Italienischer Außenminister antwortet im Parlament auf Anfrage

Di Maio: “Begnadigung der Südtiroler Terroristen steht Mattarella zu”

Mittwoch, 16. Juni 2021 | 16:50 Uhr

Rom/Bozen – Die Frage einer möglichen Begnadigung der Südtiroler Terroristen stand nicht auf der Agenda der Gespräche zwischen Italiens Präsidenten Sergio Mattarella und seinem österreichischen Amtskollegen Alexander Van der Bellen bei dessen Rom-Besuch am 7. Juni. Dies antwortete der italienische Außenminister Luigi Di Maio bei einer Fragestunde in der Abgeordnetenkammer.

Di Maio reagierte auf eine Anfrage zu Van der Bellens Aussagen nach dem Treffen mit Mattarella in Rom. “Ich möchte nichts verschreien, aber ich denke, wir sind auf einem guten Weg”, hatte Van der Bellen bezüglich der Möglichkeit einer Begnadigung der drei sogenannten “Pusterer Buam”, auf eine entsprechende Journalistenfrage geantwortet. Später unterstrich Van der Bellen, man sei “seit Jahren” mit Italien über dieses Thema im Gespräch.

Die Begnadigung der ehemaligen Südtiroler Terroristen sei “ausschließlich Vorrecht Mattarellas”, erklärte Di Maio und erinnerte daran, dass “gerade in diesen Tagen, vor 60 Jahren, die ‘Nacht der Feuer’ stattgefunden hatte, mit Angriffen auf Strommasten in Südtirol”.

“60 Jahre später, haben Südtirol, Trentino und Tirol gerade ihren grenzüberschreitenden Stromzusammenschluss am Brenner eingeweiht. Dies ist im Rahmen der Euregio (Euroregion Südtirol, Trentino und Tirol) dank des konsolidierten Prozesses der europäischen Integration möglich geworden. Das ist der Weg, den wir weiter verfolgen müssen”, schloss Di Maio.

In Südtirol wurden vom 20. September 1956 bis zum 30. Oktober 1988 361 Anschläge verübt, die insgesamt 21 Tote, davon 15 Angehörige der Ordnungskräfte, und 57 Verletzte zur Folge hatten. Wegen der Anschläge in der “Feuernacht 1961”, bei der rund 40 Strommasten gesprengt worden waren, und weiterer Attentate erhielten der 1941 geborene Heinrich Oberleiter und die anderen “Pusterer Buam” langjährige Haftstrafen. Oberleiter wurde auch ein Mord an einem Carabiniere vorgeworfen. Deswegen konnte der nach Österreich und dann nach Deutschland geflohene Oberleiter nicht mehr nach Südtirol einreisen.

Für eine generelle Amnestie der noch lebenden Südtiroler Attentäter hatte sich Tirols Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) im Jahr 2019 bei einer Gedenksitzung des Tiroler Landtags anlässlich des 100. Jahrestages des Friedensvertrages von Saint-Germain und der damit verbundenen Abtrennung Südtirols von Österreich stark gemacht. Es gehe um mehr als um “den Seelenfrieden dieser drei alten Männer”, sondern “auch um eine Symbolik, dass man in Italien ein Zeichen der Versöhnung setzt”, hatte Platter bei dieser Gelegenheit gesagt.

Ende 2018 hatten die Kinder Oberleiters ein Gnadengesuch an Mattarella gerichtet. Die Staatsanwaltschaft Brescia stimmte dem Gnadengesuch zu, die Entscheidung liegt aber beim Staatspräsidenten. Platter und Südtirols Landeshauptmann Arno Kompatscher (SVP) wiederum hatten bei der Gedenksitzung 2019 in ihren Reden hervorgestrichen, dass 100 Jahre davor eine “Unrechtsgrenze” zwischen Südtirol und Nordtirol bzw. Österreich gezogen worden sei: “Nur weil es nun 100 Jahre Unrecht ist, wird daraus auch heute, 100 Jahre später, kein Recht”. Kompatscher meinte aber, dass nun mit der Europaregion Tirol “wieder zusammenwächst, was zusammengehört”.

Von: apa

Bezirk: Bozen