Streit um Moskaus Umgang mit Nawalny für zu diplomatischen Spannungen

Deutschland weist russischen Diplomaten aus

Montag, 08. Februar 2021 | 21:52 Uhr

Die Krise in den deutsch-russischen Beziehungen wegen der Inhaftierung des Kremlkritikers Alexej Nawalny verschärft sich weiter. Als Vergeltung für die Ausweisung eines deutschen Diplomaten aus Russland verwies das Auswärtige Amt am Montag einen Mitarbeiter der russischen Botschaft in Berlin des Landes. Der Diplomat sei zur “unerwünschten Person” erklärt worden, teilte das Ministerium mit. Auch Polen und Schweden wiesen am Montag jeweils einen russischen Diplomaten aus.

Damit haben die ohnehin schon schwer angeschlagenen Beziehungen zwischen Deutschland und Russland einen weiteren Tiefpunkt erreicht. Russland hatte am Freitag nach Demonstrationen in ganz Russland für eine Freilassung Nawalnys und gegen Präsident Wladimir Putin drei Diplomaten aus Deutschland, Polen und Schweden ausgewiesen. Sie hätten am 23. Jänner an nicht genehmigten Protesten teilgenommen, hieß es zur Begründung. Solche Aktionen seien unvereinbar mit dem diplomatischen Status.

Auch Polen und Schweden wiesen am Montag jeweils einen russischen Diplomaten aus. Das Auswärtige Amt in Berlin erklärte, die russische Strafmaßnahme in der vergangenen Woche sei “in keiner Weise gerechtfertigt” gewesen. “Der betroffene deutsche Diplomat war allein seiner im Wiener Übereinkommen über diplomatische Beziehungen vorgesehenen Aufgabe nachgekommen, sich mit rechtmäßigen Mitteln über die Entwicklung vor Ort zu informieren.”

Die russische Botschaft in Berlin bezeichnete die Ausweisung als “unbegründete und unfreundliche Maßnahme”, die nicht zu einer positiven Entwicklung der deutsch-russischen Beziehungen beitrage. “Wir bedauern, dass Berlin in letzter Zeit immer häufiger auf offensichtliche Konfrontationsmaßnahmen gegenüber Russland zurückgreift”, hieß es in einer Erklärung, in der die Botschaft ihrerseits mit Vergeltung drohte. “Jegliche unfreundliche Schritte werden auch weiterhin angemessen und verhältnismäßig erwidert.”

Der deutsche Außenminister Heiko Maas (SPD) hatte bereits am Freitag gesagt, dass die Ausweisung das Verhältnis Russlands zu Europa weiter beschädige. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach von einer “weiteren Facette in dem, was ziemlich fernab von Rechtsstaatlichkeit im Augenblick gerade in Russland zu beobachten ist”.

Das deutsch-russische Verhältnis war schon vor der Vergiftung Nawalnys in der Krise. Dazu haben zwei Ereignisse maßgeblich beigetragen: Der bisher größte Cyber-Angriff auf den Bundestag im Jahr 2015, für den russische Hacker verantwortlich gemacht werden. Und der Mord an einem Georgier tschetschenischer Herkunft in Berlin im August 2019, den nach den Ermittlungen der Bundesanwaltschaft die russische Zentralregierung in Auftrag gegeben hat.

Der Fall Nawalny bringt das Fass jetzt aber endgültig zum Überlaufen. Deutschland spielt hier eine besondere Rolle, weil sich der russische Oppositionelle nach seiner Vergiftung in Russland hier auskurierte – bevor er dann nach seiner Rückkehr in die Heimat verhaftet und zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt wurde.

Zwischen Russland und der EU gibt es nun schon seit einiger Zeit ein hin und her aus Strafmaßnahmen und Vergeltung. Diesmal war Moskau zuerst am Zug. Das russische Staatsfernsehen führte die ausgewiesenen EU-Diplomaten wie Kriminelle vor: Es veröffentlichte Bilder von Überwachungskameras, kreiste die Diplomaten mit Grafiksymbolen auf der Straße in der Menschenmenge ein und nannte sie mit vollem Namen und Funktion. “Er ging mit Absicht zielgerichtet ins Epizentrum der Ereignisse und begab sich dorthin, wo fast die meisten Leute waren”, sagte der Sprecher der Nachrichtensendung über den Mitarbeiter der deutschen Botschaft.

In westlichen Diplomatenkreisen war anschließend von einem “Schlag unter die Gürtellinie” und von einer “hinterlistigen Inszenierung” die Rede – unüblich für den Umgang zwischen Europa und Russland. Verschärfend kommt hinzu, dass der russische Außenminister Sergej Lawrow den EU-Außenbeauftragten Josep Borrell vorführte, der in Moskau zu Gast war, als die Ausweisung bekanntgegeben wurde.

