hundeseele
Superredner
27 Tage 3 h

Alle nicht wählbar eigentlich……

N. G.
N. G.
Tratscher
27 Tage 2 h

Ich würde eher sagen, Laschet und die CDU/CSU hällt das Rennen für noch nicht verloren.
Auch ein Gerhard Schröder dachte nach seiner Abwahl er ist Kanzler.
Der alte Mief muss endlich weg!
Wenn nicht, dann spätestens in 5 oder 10 Jahren, wenn die heutige Jugend wählen darf, hat sich das erledigt!

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