Für Deutschklassen muss in anderen Bereichen gespart werden

Deutschklassen – Wien wird bei Englisch-Lehrkräften sparen

Mittwoch, 29. August 2018 | 14:05 Uhr

Die vom Bund verordneten Deutschklassen sorgen dafür, dass in Wien das Angebot an Schulen eingeschränkt werden muss – etwa beim Englischunterricht. Auch aus anderen Bereichen müsse Personal umgeschichtet werden, wurde am Mittwoch von den Spitzenvertretern der Stadt beklagt. Denn der Bund streiche ausgerechnet nun Sprachförderkräfte, hieß es.

Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ), Bildungsstadtrat Jürgen Czernohorszky (SPÖ) und Stadtschulratspräsident – bzw. nunmehr Bildungsdirektor – Heinrich Himmer gaben am Mittwoch Einblick in die laufenden Planungen. Gemäß der mit dem Bildungsministerium erzielten Übereinkunft würden die Deutschklassen nun umgesetzt. Rund 300 werden im September starten, wie der Stadtrat erläuterte.

An 41 Standorten könne man aus organisatorischen Gründen nur gemeinsamen Unterricht anbieten. Die grundsätzliche Kritik bleibt laut Czernohorszky aufrecht. Alle Studien würden belegen, dass Kinder gemeinsam besser lernen, gab er zu bedenken. Wobei die Gemeinsamkeit in Wien ab dem Schulbeginn kommender Woche zumindest drei Wochen lang generell gilt.

Denn am Anfang werden die Erstklässler – nur sie und gerade in Österreich angekommene Quereinsteiger ins Schulsystem sind von der neuen Regelung betroffen – gemeinsam die Schulbank drücken. Erst danach wird die Trennung (die nicht in allen Fächern vorgeschrieben ist, Anm.) vollzogen. Kinder, die seit der Schuleinschreibung ausreichend Sprachfortschritte gemacht haben, dürfen bleiben. In den Deutschklassen wiederum sollen höchstens 15 Tafelklassler sitzen.

Beklagt wird in Wien, dass gleichzeitig das Integrationspaket durch den Bund gekürzt worden sei. Dadurch verfüge man über 300 Sprachförderkräfte weniger, wurde kritisiert. Laut Himmer ist es darum nötig, die notwendigen Lehrer für die Deutschklassen durch Umschichtungen zu erhalten: “Wir müssen aus anderen Bereichen diese Lehrer abziehen.” Das bedeute, dass das Angebot in den Schulen teilweise eingeschränkt werde. Freigegenstände oder muttersprachlicher Unterricht seien hier etwa betroffen.

Auch der bilinguale Unterricht, bei denen die Kids in Deutsch und Englisch unterrichtet werden, muss adaptiert werden. Man werde zwar keine Kündigungen von englischsprachigen Lehrkräften vornehmen, Posten aber nicht nachbesetzen, kündigte der Bildungsdirektor heute an.

Wiens Bürgermeister Ludwig verwies bei dem Termin – der in der neu errichteten Neuen Mittelschule am Regnerweg in Stammersdorf stattfand – darauf, dass Schule generell viele Aufgaben übernehme, die für die Allgemeinheit von Bedeutung seien: “Gerade in anderen Städten sieht man derzeit, dass man politische Bildung in einer Demokratie sehr ernst nehmen muss. Wir nehmen sie ernst.”

Von: apa

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