Vom Rapper zum fanatischen Verbrecher

Deutscher Dschihadist Denis Cuspert offenbar doch nicht tot

Donnerstag, 04. August 2016 | 14:13 Uhr

Der deutsche Jihadist und Ex-Rapper Denis Cuspert ist entgegen früherer US-Militärangaben offenbar doch nicht tot. Das US-Verteidigungsministerium dementierte frühere eigene Angaben.

Ein Pentagon-Sprecher erklärte laut einem Bericht der “New York Times” vom Donnerstag, dass die früheren Erkenntnisse, wonach Cuspert bei einem Luftangriff im Oktober auf Stellungen der Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien getötet worden sein soll, anscheinend unzutreffend seien. Es erscheine inzwischen so, als habe Cuspert diesen Angriff überlebt.

Nähere Details nannte der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums nicht. Er erklärte lediglich, dass die USA weiterhin Extremisten wie Cuspert ins Visier nähmen, “die Anschläge gegen den Westen und unsere Verbünden planen, ausführen oder dazu anstiften”.

Ende Oktober hatte das Pentagon mitgeteilt, dass der aus Berlin stammende Extremist bei einem Luftangriff nahe Raqqa in Syrien getötet worden sei. Von den deutschen Behörden war der Tod Cusperts jedoch nie bestätigt worden. Jihadisten hatten schon im April 2014 seinen Tod verkündet, doch war der Deutsche dann später wieder aufgetaucht.

Nach den damaligen Angaben des US-Verteidigungsministeriums soll Cuspert aber nicht das vorrangige Ziel des Angriffs vom 16. Oktober gewesen sein. Eine Pentagon-Sprecherin sagte seinerzeit, der deutsche Extremist habe auch US-Präsident Barack Obama und deutsche Bürger bedroht und Muslime im Westen aufgerufen, Anschläge zu verüben.

Cuspert hatte sich vor vier Jahren nach Ägypten abgesetzt und anschließend dem IS in Syrien angeschlossen. Er tauchte in zahlreichen Propagandavideos der Jihadistenmiliz auf. So veröffentlichte der IS ein Video im Internet, in dem Cuspert offenbar den Kopf eines exekutierten IS-Gegners in den Händen hält.

Cuspert war in Berlin als Rapper mit dem Künstlernamen Deso Dogg bekannt geworden. Als er sich dem IS anschloss, nannte er sich Abu Talha al-Almani. Er soll Deutsche für den IS rekrutiert haben, die deutsche Bundesanwaltschaft ermittelt wegen Kriegsverbrechen gehen ihn.

Der Berliner Verfassungsschutz hatte Cuspert in einer Lageanalyse vom September 2014 als “deutschsprachigen Propagandisten” des IS bezeichnet. Der spätere Jihadist hatte sich demnach 2010 endgültig aus der Hip-Hop-Szene zurückgezogen, nachdem er bereits in Kontakt mit salafistischen Gruppen in Berlin gekommen war. In der Folgezeit wurde er zu dem bundesweiten salafistischen Netzwerk Millatu Ibrahim zugerechnet, das im Mai 2012 verboten und aufgelöst wurde.

Cuspert reiste daraufhin im Juni 2012 zunächst nach Ägypten und Anfang 2013 weiter nach Syrien. Laut Verfassungsschutz trat er im April 2014 dem IS bei und wurde dessen “deutschsprachiges Aushängeschild”.

Cuspert war auch mit dem Austro-Jihadisten Mohamed M. befreundet. Nach dem 31-jährigen wird per internationalem Haftbefehl gefahndet. Es ist unklar, ob Mohamed M. überhaupt noch am Leben ist. Laut Gerüchten soll er im Vorjahr bei einem US-Luftschlag verletzt worden sein.

Von: APA/dpa

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