Solche Praktiken zerstörten nicht nur Vertrauen, sondern auch die vielfach bei Diplomaten vorhandenen Sympathien für Russland, hieß es in den Diplomatenkreisen. Mancher fühlte sich da an Moskaus Methoden aus dem Kalten Krieg, an die finsteren kommunistischen Zeiten erinnert. Beobachter gehen davon aus, dass das lange nachwirken werde.

Russland kritisierte die Ausweisung seines Diplomaten am Montag – sie sei “unbegründet, unfreundlich und eine Fortsetzung jener Serie an Handlungen, Aktionen, die der Westen gegen unser Land unternimmt und die wir als Einmischung in die inneren Angelegenheiten einstufen”, sagte die Sprecherin des russischen Außenministeriums Maria Sacharowa im Staatsfernsehen.

Es ist davon auszugehen, dass als nächstes wieder Sanktionen der EU folgen. Sie werden bereits vorbereitet. Kanzlerin Merkel und ihre Regierung stecken aber in einem Dilemma. Je tiefer die deutsch-russischen Beziehungen in die Krise stürzen, desto schwerer wird es, an der Gaspipeline Nord Stream 2 zwischen Deutschland und Russland festzuhalten, die sie noch als vorwiegend wirtschaftliches Projekt behandelt. Den Fall Nawalny will sie damit nicht verknüpfen – jedenfalls noch nicht.

Von: APA/dpa

Kommentare

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14 Kommentare auf "Deutschland weist russischen Diplomaten aus"


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eisern
eisern
Tratscher
25 Tage 1 h

War doch klar, immer wieder diese Spielchen. Du weist einen Diplomaten aus, ich weise einen Diplomaten aus Lächerlich, wie schon in meinen früheren Kommentaren prophezeit. Am Ende haben sich alle lieb und stoßen mit Krimsekt auf die Deutsch-Russische Freundschaft an. Und äh??? Wer ist Nawalny???

Hustinettenbaer
Hustinettenbaer
Universalgelehrter
25 Tage 43 Sek

Ja, eine vorhersehbare Inszenierung.

Namulith
Namulith
Tratscher
24 Tage 23 h

Sie meinen die Rückreise Navalny’s mit dem Palast-Video dazu und den Demonstrationen?

bon jour
bon jour
Universalgelehrter
24 Tage 22 h

Putin, ganz die alte Sowjetunion.

Namulith
Namulith
Tratscher
24 Tage 8 h

@bon jour
Ist doch toll, nur ein paar kleine Änderungen und aus dem Anti-Sowjetunion Propaganda-Leitfaden wird der Anti-Russland Propaganda-Leitfaden… 😉

brunner
brunner
Universalgelehrter
24 Tage 21 h

Mann oh Mann! Da wird Russland aber vor Deutschland zittern….ob solcher drastischer Massnahmen!

Waltraud
Waltraud
Universalgelehrter
24 Tage 13 h

brunner
Ja, Wladimir der Ängstliche. Gell Faktenchecker. 🤣

Jo73
Jo73
Superredner
24 Tage 12 h

@brunner: Da gehts nicht um Zittern, da gehts um viel mehr. Russland wird natürlich nicht wie Sie sagen vor Deutschland zittern.
ABER:Russland möchte schon immer gerne seine Energie verkaufen, Russland möchte schon gerne sein Sputnik Impfstoff verkaufen. Russland ist schon ein Stücvk abhängig von Westeuropa, also alles leisten können sie sich auch nciht. Wenn unsere Politiker einen A…. in der Hose haben, dann kaufen sie solange nichts von diesem korrupten Land, bis sie einmal ein Einsehen zeigen in Sachen Menschenrechten

Namulith
Namulith
Tratscher
24 Tage 9 h

@Jo
“Russland möchte schon gerne sein Sputnik Impfstoff verkaufen.”
LOL. Wenn die EU Sputnik V nicht will lachen die Russen noch mehr über unsere Politiker als jetzt schon…

Namulith
Namulith
Tratscher
24 Tage 8 h

@Jo73
“Russland möchte schon immer gerne seine Energie verkaufen”
Hmm, Europa und vor allem Deutschland sind doch von Exporten abhängig und wenn Russland woanders kauft oder immer mehr selber produziert…

Faktenchecker
Namulith
Namulith
Tratscher
24 Tage 21 h

@Faktenchecker
Genau was dieser Artikel hier auch mitteilt…

Namulith
Namulith
Tratscher
24 Tage 21 h

Oh, ist ja der gleiche Artikel.

Namulith
Namulith
Tratscher
24 Tage 23 h

Ein seltsam emotional geladener Artikel…

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