Jubiläum

Die Südtirol-Streitbeilegung wird 25 Jahre alt

Sonntag, 11. Juni 2017 | 08:00 Uhr

Der 11. Juni ist ein historischer Tag in der Geschichte Südtirols. Zum 25. Mal jährt sich heuer an diesem Tag die Abgabe der “Streitbeilegungserklärung” zwischen Österreich und Italien. 20 Jahre hatten die Verhandlungen um die Südtirol-Autonomie gedauert. Mit der Erklärung wurde der in den 1960-er Jahren eröffnete Streit zwischen den beiden Ländern um die Umsetzung des Pariser Vertrags vor der UNO offiziell beendet.

Nachdem 1946 die österreichische Forderung nach einer Volksabstimmung in Südtirol von den Westmächten endgültig abgelehnt worden war, kam es in Paris zwischen den Außenministern Karl Gruber und Alcide De Gasperi zur Unterzeichnung eines Schutzabkommens. Der Vertrag wird Teil des Friedensvertrages der Alliierten mit Italien – Südtirol damit zum ersten Mal eine internationale Frage.

1948 erlässt Rom das erste Autonomiestatut. Südtirol wird mit dem Trentino zusammengefasst. Die italienische Bevölkerung ist in der Region in der Mehrheit. Die Unzufriedenheit der Südtiroler gipfelt 1957 in einer Kundgebung mit der Forderung “Los von Trient” auf Schloss Sigmundskron bei Bozen. Nach dem Beginn verstärkter Zuwanderung aus Italien nach Südtirol folgen die ersten (unblutigen) Anschläge, die sich zunächst gegen Sozialwohnbauten richten.

1960 interveniert der damalige Außenminister Bruno Kreisky zum ersten Mal bei der UNO. Italien lenkt trotzdem vorerst nicht ein. Die Anschläge erreichen in der Herz-Jesu-Nacht vom 11. Juni 1961 ihren Höhepunkt, Südtirol ist nun auch international im Mittelpunkt des Interesses.

1969 stimmt die Südtiroler Volkspartei (SVP) den 137 ausgehandelten Maßnahmen eines “Paketes” zu. Am 20. Jänner 1972 tritt das zweite Autonomiestatut in Kraft. Es dauert 20 weitere Jahre, bis die wesentlichsten Punkte realisiert werden. Unter anderem werden 1988 eine neue Finanzregelung und die Einhaltung der Zweisprachigkeitsregelungen in Südtirol von Rom verabschiedet.

8 Von österreichischer Seite wird betont, dass die Schutzmachtfunktion aufrecht bleibe und dass kein Verzicht auf das Selbstbestimmungsrecht Südtirols vorliege. Am 19. Juni 1992 legen Österreich und Italien den Streit vor der UNO in New York bei. Österreich betont, dass die auf dem Gruber/De Gasperi-Abkommen fußende Schutzmachtfunktion aufrecht bleibe.

Erst jüngst ließ der jetzige Landeshauptmann Arno Kompatscher (SVP) die Entwicklung der Region seit dem Autonomiestatut 1992 Revue passieren und unterstrich, dass die damaligen Befürchtungen sich nicht bewahrheitet hätten. Weder sei Südtirol wieder eine “innerstaatliche Angelegenheit” Italiens geworden, noch habe es eine “Erstarrung” des Autonomietextes gegeben. Vielmehr sehe er Südtirol heute als “ein kleines Europa in Europa”, so Kompatscher: “Mehrsprachig, stark verwurzelt in der eigenen Tradition, mit Offenheit für Europa, eine Brücke zwischen Nord und Süd.”

Von: apa

Bezirk: Bozen