Doskozil bei seiner Truppe

Doskozil sieht Kosovo-Einsatz als Vorbeugung

Freitag, 16. September 2016 | 16:08 Uhr

Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil (SPÖ) hat am Freitag erstmals die österreichischen Truppen im Kosovo – das größte Auslandskontingent des Bundesheers – besucht. Die Stabilisierung der Region beuge islamistischen Tendenzen vor, betonte der Minister, deshalb sei der Einsatz auch für Österreich wichtig.

Die Sicherheitslage in dem zu 90 Prozent von Albanern bewohnten Kosovo gilt aktuell als ruhig, im serbisch dominierten Nordkosovo als etwas angespannt. Vor allem im Süden des Landes mit gut 1,7 Mio. Einwohnern hat sich laut Beobachtern eine islamistische Szene entwickelt. Rund 230 IS-Kämpfer registrierte der Kosovo, es gibt zahlreiche Verhaftungen. Meldungen über ein IS-Trainingslager im Kosovo hätten sich nach einer Aufklärungsmission nicht bestätigt, wird an Ort und Stelle berichtet. Aktuell gibt es auch “keine reelle Bedrohung” durch Radikale oder Extremisten, sehr wohl gilt der Kosovo aber als eine Art “Warteraum”.

Es herrsche eine “gewisse Gefahr der Islamisierung” im Kosovo und in Bosnien, die man “gut beobachten” müsse, erklärte Doskozil. Deshalb sei die Beteiligung des Bundesheers an der NATO-Truppe KFOR “in dieser Größenordnung” im Interesse Österreichs und ganz Europas. Doskozil gab ja vor kurzem die Devise einer “interessensgeleiteten Neutralitätspolitik” aus, wonach die Auslandseinsätze künftig vermehrt dem Interesse Österreichs dienen sollen. Gefragt nach neuen Missionen blieb der Minister aber zurückhaltend: Der Fokus liege jetzt am Balkan und der EU-Außengrenzsicherung, etwa als Unterstützung in Ungarn. Welche Herausforderungen die Zukunft bringe, sei jetzt nicht zu beurteilen.

Im Kosovo ist Österreich größter Truppensteller unter den Nicht-NATO-Mitgliedern bei der KFOR. Die rund 470 österreichischen Soldaten (darunter elf Frauen) sind über den gesamten Kosovo verstreut eingesetzt. Ziele der “Kosovo Force”, die es seit 1999 gibt und an der 31 Nationen teilnehmen, sind der Wiederaufbau der Region nach dem Kosovo-Krieg sowie die Friedenssicherung – unter anderem, um eine sichere Rückkehr von Flüchtlingen zu ermöglichen.

Das österreichische Kontingent besteht etwa aus einem nationalen Führungselement, einer Aufklärungskompanie und einem Militärpolizeizug in der Hauptstadt Prishtina, Ärzten und Sanitätspersonal in Prizren und zwei Infanteriekompanien in Peja (serbisch: Pec). Zu ihren Aufgaben zählen beispielsweise Patrouillen oder der Schutz des Klosters Decani, aber auch bei einer Schlammlawine im benachbarten Mazedonien rückten die Österreicher erst kürzlich zur Unterstützung der Aufräumarbeiten an.

Von: apa

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